Die deutschen Ermittlungsbehörden haben neue Details zum versuchten Anschlag auf das ukrainische Frachtflugzeug Antonov An-124 'Ruslan' am Flughafen Leipzig veröffentlicht. Laut einer Analyse der Überwachungsaufnahmen, die Die Zeit am Montag veröffentlichte, traf eine mit dem Plastiksprengstoff Semtex beladene FPV-Drohne am 4. August 2026 den Flügel des Flugzeugs, aber der Sprengsatz wurde nicht ausgelöst.
Angriff von Kameras erfasst
Die CCTV-Aufnahmen zeigen, wie sich die Drohne gegen 19:30 Uhr direkt dem geparkten Flugzeug näherte und dessen Flügel traf. Die Flügel sind ein besonders empfindlicher Teil des Flugzeugs, da sich dort die Treibstofftanks befinden, was darauf hindeutet, dass der Angreifer den verwundbarsten Punkt anvisierte. Nach dem Aufprall prallte die Drohne ab und fiel zu Boden; Spuren am Flügel der Antonov bestätigen diesen Ablauf.
Warum der Sprengstoff nicht detonierte, bleibt vorerst unklar. Die Zeit berichtet, dass Semtex so stark ist, dass es wahrscheinlich das gesamte Flugzeug zerstört hätte. Der Sprengsatz wurde in einiger Entfernung von der Drohne gefunden, was darauf hindeutet, dass er sich beim Aufprall auf den Flügel gelöst hat.
Zufällige Entdeckung durch Busfahrer
Die Drohne wurde erst vier Stunden nach dem Angriff entdeckt. Ein Fahrer eines Reisebusses bemerkte das Gerät zufällig am Boden, trat darauf und informierte den Sicherheitsdienst. Erste Rekonstruktionen deuteten darauf hin, dass der Fahrer die Drohne mit dem Fuß weggeschoben und dann gesichert hatte, aber die Überwachungsaufnahmen zeigen, dass das Fluggerät bereits am Boden lag, als er sich näherte.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Detlef Seif, der zusammen mit anderen innenpolitischen Politikern am Donnerstag einen Regierungsbericht über den Vorfall erhielt, bestätigte diese Version der Ereignisse. Der Fall wurde am Wochenende von Beamten des Bundeskriminalamts übernommen.
Professionelle Ausführung und Spuren zu einem staatlichen Akteur
Laut Die Zeit hat die bisherige Untersuchung keinen klaren Beweis dafür erbracht, dass Russland hinter dem Anschlagsversuch steckt, aber eine Reihe von Details deutet auf ein hohes Maß an Professionalität der Täter hin. Die Drohne wurde nicht im Laden gekauft, sondern speziell für diesen Zweck hergestellt, auf eine Weise, die die Fähigkeiten von Gelegenheitskriminellen oder Amateuren übersteigt.
Da es sich um ein nicht-kommerzielles Fluggerät handelte, konnte es mit herkömmlichen Radarsystemen nicht erfasst werden. Semtex, obwohl gelegentlich auf dem Schwarzmarkt erhältlich, ist typischerweise ein militärischer Sprengstoff. Die Hypothese, dass ein staatlicher Akteur in den Anschlagsversuch verwickelt war, wird nun als wahrscheinlicher angesehen als zuvor.
Die amerikanischen Geheimdienste brachten den Vorfall mit Russland in Verbindung, während die russische Botschaft in Berlin das Ereignis in Leipzig als erfundene Provokation bezeichnete. Bisher wurde angenommen, dass die Drohne möglicherweise nur als Warnung dienen sollte, aber nach der Analyse der Aufnahmen ist diese Hypothese kaum noch haltbar: Der Flughafen Leipzig entging nur knapp einem verheerenden terroristischen Anschlag.