Der Verein der Opfer und Zeugen des Genozids reagierte am 5. August 2026 auf die Feierlichkeiten zum Jahrestag der Operation Oluja und stellte fest, dass aus Kroatien jedes Jahr ein Bild dieser Aktion als ein Schritt verbreitet wird, mit dem "die kroatische Armee Bihać gerettet hat". In dem Text mit dem Titel "Geografie der Schulden, selektives Gedächtnis: Wer hat wen am Tor zur Krajina gerettet?" wird betont, dass die Verbindung zwischen dem Bezirk Bihać und Kroatien im Zeitraum von 1991 bis 1995 auf beiderseitigem Nutzen und dem gemeinsamen Wunsch zu überleben beruhte, nicht auf einseitiger Rettung.
Zehntausende kroatische Flüchtlinge fanden im Bezirk Bihać Zuflucht
Wie der Verein mitteilt, beginnt die Chronologie nicht am 4. August 1995, sondern viel früher, als die JNA und abtrünnige serbische Einheiten kroatisches Territorium angriffen. In dieser Zeit öffnete der Bezirk Bihać nach eigenen Angaben die Türen für Zehntausende Zivilisten aus Slunj, Rakovica und den Plitvicer Seen, denen in Bihać, Cazin und Velika Kladuša ein Dach über dem Kopf, Verpflegung und medizinische Versorgung gewährt wurden.
Neben der Zivilbevölkerung wurden über dieses Gebiet auch Angehörige der kroatischen Armee und des kroatischen Innenministeriums aufgenommen, versorgt und aus der Einkesselung herausgeholt. Der Verein schätzt, dass Kroatien einem noch heftigeren militärischen Schlag ausgesetzt gewesen wäre, wenn Bosnien und Herzegowina damals die Möglichkeit eines Verbleibs im "Rumpf-Jugoslawien" nicht verworfen hätte.
General Atif Dudaković und das Fünfte Korps als Träger der Verteidigung
In der Mitteilung wird betont, dass Bihać nicht ausschließlich dank externer Intervention überlebte, sondern in erster Linie dank des Engagements des Fünften Korps der Armee der Republik Bosnien und Herzegowina. "Bihać fiel während dreier Jahre übermenschlicher Belastungen nicht, weil es vom Fünften Korps der Armee RBiH unter dem Kommando von General Atif Dudaković zusammen mit der lokalen HVO verteidigt und gehalten wurde", heißt es in dem Dokument.
Wie sie erläuterten, starteten die Kräfte des Fünften Korps im August 1995 gleichzeitig eine Gegenoffensive, nahmen beträchtliche gegnerische Kräfte gefangen und kämpften sich bis zur Grenze zu Kroatien vor. Daher war die Entlastung von Bihać nach ihrer Auffassung keine "Rettung Hilfloser", sondern eine koordinierte Aktion zweier Partner.
Geostrategische Bedeutung von Bihać für den Erfolg der Oluja
Der Verein betont, dass die Befreiung von Bihać für Kroatien keinen reinen Altruismus darstellte, sondern auch ein vitales strategisches Ziel. Ein möglicher Fall von Bihać hätte, so erklären sie, die Armee der Republika Srpska und die Armee der Republik Serbische Krajina auf breiter Front vereint und damit für Kroatien eine lange und nahezu unhaltbare Frontlinie geschaffen.
"Das Überleben von Bihać war der Keil, der die serbischen Kräfte getrennt hielt und es ermöglichte, dass 'Oluja' nur wenige Tage dauerte, statt mehrere Monate oder Jahre", heißt es in der Mitteilung.
"Wir lassen nicht zu, dass unser Blut zum politischen Kleingeld anderer wird"
Der Verein stellt abschließend fest, dass er die kroatische Rolle bei der Entlastung nicht leugnet, aber gleichzeitig nicht zulässt, dass die Verdienste des Fünften Korps und die Unterstützung, die die Krajina Kroatien seit 1991 geleistet hat, ausgelöscht werden.
"Wir respektieren und bestreiten Ihre Beteiligung an der Entlastung nicht. Aber wir lassen nicht zu, dass durch die Auslöschung des Fünften Korps und das Verschweigen des Jahres 1991 unser dreijähriges Blut und unser Stolz in das politische Kleingeld anderer verwandelt werden", teilte der Verein der Opfer und Zeugen des Genozids mit.
Abschließend stellten sie fest, dass sich die Krajina mit eigenen Kräften verteidigt habe und Kroatien in ihr einen Partner gehabt habe, ohne den nach ihrer Einschätzung auch die heutige kroatische Freiheit nicht erreichbar gewesen wäre.