Die spanischen Behörden und Geheimdienste befinden sich in höchster Alarmbereitschaft, nachdem soziale Netzwerke mit Aufrufen zu einem neuen Massenübertritt von Migranten aus Marokko in die spanische Enklave Ceuta, geplant für den 15. August 2026, überschwemmt wurden. Laut einer Analyse der gemeinnützigen Faktenprüfungsorganisation Maldita.es wurden für die Diskussion und Organisation des Übertritts mindestens vier WhatsApp-Gruppen, zehn Facebook-Gruppen und mehr als 50 Instagram-Konten genutzt.
Die Besorgnis ist weiter gestiegen, nachdem Ceuta letzte Woche einen dramatischen Zustrom von Migranten erlebt hat. Mindestens 70.000 Menschen schwammen damals über die Grenze oder brachen gewaltsam durch, was zu einem tragischen Verlust von mindestens 77 Menschenleben führte. Die Opfer ertranken im Mittelmeer, als sie versuchten, die Grenzbarrieren zu umgehen. Dieses Ereignis hat einen schweren diplomatischen Streit zwischen Madrid und Rabat ausgelöst.
Detaillierte Anweisungen und Sammelrufe
Die in den Netzwerken kursierenden Nachrichten enthalten präzise Anweisungen, Karten und Ratschläge, von der Kleiderwahl bis zu den Startpunkten. Die meisten sind auf Arabisch verfasst, ein kleinerer Teil auf Französisch, was darauf hindeutet, dass sie auch für Migranten aus Subsahara-Afrika bestimmt sind. Eine der Nachrichten, verziert mit der spanischen Flagge, lautet: "An diesem Tag wird alles frei sein und wir werden es schaffen." Als Treffpunkt wird Castillejos genannt, das von Marokkanern Fnideq genannt wird, eine Siedlung direkt an der Grenze zu Ceuta.
Dennoch herrscht unter den Hunderttausenden Mitgliedern der Facebook-Gruppen, die von El País analysiert wurden, keine vollständige Einigkeit. Die Zeitung untersuchte fünf Gruppen mit insgesamt mehr als 400.000 Mitgliedern und stieß auf Botschaften voller Skepsis. "Brüder, passiert am 18. etwas? Oder am 30.? Oder erst 2030?", fragt sich ein Nutzer. Ein anderer warnt: "Geht ihr am 15.? Ihr werdet keinen Transport finden. Ich bin direkt am Grenzübergang." Einige Beiträge deuten darauf hin, dass auch Melilla, die andere spanische Enklave in Nordafrika, das Ziel sein könnte, und ein Nutzer sucht Rat für den Übertritt bei Beni Ensar, dem Eingangstor zu Melilla: "Leute, für alle, die durch Beni Ensar kommen, den Eingangspunkt für Melilla, erklärt uns den Plan: Wie überquert man dort? Ich habe versucht hineinzukommen, aber die spanische Guardia Civil hat mich zurückgeschickt."
Spanien verspricht entschlossene Antwort, Marokko und Madrid streiten
Angesichts der Bedrohung durch eine neue Welle sagte Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska am Dienstag gegenüber Journalisten: "Wir werden alle notwendigen Ressourcen einsetzen, um auf jede Situation zu reagieren." Seine Aussage kommt in einem Moment, in dem ein heftiger Schlagabtausch mit Marokko über die Ursachen der Krise andauert.
Marokko macht für den starken Anstieg der Übertritte eine Entscheidung eines spanischen Gerichts verantwortlich, von der es behauptet, sie sei migrantenfreundlich. Ein marokkanischer Beamter erklärte am Dienstag, sein Land habe Spanien im Voraus gewarnt, dass diese Verordnung ein "Problem" werden würde, da sie die sofortige Abschiebung von Personen, die auf dem Seeweg ins Land kommen, unmöglich mache. Madrid wies diese Behauptungen fast sofort zurück und machte für den Anstieg der Übertritte "kriminelle Schleusernetzwerke" verantwortlich.
EU in Alarmbereitschaft: 'Schutz des Schengen-Raums'
Nach Angaben der italienischen Zeitung La Repubblica schätzt der spanische Geheimdienst das Risiko eines neuen Massenangriffs auf die Grenze am 15. August als glaubwürdig ein. Die Europäische Union hält die Alarmstufe hoch, und wie dieselbe Quelle berichtet, geht Brüssel davon aus, dass diese Ereignisse auch durch russische Desinformation angeheizt werden. Angesichts der Bedrohung sandte der Brenner-Beauftragte eine klare Botschaft: "Proteggere Schengen", den Schengen-Raum schützen.
Die Fotos, die die Berichte begleiten und von der Fotografin Violeta Santos Moura signiert sind, zeugen von dramatischen Szenen an der Grenze und der Verzweiflung Tausender Menschen, die versuchen, europäischen Boden zu erreichen.