Der Vatikan hat die Untersuchung im Fall des sexuellen Missbrauchs eines minderjährigen Seminaristen aus dem Interdiözesanen Priesterseminar in Zagreb-Šalata abgeschlossen und die Schuld des beschuldigten Priesters festgestellt. Trotz der klaren Anweisung der Glaubenskongregation, die Strafentscheidung in einem Verwaltungsverfahren innerhalb kurzer Frist zu treffen, verzögert die Kroatische Bischofskonferenz (HBK) die Angelegenheit seit mehr als drei Monaten.
Nach inoffiziellen Informationen von Dnevnik.hr, die zuerst über diesen Fall berichteten, führte die vatikanische Glaubenskongregation die Untersuchung von 2024 bis 2025 durch. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden zusammen mit umfangreicher Dokumentation und Anweisungen für das weitere Vorgehen im April dieses Jahres an die HBK übermittelt.
Jahrelanger Missbrauch und der Weg zur Untersuchung
Es handelt sich um einen Fall, dessen Wurzeln in den frühen 2000er Jahren liegen, als der sexuelle Missbrauch des damals minderjährigen Teilnehmers des Interdiözesanen Priesterseminars in Šalata begann. Der Missbrauch setzte sich während seines Studiums an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Đakovo fort. Das Opfer benannte einen hochrangigen Priester der Diözese Požega als Täter.
Der Fall wurde jahrelang auch vom damaligen Erzbischof von Wien, Kardinal Christoph Schönborn, gemeldet, dem sich das Opfer anvertraute und die Details des Missbrauchs erzählte. Trotzdem wurde das kirchliche Verfahren erst erheblich später eingeleitet.
Klare Anweisung aus dem Vatikan, unklare Verzögerung auf dem Kaptol
Die Glaubenskongregation hat in ihrer Anweisung klar zum Ausdruck gebracht, dass aus den in der Untersuchung gesammelten Beweisen die zweifelsfreie Schuld des beschuldigten Priesters hervorgeht und dass die Entscheidung in einem Verwaltungsverfahren getroffen werden sollte. Im kirchlichen Verfahren wird das Verwaltungsverfahren angewendet, wenn die Beweise klar und unwiderlegbar sind, und es wird in kürzerer Frist durchgeführt, im Gegensatz zum Gerichtsverfahren, das angewendet wird, wenn die Tatsachen umstritten sind.
Der Präsident der HBK und Erzbischof von Zagreb, Dražen Kutleša, hat diesen Fall Don Marin Batur anvertraut, dem Leiter des Nationalen Büros der HBK für den Schutz von Minderjährigen und erwachsenen schutzbedürftigen Personen sowie Richter am Erzbischöflichen Gericht erster Instanz in Zadar. Batur gilt als einer der führenden kroatischen Experten für kanonisches Recht. Doch auch mehr als drei Monate nachdem die HBK die Anweisung der Glaubenskongregation erhalten hat, wurde keine Entscheidung getroffen. Dnevnik.hr berichtet, dass sie eine Anfrage an die HBK gesendet haben, aber keine Antwort erhalten haben.
Offene Fragen zum Schutz der Opfer
Die neuen Informationen werfen auch die Frage auf, warum der beschuldigte Priester nicht bereits 2024 suspendiert wurde, als der Vatikan die Untersuchung begann und die HBK davon Kenntnis hatte. Eine Suspendierung hätte unter anderem dazu gedient, den Beschuldigten von anderen potenziellen Opfern fernzuhalten, doch dieser Schritt wurde nicht unternommen.
Der gesamte Fall wirft einen Schatten auf die Arbeit der kirchlichen Behörden in Kroatien, insbesondere im Lichte der klaren Haltung des Vatikans zur festgestellten Schuld und der Dringlichkeit des Handelns, während die endgültige Entscheidung weiterhin aussteht.