Die humanitäre Krise in Gaza nimmt Ausmaße an, die nicht länger ignoriert werden können. Dr. James Smith, Notarzt bei Médecins Sans Frontières (MSF), hat in einem Interview mit Channel 4 erschütternde Daten vorgelegt, die den Alltag in der Region widerspiegeln. Nach seinen Worten haben fast drei Jahre anhaltender Krise unauslöschliche Spuren in der gesamten Bevölkerung hinterlassen.
Leben im Abwasser und ohne Dach über dem Kopf
Smith betonte, dass etwa eine Million Menschen dringend irgendeine Form von Notunterkunft benötigen. Die Sanitärsysteme sind vollständig kollabiert, weshalb Abwasser ungehindert durch die Straßen des gesamten Gazastreifens fließt. "Die Menschen sind einem Leben unter verzweifelten Bedingungen ausgesetzt", sagte Smith dem britischen Fernsehen, wie Quds News Network berichtet.
Erschreckende Zahlen zu Unterernährung und Gewalt
Eine der alarmierendsten Angaben betrifft die Jüngsten. Jeden Monat werden bis zu 3000 Kinder in Programme zur Behandlung akuter Unterernährung aufgenommen. Gleichzeitig bleibt die Sicherheitslage äußerst instabil. Der MSF-Arzt berichtet, dass wöchentlich etwa 200 Sicherheitsvorfälle verzeichnet werden, die nach seinen Angaben fast ausschließlich mit Aktivitäten der israelischen Armee in Verbindung stehen.
Eine Generation, geprägt von Amputationen
Die Gesamtzahl der verletzten Palästinenser seit Beginn des Konflikts ist auf etwa 200.000 gestiegen. Was zusätzlich beunruhigt, ist die Tatsache, dass Gaza heute die höchste Zahl von Kindern mit amputierten Gliedmaßen weltweit hat. Diese erschreckende Statistik zeugt von den langfristigen körperlichen Folgen, die eine ganze Generation prägen werden.
Vorsätzliche Vorenthaltung als Ursache der Katastrophe
Bei der Beschreibung der Wurzel dieser humanitären Katastrophe lässt Dr. Smith keinen Raum für Zweideutigkeiten. Was geschieht, beschreibt er als Folge einer "langsamen und kumulativen vorsätzlichen Vorenthaltung", die der Bevölkerung auferlegt wurde. Diese Aussage, die er in seinem Feldzeugnis machte, deutet darauf hin, dass die Krise nicht ausschließlich eine Folge von Kriegshandlungen ist, sondern auch einer systematischen Verhinderung des Zugangs zu grundlegenden Lebensressourcen.