Die Präsidentin des serbischen Parlaments, Ana Brnabić, war am Dienstag zu Gast beim Sender Kurir TV und äußerte dabei eine Reihe scharfer Einschätzungen zu aktuellen politischen Themen in der Region. Besondere Aufmerksamkeit erregte ihre Aussage über die kroatischen Musiker Severina und Marko Perković Thompson, deren Ansichten über die militärisch-polizeiliche Operation Oluja sie als identisch bewertete.
'Oluja ist kein Verbrechen, die Serben sind selbst schuld'
In Bezug auf den Oppositionspolitiker Srđan Milivojević behauptete Brnabić, dass Severina und Thompson dieselben Ansichten über die Ereignisse von 1995 teilen. "Severina hat identische Ansichten wie Thompson. Diese Ansichten sind: Oluja ist kein Verbrechen, sondern eine Befreiungsaktion; die Serben sind selbst schuld, dass sie nicht geblieben sind, dass sie zugestimmt haben, ihre jahrhundertealten Herde und ihre jahrhundertealten Häuser in Kroatien als konstituierendes Volk freiwillig zu verlassen", sagte Brnabić.
Dabei zitierte sie auch Milivojevićs Antwort auf diese Behauptungen: "Mir hat Srđan Milivojević geantwortet: 'Ja, das wird eine Volksfeier.' Ich weiß nicht, welches Volkes. Denn unseres Volkes sicherlich nicht", fügte die Präsidentin des serbischen Parlaments hinzu.
Angriff auf die EU und den Kosovo
Zu Beginn des Gesprächs kommentierte Brnabić den Fall von Nenad Rašković, einem Serben, der im Dorf Dren bei Zubin Potok im Kosovo verprügelt wurde. Sie bewertete diesen Vorfall als brutales Verbrechen und kritisierte insbesondere das Ausbleiben einer Reaktion der Europäischen Union.
"Ein brutales Verbrechen, monströs, gehört nicht zum Verhalten des 21. Jahrhunderts, und die Ausländer schweigen", so Brnabić. Sie fuhr mit scharfen Worten in Richtung Brüssel fort: "Das ist eine Botschaft an alle Serben. Das ist Heuchelei, meine Botschaft an die da in Brüssel ist: Es ist eine Schande, dass ihr redet."
Opposition will serbische Symbole abschaffen
Einen Teil des Auftritts widmete sie auch den Protestbewegungen in Serbien und einem Teil der Opposition, der sie die Absicht zuschrieb, nationale Symbole zu entfernen. Dabei erwähnte sie ausdrücklich die Grüne-Linke-Front und die Demokratische Partei als politische Akteure, die eine solche Politik unterstützen.
"Die Blockadebewegung hat jetzt eine klare Politik, sie haben sie lange genug verborgen. Diese Politik ist jetzt klar. Das ist die Politik, dass, erstens, wenn sie in Serbien an die Macht kommen, nichts mehr serbisch heißen darf", behauptete Brnabić. Sie fügte hinzu, dass sich die Opposition über den Serbischen Olympischen Verband und den Serbischen Boxverband beschwere, während ihnen der Kroatische Fußballverband gleichzeitig nichts ausmache. "Sie gehen nach Kroatien, sie fliehen nach Kroatien, Kroatien ist ihr Vorbild, wie es aussehen sollte", sagte sie.
Montenegro 'erhält Befehle' von Kroatien
Brnabić äußerte sich auch zu den Beziehungen zu Montenegro und kritisierte Premierminister Milojko Spajić scharf. Nach ihren Worten verfolgt Podgorica weder eine geduldige noch eine pragmatische Politik gegenüber Kroatien, sondern erhält direkte Befehle.
"Sie erhalten direkte Befehle von Kroatien, und egal wie diese Befehle lauten, sie werden ausgeführt. Sein Prinzip ist Gehorsam", sagte Brnabić. Sie fügte hinzu, dass Spajić Serbien nichts zu erklären habe und sich nicht an Präsident Aleksandar Vučić wenden müsse.
Vučić - 'bester PR Serbiens'
Gegen Ende des Auftritts hob Brnabić besonders die Rolle von Präsident Vučić hervor und nannte ihn den besten Förderer des Landes. Sie lobte seine Kommunikation mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, dank der Serbien das günstigste Gasabkommen habe, sowie die Tatsache, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu Besuch gekommen sei.
"Wenn Sie einen Präsidenten Ihres Landes haben, der mit dem Präsidenten der Russischen Föderation kommuniziert, und gleichzeitig Präsident Wolodymyr Selenskyj zu uns zu Besuch kommt und er persönlich Leute in Brüssel anruft und sagt: 'Ach, genug mit dieser Heuchelei gegenüber Serbien', das ist doch etwas, das wirklich unmöglich zu erreichen ist", schloss Brnabić.