Es ist genug Zeit vergangen, um aus einer gewissen Distanz eine der umstrittensten Personalentscheidungen in der jüngeren Geschichte von Hajduk ruhig zu bewerten. Die Entlassung von Valdas Dambrauskas nach nur sieben Meisterschaftsrunden erscheint zunehmend als ein Schritt, der einen Dominoeffekt der Instabilität auf der Bank des Splitter Klubs ausgelöst hat. Während Hajduk weiterhin nach Kontinuität sucht, feiert der litauische Trainer Erfolge auf der Bank des aserbaidschanischen Klubs Sabah und bestätigt damit die Klasse, die auf Poljud vorschnell vertrieben wurde.
Der Weg von Gorica zum Pokal von Split
Dambrauskas kam 2020 in den kroatischen Fußball, als ihn sein Landsmann und Freund, der Sportdirektor Mindaugas Nikoličius, nach Gorica holte. Im Klub aus dem Turopolje-Gürtel zeigte er schnell taktische Reife und blieb nur einen Schritt davon entfernt, ausgerechnet Hajduk aus dem Rennen um die Conference League zu werfen; die Saison beendete er mit nur einem Punkt Rückstand auf den Klub aus Split.
Diese Leistungen empfahlen ihn den Weißen, die sowohl Nikoličius als auch Dambrauskas im Paket holten. In der Saison 2021/2022 blieb Hajduk unter seiner Führung nur einen Schritt von der Meisterschaft entfernt. Die Fans heben bis heute den Auswärtsausrutscher gegen Slaven Belupo in Koprivnica als entscheidenden Wendepunkt hervor, wo die Mannschaft durch das Fehlen der gesperrten Marko Livaja und Nikola Kalinić geschwächt war.
Siege gegen Dinamo, europäischer Aufschwung und emotionaler Pokal
Trotz der verpassten Meisterschaft zeigte Dambrauskas in den Derbys, dass er die Mannschaft auf die größten Herausforderungen vorbereiten kann. Hajduk feierte unter seiner Führung einen 2:0-Sieg in Maksimir und einen 1:0-Sieg auf Poljud durch ein Tor von Kalinić, wobei Dinamo in beiden Spielen völlig dominiert wurde. Neben der Dominanz im nationalen Rahmen hatte die Mannschaft unter seiner Leitung einen erkennbaren Spielstil und konnte zeitweise mit Villarreal von Unai Emery mithalten, was zusätzlich das Niveau belegt, auf dem die Mannschaft aus Split damals funktionierte.
Die Saison wurde mit dem Gewinn des Pokals nach einem Comeback gegen Rijeka auf Poljud gekrönt, obwohl die Gäste mit 1:0 in Führung gegangen waren. Die Feier dieses Pokals blieb den Fans wegen der viralen Szene in Erinnerung, in der Dambrauskas Livaja unter Tränen umarmte und zeigte, wie emotional er mit dem Klub und der Stadt verbunden war.
Vorschnelle Entlassung und Dominoeffekt
Trotz allem gab es keine Geduld. Die Entlassung erfolgte nach dem Unentschieden gegen Šibenik in der siebten Runde der Meisterschaft. Der damalige Präsident Lukša Jakobušić gab später zu, dass es "vielleicht besser gewesen wäre, ihm nach der Niederlage im Elfmeterschießen im Supercup die Kündigung zu überreichen", was die Irrationalität der gesamten Entscheidung nur noch unterstrich.
Seit Dambrauskas' Abgang haben sich auf Poljud ganze fünf Trainer abgewechselt: Mislav Karoglan sogar zweimal, Ivan Leko, der ebenfalls schnell verschlissen wurde, Gennaro Gattuso, dem man wegen der hohen Abfindung länger zugestand, sowie der aktuelle Trainer Gonzalo Garcia. Letzterer ist bereits jetzt länger auf der Bank als sein litauischer Vorgänger, und das größtenteils ohne konkrete sportliche Erfolge, mit dem Ausscheiden im Viertelfinale des Pokals und dem zweiten Platz in der HNL.
Beweis in Aserbaidschan
Während Hajduk umherirrt, strahlt Dambrauskas' Trainerstern immer heller. Mit dem aserbaidschanischen Klub Sabah, der erst seit neun Jahren existiert, gelang es ihm, die langjährige Dominanz von Qarabag in der nationalen Meisterschaft zu durchbrechen. Der Höhepunkt ist der Einzug bis auf einen Schritt in die Ligaphase der Champions League, was ein historischer Erfolg für einen Klub dieser Größe und Tradition wäre.
Jeder neue Erfolg von Dambrauskas auf der internationalen Bühne beleuchtet zusätzlich die Fehlerhaftigkeit der Entscheidung, die auf Poljud getroffen wurde. Neben der Tatsache, dass ein guter Trainer vorschnell vertrieben wurde, entstand auch eine Art Dominoeffekt, der Trainer wegen überhöhter Erwartungen verschliss, die gerade er durch seine Arbeit gesetzt hatte.