Der Wasserstand des Rheins am wichtigen Verkehrsknotenpunkt bei Kaub, in der Nähe von Koblenz, fiel am Freitag auf nur noch 25 Zentimeter und egalisierte damit den Rekord vom Oktober 2018. Der deutsche Bundesverkehrsminister Steffen Bilger reagierte mit der Einberufung einer Krisensitzung zum Niedrigwasser für Donnerstag in Bonn, wie die Tagesschau berichtet.
Die Prognosen sind noch alarmierender. Nach Angaben der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung, die am Montag veröffentlicht wurden, wird erwartet, dass der Wasserstand an derselben Stelle am Freitag auf historische 18 Zentimeter fällt, was deutlich unter allen bisher gemessenen Werten läge. Die BBC News berichtet, dass 44 % der Messstationen am Rhein und sogar 78 % an der Donau Ende Juli extrem niedrige Wasserstände verzeichneten.
Kettenreaktion in ganz Europa
Das Problem ist nicht auf Deutschland beschränkt. Die Donau, die durch zehn Länder fließt, fiel letzte Woche in mehreren Ländern, darunter Serbien und Rumänien, auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren. Deshalb musste Ungarn sein einziges Kernkraftwerk abschalten. "Wir wissen nicht, wann wir es wieder hochfahren können. Wir hoffen, dass es so bald wie möglich passiert und dass der erfrischende Regen kommt, den die Prognostiker noch nicht sehen", sagte der ungarische Ministerpräsident Peter Magyar am Montag.
In Italien erreichte der längste Fluss Po Ende Juli bei Cremona einen historischen Tiefststand, was dazu führte, dass die Dürrewarnstufe im gesamten Po-Tal auf "hoch" angehoben wurde. Die Wissenschaftsgruppe World Weather Attribution stellte in einer aktuellen Studie fest, dass es zwar keinen klaren langfristigen Trend zu weniger Niederschlägen gibt, aber der vom Menschen verursachte Klimawandel die Verdunstung von Feuchtigkeit durch höhere Temperaturen erhöht und Dürren wahrscheinlicher macht.
Wirtschaftlicher Schock für Industrie und Transport
Der niedrige Wasserstand gefährdet ernsthaft die Binnenschifffahrt, die für den Transport von Getreide, Mineralien, Kohle und Ölprodukten entscheidend ist. Schiffe können derzeit nur bis zu 20 % ihrer Kapazität beladen werden. "Es kommt die Zeit, in der die Ladungen zu klein sind, um rentabel zu sein, oder die Eigner befürchten, ihre Schiffe zu beschädigen", sagte ein Rohstoffhändler gegenüber Reuters.
Die Auswirkungen sind bereits in den Preisen sichtbar. Der Transport per Tanker von Rotterdam nach Karlsruhe kostete am Montag zwischen 145 und 150 Euro pro Tonne, mehr als eine Verdreifachung gegenüber Ende Juni, als der Preis bei 45 Euro lag. Der Ökonom Stefan Kooths vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel warnt vor breiteren Auswirkungen: "Insgesamt könnten die Effekte stark genug sein, um das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 0,1 bis 0,2 Prozent zu senken."
Maßnahmen und Vorbereitungen
Minister Bilger, der sein Amt kürzlich angetreten hat, sagte gegenüber Reuters, dass die Konferenz in Bonn sowohl kurzfristige als auch langfristige Maßnahmen umfassen werde. "Wir sind es gewohnt, dass es gelegentlich zu Niedrigwasser kommt, aber jetzt ist es sehr früh für ein solches Problem, wie wir es jetzt erleben", sagte er. Die Probleme seien besonders am Rhein, aber auch an Donau und Elbe ausgeprägt.
Ein Sprecher des Verkehrsministeriums fügte hinzu, dass dieses Thema bereits seit längerer Zeit genau beobachtet werde. Seit 2022 gibt es einen Aktionsplan für Niedrigwasser, der eine Sechs-Wochen-Vorhersage und das Informationssystem NIWIS umfasst. Der Staat hat bisher mit 10,5 Millionen Euro den Umbau von Frachtschiffen subventioniert, um sie bei Niedrigwasser besser nutzen zu können, mit dem Ziel, eine Verlagerung der Fracht auf die Straße zu vermeiden.
Martin Wolters, Vertreter der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung am Rhein, sagte dem deutschen WDR, dass eine vollständige Einstellung der Schifffahrt zwar unwahrscheinlich sei, aber Vorsichtsmaßnahmen wie die Verteilung der Ladung auf mehrere Schiffe erforderlich sein werden, um sie leichter zu machen. Langfristig könnte dies zu höheren Transportkosten und Versorgungsengpässen führen.