Die Mindestverbrauchssteuer auf herkömmliche Zigaretten in der Europäischen Union könnte um 139 Prozent steigen. Die Europäische Kommission hat eine Änderung der Richtlinie über die Besteuerung von Tabakwaren (TTD) vorgeschlagen, wie Slobodna Dalmacija und Euronews am 19. August 2026 berichteten. Der Vorschlag führt erstmals auch Mindestverbrauchssteuern auf E-Zigaretten, erhitzten Tabak und Nikotinbeutel auf EU-Ebene ein.
Die Verhandlungen finden im Rat der EU statt, und für die Annahme ist die Zustimmung aller 27 Mitgliedstaaten erforderlich. Das Europäische Parlament hat im Juni seine Position nicht gebilligt. Die Kommission bewertet, dass die bestehenden Vorschriften zu weniger Rauchen von traditionellen Zigaretten beigetragen haben, aber nicht mehr dem Markt entsprechen, auf dem die Nutzung neuer Nikotinprodukte, insbesondere bei jungen Menschen, schnell zunimmt.
Kroatien und Griechenland an der Spitze der Raucherstatistik
Etwa ein Viertel der Europäer raucht weiterhin oder konsumiert regelmäßig Tabakprodukte. In der EU werden jährlich rund 300 Milliarden Zigaretten verkauft. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind groß: In Schweden rauchen acht Prozent, in Bulgarien 37 Prozent.
Kroatien und Griechenland verzeichnen eine Gesamtraucherquote von über 35 Prozent. Die Niederlande liegen bei etwa 11 Prozent, Dänemark bei 14 Prozent.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verwenden 11,6 Prozent der Jugendlichen im Alter von 13 bis 15 Jahren in der europäischen Region Produkte wie Vapes, erhitzten Tabak oder Nikotinbeutel. Slobodna Dalmacija berichtet, dass unter Jugendlichen derselben Altersgruppe mehr als 11 Prozent Tabak oder aromatisierte E-Zigaretten konsumieren. Die Quellen sind sich über den genauen Prozentsatz nicht einig, aber beide warnen vor einem wachsenden Trend unter Jugendlichen.
700.000 Tote und 25 Milliarden Euro jährlich
Rauchen verursacht in der EU jährlich etwa 700.000 Todesfälle. Die Behandlung von Herz-Kreislauf- und chronischen Lungenerkrankungen im Zusammenhang mit dem Rauchen kostet die öffentlichen Gesundheitsbudgets etwa 25 Milliarden Euro pro Jahr. Herkömmliches Rauchen ist am häufigsten bei Personen zwischen 25 und 54 Jahren, während sich jüngere Generationen zunehmend E-Zigaretten, erhitztem Tabak wie IQOS und Nikotinbeuteln zuwenden.
Die EU möchte bis 2040 eine "rauchfreie Generation" schaffen und den Anteil der Raucher auf weniger als fünf Prozent der Bevölkerung senken. Brüssel hat nicht die Möglichkeit, das Rauchen vollständig zu verbieten, da die Gesundheitspolitik in den Händen der Mitgliedstaaten liegt. Dennoch kann es über steuerliche und regulatorische Maßnahmen den Verkauf und die Werbung für Tabakprodukte beeinflussen.
Neue Verbrauchssteuern und Überwachungssystem für Rohtabak
Neben der Erhöhung der Mindestverbrauchssteuer auf herkömmliche Zigaretten um 139 Prozent führt der Vorschlag erstmals verbindliche Mindestverbrauchssteuern auf E-Zigaretten, erhitzten Tabak und Nikotinbeutel ein. Rohtabak würde in das europäische elektronische Überwachungssystem aufgenommen, um den Schwarzmarkt und die Steuervermeidung über Grenzen hinweg zu reduzieren.
Die Tabakindustrie in der EU erzielt jährlich einen Umsatz von etwa 130 Milliarden Euro. Mit einstimmiger Unterstützung der Mitgliedstaaten für die neue Richtlinie werden sowohl die Industrie als auch die Verbraucher die Auswirkungen spüren. Für die Verbraucher wäre die auffälligste Veränderung ein deutlich höherer Preis für Zigaretten und viele alternative Nikotinprodukte. Der nächste Schritt im Prozess wurde bisher nicht angekündigt.