Am vergangenen Wochenende wurden auf deutschen Autobahnen, insbesondere in den südlichen Bundesländern, längere Staus verzeichnet. Der Grund ist das Ende des Schuljahres für schulpflichtige Kinder in Bayern, was das erste große Anreise-Wochenende für bayerische Gäste an die Adria markierte. Gleichzeitig veröffentlichten deutsche Medien eine Zahl, die ein neues Licht auf die Tourismustrends wirft: In diesem Sommer haben rund 1,9 Millionen Bayern, also 15 Prozent der Bevölkerung dieses Bundeslandes, kein Geld für den Sommerurlaub.
Wichtigster Markt unter Druck
Deutschland ist für Kroatien der wichtigste Quellmarkt, und Bayern ist das bedeutendste Bundesland für den kroatischen Tourismus. Ein Drittel aller deutschen Touristen, die nach Kroatien reisen, kommt aus Bayern. Zusammen mit Baden-Württemberg bilden diese beiden Bundesländer den traditionell wichtigsten regionalen Markt aus Deutschland.
Eine Studie des Statistischen Landesamts Fürth, die vom Portal Merkur.de zitiert wird, zeigt, wie ernst die Lage ist. Von den rund 2,6 Millionen Alleinstehenden in Bayern haben 21 Prozent keine finanziellen Mittel für einen Jahresurlaub. Alleinerziehende stehen vor noch größeren Herausforderungen, denn fast ein Drittel von ihnen kann nicht in den Urlaub fahren.
Was deutsche Gäste suchen
Nera Miličić, Direktorin der Repräsentanz der Kroatischen Tourismuszentrale (HTZ) in München, erläuterte, wie sich die Präferenzen der Gäste verändern. "Das größte Interesse verzeichnen weiterhin Istrien und die Kvarner Bucht wegen der Nähe und der guten Verkehrsanbindung, gefolgt von Mittel- und Norddalmatien, und in den letzten Jahren wächst auch das Interesse an Kontinentalkroatien, Aktivurlaub, Wein- und Kulinarik, Nationalparks und Städtereisen", sagte Miličić.
Sie fügte hinzu, dass deutsche Gäste heute mehr als nur einen klassischen Strandurlaub suchen. "Immer wichtiger werden authentische lokale Erlebnisse, hochwertige Gastronomie, Aktivitäten wie Radfahren und Wandern, Nachhaltigkeit, qualitativ hochwertige Unterkünfte und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis."
Autodestination als Vorteil
Für Gäste aus Bayern und Baden-Württemberg ist Kroatien vor allem eine Autodestination. Dank guter Straßen und der kurzen Anreise nutzt die Mehrheit der Besucher das eigene Auto. Das Flugzeug nutzen immer mehr Gäste, wenn auch noch eine Minderheit, insbesondere für Dalmatien oder Kurzaufenthalte. Am vergangenen Wochenende gab es die größten Verkehrsbehinderungen in Richtung Alpen, Adria, Kroatien, Österreich und Italien.
Miličić betont, dass dies erneut zeigt, dass Kroatien zu den Top-3-Auslandsdestinationen für Deutsche gehört. Der Wettbewerbsvorteil liegt weiterhin in der Nähe, Sicherheit, sauberem Meer, Natur und der Möglichkeit, mit dem Auto anzureisen.
Wertwahrnehmung und Wandel zur Premium-Destination
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland, geprägt von schwächerem Wachstum, Inflation und gestiegenen Lebenshaltungskosten, beeinflusst das Konsumverhalten. "Der Wettbewerb basiert nicht nur auf der Qualität der Destination, sondern auch auf der Wahrnehmung des Wertes, den sie bietet, und genau deshalb ist es äußerst wichtig, Servicequalität zu bieten und ungerechtfertigte Preiserhöhungen zu vermeiden, da deutsche Gäste Angebote sehr sorgfältig vergleichen", so die Direktorin der HTZ-Repräsentanz in München.
Die bisherigen Ergebnisse Kroatiens liegen auf dem Niveau des Vorjahres, jedoch mit einem höheren Anteil an Last-Minute-Buchungen. Die Menschen verzichten nicht unbedingt auf Reisen, sondern sind rationaler und planen ihre Ausgaben sorgfältiger. "Unter diesen Umständen wäre es ein großer Erfolg, die touristischen Ergebnisse des Vorjahres zu wiederholen. Andererseits muss man berücksichtigen, dass Kroatien in der Wahrnehmung der Deutschen einen Wandel von einer günstigen Mittelmeerdestination zu einer Premium-Boutique-Destination durchläuft", schloss Miličić.