Die Rohölpreise setzten ihren Anstieg am Dienstag, dem 11. August, fort, angetrieben durch wachsende Marktsorgen, dass sich die Blockade der Straße von Hormus verlängern könnte. Die Forderungen des Iran und der USA zur Wiedereröffnung haben sich als völlig unvereinbar erwiesen. Der Preis für ein Barrel Brent zur Lieferung im Oktober stieg um 2,55 Prozent auf 89,96 Dollar, nachdem er im Laufe des Morgens die psychologische Marke von 90 Dollar überschritten hatte.
Das amerikanische Referenzöl West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im September verzeichnete einen noch stärkeren Anstieg von 2,91 Prozent auf 84,52 Dollar pro Barrel. Der Anstieg begann bereits am Montag, als Teheran Bedingungen für die Freigabe dieser wichtigen Wasserstraße für den globalen Energiehandel vorlegte.
Trump: Auch ich fordere Schadenersatz vom Iran
Die Rhetorik zwischen den beiden Seiten verschärfte sich weiter, nachdem US-Präsident Donald Trump auf seiner Social-Media-Plattform die iranischen Forderungen kommentierte. "Der Iran 'fordert Schadenersatz für Schäden, die sie während fünf Monaten militärischer Auseinandersetzungen erlitten haben'", schrieb Trump, "'obwohl dies in keiner unserer Verhandlungen oder Treffen jemals erwähnt wurde'."
Der US-Präsident bot daraufhin seine eigene Interpretation dieser Logik an. "Aber das ist eine interessante Idee, denn auf die gleiche Weise fordere auch ich Schadenersatz vom Iran, für alle Menschen, die sie bei Angriffen und 'Auseinandersetzungen' getötet und verletzt haben, einschließlich der 'Familien der Gefallenen der USS Cole'", fügte Trump hinzu, in Bezug auf das amerikanische Kriegsschiff, das 2000 im Jemen bei einem tödlichen Angriff getroffen wurde.
Analysten: Die Botschaft an den Markt ist klar
Diese Entwicklung wird am Markt als klares Signal gedeutet, dass die Blockade nicht bald enden wird. "Diese Botschaft verstärkt am Markt die Vorstellung, dass eine baldige Wiedereröffnung der Straße von Hormus unwahrscheinlich ist", erklärte Arne Lohmann Rasmussen, Analyst bei Global Risk Management. Er fügt hinzu, dass dies die Ölpreise direkt nach oben treibt, insbesondere im Kontext anderer Störungen.
"Diese Wende geschieht, während die Huthi versuchen, den Schiffsverkehr im Roten Meer zu blockieren, und die globalen Ölreserven weiter sinken", betonte Lohmann Rasmussen. John Evans, Analyst bei PVM, erklärt, warum die Märkte so empfindlich auf politische Aussagen reagieren. "Wenn Investoren so stark auf politische Aussagen reagieren, dann deshalb, weil sie einen 'Anstieg des Rohölangebots erwarten, falls die Straße von Hormus wieder geöffnet wird', was die Preise fallen lassen könnte", sagte Evans.
Ein sich wiederholendes Muster aus Hoffnung und Enttäuschung
Die wechselhafte Stimmung am Ölmarkt ist in den letzten Wochen zu einem Muster geworden. "Das Muster wiederholt sich ständig: anfängliche Begeisterung, wenn Verhandlungen vielversprechend aussehen, und dann verfliegt dieser Optimismus genauso schnell", bemerkten Analysten von ING. Da es keinerlei Fortschritte in den Verhandlungen gibt, vertieft jede neue unvereinbare Aussage den Pessimismus und treibt den Preis des schwarzen Goldes weiter in die Höhe.