Verborgene Gesichter Dubrovniks: Ausstellung enthüllt Veränderungen in 30 Jahren
Fotografin Mara Bratoš zeigt Werke aus den Jahren 1995 und 2025, die die Transformation der vom Krieg gezeichneten Stadt zur heutigen Touristenikone dokumentieren.
Fotografin Mara Bratoš zeigt Werke aus den Jahren 1995 und 2025, die die Transformation der vom Krieg gezeichneten Stadt zur heutigen Touristenikone dokumentieren.
Dubrovnik, wie Touristen es selten sehen, das hinter Postkarten und glänzenden Fassaden Verborgene, ist Thema der neuen Ausstellung der Fotografin Mara Bratoš. In der Galerie Otok, im Rahmen der Art radionice Lazareti, wird am 11. August 2026 um 21 Uhr eine Schau eröffnet, die durch die Linse die Transformation der Stadt in den letzten dreißig Jahren festhält.
Die Geschichte beginnt 1995, unmittelbar nach dem Kroatienkrieg. Bratoš, damals Studentin an der Zagreber Filmakademie, fand eine Stadt vor, die, so die Ankündigung der Ausstellung, "noch immer sichtbare Spuren der Zerstörung trug sowie jene dumpfe Stille, die sich von ihren Mauern abprallte". Doch statt die offensichtlichen Wunden festzuhalten, suchte ihr Blick etwas anderes.
"Ehemalige Orte der Begegnung, Erholung und Unterhaltung waren zu leeren, vernachlässigten oder vergessenen Außenräumen geworden. Genau solche Räume zogen die Künstlerin Mara Bratoš an", erklärt die Ankündigung. "Sie interessierte sich nicht für Postkartenmotive Dubrovniks, sondern für seine verborgenen Gesichter, Orte, die die Einwohner Dubrovniks erkennen und im kollektiven Gedächtnis tragen."
Die Schwarz-Weiß-Fotografien von 1995 zeigen Räume, die ihrer ursprünglichen Funktion beraubt sind: den Eingang zur Villa Šeherezada, das Hotel Argentina, die Bucht Lapad mit den Villen Elita und Wolff, das Wasserballfeld auf Porporela oder die Tischtennisplatten vor dem Hotel Neptun. Einstige Zentren touristischen Lebens sind zu leeren Kulissen geworden.
"Auf den Schwarz-Weiß-Fotografien wirken diese Umgebungen fast filmisch. Sie sind leer, stumm und leicht bedrohlich, wie Bühnenbilder, aus denen wir ahnen, dass dort gerade etwas geschehen ist oder gleich geschehen wird", heißt es in der Beschreibung der Ausstellung. In ihnen lasse sich auch ein "lynch'sches Gefühl von Ungewissheit, Geheimnis und Unbehagen erkennen, in dem gewöhnliche Räume zu Bühnen unerzählter Geschichten werden".
2025 kehrte Bratoš an dieselben Orte zurück, doch der Zugang war nicht mehr derselbe. Im Hotel Argentina wurde ihr der Eintritt verwehrt, und in der Šeherezada konnte sie nur den Eingang fotografieren. "Die Gründe bleiben dabei außen vor, ob es sich um Renovierungen, geänderte Nutzungsregeln oder einfach um eine neue Identität dieser Orte handelt", so die Ankündigung.
Die neuen Fotografien sind keine Repliken der alten, sondern Zeugnisse des Wandels. Einige Räume wurden renoviert, andere haben ihre Inhalte verloren, die Tischtennisplatten am Neptun sind verschwunden, und auf dem Schachfeld spielt niemand mehr Schach. Manche Orte blieben hinter Türen, die sich nicht mehr jedem öffnen.
Die Organisatoren betonen, dass Bratoš "keine Nostalgie für ein verlorenes Dubrovnik bietet und auch nicht versucht zu vergleichen, was besser oder schlechter war. Sie beobachtet, wie die Stadt ihr Gesicht verändert und wie sich mit diesen Veränderungen auch unsere Erfahrung des Raumes wandelt". Die Ausstellung bleibt bis zum 1. September 2026 geöffnet.