Der ukrainische Botschafter im Vereinigten Königreich und ehemalige Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Valerij Saluschnyj, erklärte am Montag in Kiew, dass die Ukraine niemals Mitglied der NATO werden wird. Diese ungewöhnlich scharfe Kritik äußerte er bei einem privaten Treffen mit ukrainischen Botschaftern, wie ukrainische Medien und Politico berichten.
"Volle 12 Jahre habe ich, so scheint es, persönlich daran gearbeitet, die NATO-Standards zu beherrschen, und jedes Jahr habe ich Geschichten darüber gehört, dass wir bald der NATO beitreten würden. Leider werden wir niemals Mitglied werden", sagte Saluschnyj und spielte damit auf jahrelange Versprechungen an, die seiner Meinung nach keine reale Grundlage haben.
Veraltete Doktrinen und die russische Bedrohung
Saluschnyj betonte, dass das Kernproblem der Allianz ihre Abhängigkeit von militärischen Doktrinen aus dem Zweiten Weltkrieg sei. "Es ist unmöglich, einer Organisation beizutreten, die sich auf Doktrinen aus dem Zweiten Weltkrieg stützt, angesichts des Entwicklungsstands, der in den ukrainischen Streitkräften existiert", sagte er. Er fügte hinzu, dass Russland unter dem Druck des Krieges tiefgreifende Reformen in seiner Armee durchgeführt habe und dass "die NATO höchstwahrscheinlich in ihrer jetzigen Form bleiben und 12 Jahre, wie die Ukraine, damit verbringen wird, auf Standards umzusteigen, die erreicht werden müssen, um nur auf halbem Niveau der Russischen Föderation zu sein".
Trotz der Kritik betonte Saluschnyj, dass "die Ukraine Technologien benötigt, die heute noch in den NATO-Ländern verfügbar sind", wie Systeme zur Abwehr ballistischer Raketen, was auf das komplexe Verhältnis Kiews zum westlichen Militärbündnis hinweist.
Hinwendung zu neuen Bündnissen
Wegen des Widerstands der USA und anderer Verbündeter gegen eine Mitgliedschaft der Ukraine kündigte Saluschnyj an, dass sich das Land "an Blöcke und Bündnisse binden wird, die wahrscheinlich gebildet werden". Als Beispiel nannte er die Joint Expeditionary Force, eine Gruppe von 10 Staaten unter Führung des Vereinigten Königreichs, die 2014 als Ergänzung zur NATO gegründet wurde. "Höchstwahrscheinlich werden wir über einen europäischen militärischen Sicherheitsblock sprechen", schloss er.
Saluschnyjs Äußerungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem zunehmend über seine politischen Ambitionen spekuliert wird. Präsident Wolodymyr Selenskyj entließ ihn 2024 von seinem Posten als Oberbefehlshaber. Die NATO lehnte eine Stellungnahme zu diesen Aussagen ab, verwies jedoch auf eine frühere Erklärung von Generalsekretär Mark Rutte vom Juni, in der er bekräftigte, dass "der Weg der Ukraine in die NATO unumkehrbar ist".
NATO-Aktivitäten und Führungswechsel
Parallel zu den diplomatischen Turbulenzen setzte die NATO am 4. August 2026 ihre militärischen Aktivitäten fort. Die Streitkräfte der Allianz führten eine Übung mit scharfem Schuss in Rumänien in der Schwarzmeerregion durch, wo sie Planung, Koordination und amphibische Operationen trainierten. Darüber hinaus wurde am selben Tag ein Führungswechsel an der Spitze der NATO-Mission für Sicherheitsunterstützung und Ausbildung der Ukraine (NSATU) bekannt gegeben. Generalleutnant Guillaume N. Beaurpere übernahm das Kommando von Generalleutnant Curtis A. Buzzard, womit die Koordination der Lieferung von militärischer Ausrüstung und Ausbildung für ukrainische Streitkräfte fortgesetzt wird.
Nigeria erhöht Soldzahlungen
In weiteren Weltnachrichten hat der nigerianische Präsident Bola Tinubu am 4. August 2026 eine erhebliche Erhöhung der Gehälter für Angehörige der Streitkräfte genehmigt. Laut einer Erklärung des Präsidentenberaters Bayo Onanuga erhalten Soldaten vom Mannschaftsdienstgrad bis zum Unteroffizier eine Erhöhung von 80%, Personal vom Oberst bis zum Fähnrich 50% und Offiziere über dem Rang eines Obersts, einschließlich Generäle, 30%. Die neuen Gehälter, die am 1. September in Kraft treten, erhöhen die jährlichen Personalkosten von 660 Milliarden Naira auf 924 Milliarden Naira (etwa 678,68 Millionen US-Dollar). Die Maßnahme erfolgt im Kampf gegen islamistische Aufständische, darunter Boko Haram und den Islamischen Staat in Westafrika (ISWAP), sowie gegen weit verbreitete Entführungen und Banditentum.