Der leitende Forscher des Finnischen Instituts für Auswärtige Angelegenheiten, Jussi Lassila, bewertete am Dienstag in der Sendung A-studio des finnischen öffentlichen Rundfunks YLE, dass eine neue Mobilmachung in Russland jetzt wahrscheinlicher sei als im letzten Jahr. Nach seinen Worten überwiegt in Fachkreisen die Meinung, dass eine neue Rekrutierung bald beginnen könnte, und es gibt auch konkrete administrative Signale, die auf Vorbereitungen hindeuten.
"In den Arbeitsämtern sind plötzlich zahlreiche offene Stellen aufgetaucht", sagte Lassila in der Sendung und fügte hinzu, dass nicht alle administrativen Maßnahmen unbedingt als direktes Zeichen einer Mobilmachung interpretiert werden sollten, aber dass es durchaus Vorbereitungsaktivitäten gebe.
Gerüchte über Mobilmachung nach den Dumawahlen
Nach inoffiziellen Informationen könnte eine neue Mobilmachung nach den Wahlen zur Duma, dem russischen Parlament, erfolgen, die für Ende September 2026 angesetzt sind. Lassila zweifelt jedoch am tatsächlichen Kampfwert zusätzlicher Soldaten, die an die Front geschickt würden, insbesondere wenn es sich um Menschen mit schlechtem Gesundheitszustand und geringer Motivation handelt. Er sagt auch voraus, dass die Mobilmachung in Russland auf Widerstand in der Bevölkerung stoßen wird.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schätzt, dass die russischen Streitkräfte an der Front monatlich 30.000 Soldaten verlieren, entweder getötet oder verwundet. Trotz dieser Zahl und der Unbeliebtheit der Mobilmachung glaubt Lassila, dass dies die Einschätzung des russischen Präsidenten Wladimir Putin über ihre Zweckmäßigkeit nicht wesentlich beeinflussen wird.
"Die Politik der Angst spielt hier eine sehr entscheidende Rolle. Ihm [Putin] werden sehr falsche Informationen geliefert, und das zeigt sich in der gesamten russischen Hierarchie, wo Vorgesetzten immer beschönigte Informationen übermittelt werden. In diesem Sinne ist das Bild vom Krieg im Kreml stark verzerrt", erklärte Lassila gegenüber YLE.
Verzerrtes Bild im Kreml
Lassila betonte, dass der russische Präsident kein realistisches Bild von der Lage im Angriffskrieg habe, gerade wegen des Systems, in dem an der Spitze der Macht ausschließlich beschönigte Informationen platziert werden. Diese Aussage kommt zu einem Zeitpunkt verstärkter Spekulationen über die nächsten Schritte Moskaus, und eine potenzielle neue Mobilmachung könnte die Sicherheitslage in Europa zusätzlich beeinflussen.