Zehntausende Migranten überfluten Ceuta
Italien setzt Schengen mit Spanien aus, und der Autor Borislav Ristić behauptet, es handele sich um eine koordinierte Aktion mit Unterstützung Marokkos.
Italien setzt Schengen mit Spanien aus, und der Autor Borislav Ristić behauptet, es handele sich um eine koordinierte Aktion mit Unterstützung Marokkos.
Die sommerliche Migrantenwelle, die die spanische Enklave Ceuta auf afrikanischem Boden überflutete, hat in Europa einen politischen Erdbeben ausgelöst. In die spanische Stadt an der afrikanischen Küste landeten illegal mehrere Zehntausend Migranten, während Kamenjar sogar von 60.000 spricht. Diese Diskrepanz in den Schätzungen unterstreicht zusätzlich das Chaos der Situation, die folgte.
Die Reaktionen der europäischen Regierungen waren unmittelbar und scharf. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni setzte das Schengen-Abkommen mit Spanien aus und berief dringend ein Treffen der EU-Innenminister ein. Die meisten europäischen Regierungen kritisierten die Regierung von Pedro Sánchez wegen ihrer, wie sie sagen, zu laschen Migrationspolitik, doch der spanische Premierminister reagierte mit Wut auf Kollegen, die ihm Kritik statt Unterstützung schicken.
Der Autor Borislav Ristić beschreibt die Situation in einem Kommentar für Večernji list und Kamenjar mit weitaus ernsteren Worten als die übliche Migrantenkrise. "Offensichtlich handelt es sich um eine Invasion fremden Territoriums, des Territoriums eines europäischen Staates, und zwar keineswegs 'spontan' oder 'humanitär', sondern mit Unterstützung des Staates, aus dem die Migranten kommen", schrieb Ristić und bezog sich dabei auf Marokko.
Er fügt hinzu, dass in sozialen Netzwerken Aufnahmen veröffentlicht wurden, die die Ankunft von Migranten mit Lastwagen an der Grenze unter Kontrolle der marokkanischen Polizei zeigen. Dies ist nicht der erste derartige Vorfall, im Mai 2021 gab es eine ähnliche, wenn auch kleinere Aktion, als die marokkanische Regierung auf die spanische Gewährung von Asyl für einen marokkanischen Dissidenten in gleicher Weise reagierte.
Ristić stellt die Frage nach den Motiven hinter der jüngsten Krise, da es diesmal keinen offensichtlichen Streit zwischen Marokko und Spanien gab. Im Text wird eine Parallele zu den jüngsten politischen Druckversuchen auf Sánchez' Regierung gezogen. Spanien wurde nämlich von den USA und Israel besonders kritisiert, weil es sich gegen den Krieg gegen den Iran aussprach. Der amerikanische Präsident Donald Trump hat in den letzten Monaten zahlreiche Strafandrohungen ausgesprochen.
"So stark die Indizien auch sein mögen, es wird schwerlich jemand in der EU mit dem Finger auf diese Seite zeigen", stellt Ristić fest und deutet an, dass europäische Führer lieber Spanien die Schuld zuweisen, als sich den breiteren geopolitischen Implikationen zu stellen.
In seinem Kommentar endet Ristić mit einer scharfen Prognose: "Europa könnte, angeführt von seiner mutigen Elite, bald seinen Namen ändern, sagen wir, in Saharo-EU, aus demografischen, nicht aus klimatischen Gründen." Diese Aussage fasst die Ängste eines Teils der Öffentlichkeit zusammen, dass der Kontinent nicht in der Lage ist, seine Grenzen zu schützen und Migrationsströme zu bewältigen.
Während das Treffen der EU-Innenminister andauert, bleibt die Frage, ob die europäischen Staaten sich auf eine gemeinsame Antwort auf diese Krise einigen können oder ob sie weiterhin einseitige Schritte wie die italienische Aussetzung des Schengen-Abkommens unternehmen werden, was die Spaltungen innerhalb der Union weiter vertieft.