Das Staatsinspektorat (DIRH), eine Schlüsselinstitution, die die Einhaltung der Vorschriften in Kroatien überwacht, hat seit mehr als acht Monaten keinen Generalinspektor. Ministerpräsident Andrej Plenković hat öffentlich erklärt, dass er den neuen Leiter "ernennen wird, wenn wir es für notwendig erachten", was eine scharfe Reaktion von Staatspräsident Zoran Milanović ausgelöst hat, der eine außerordentliche Sitzung des Parlaments und eine Frist von 15 Tagen für die Ernennung fordert.
Milanović sucht den Umweg über das Parlament
Nachdem er wegen illegal gelagerten Abfalls in Gospić eine außerordentliche Sitzung des Parlaments gefordert hatte, schlug Präsident Milanović unter anderem vor, dass das Parlament die Regierung verpflichten solle, innerhalb kürzester Zeit, nicht länger als 15 Tage, einen neuen Generalinspektor zu ernennen. Die Ernennung der Person, die den ehemaligen Generalinspektor Andrija Mikulić ablösen soll, liegt in der alleinigen Zuständigkeit der Regierung und des Premierministers, der laut Gesetz das Recht hat, einen Kandidaten vorzuschlagen.
Da die HDZ jedoch im Parlament die Mehrheit hat, ist es wahrscheinlich, dass der Antrag des Präsidenten abgelehnt wird. Milanović schlägt daher den Umweg über das Parlament vor, wohl wissend, dass der Premierminister nicht den Eindruck erweckt, dass die Ernennung geplant ist, geschweige denn Priorität hat.
Problematische Praxis der vorläufigen Besetzungen
Das Staatsinspektorat wird derzeit von Ivan Samac geleitet, der kein klassischer Amtsinhaber ist, sondern im November 2022 für vier Jahre zum stellvertretenden Generalinspektor ernannt wurde. Die Lage im DIRH spiegelt einen Trend wider, der für Plenkovićs Führung charakteristisch geworden ist: Schlüsselpositionen und -ämter wurden vorläufig besetzt, ohne vollständiges Mandat.
Plenković hat damit kein Problem, und seine öffentlichen Auftritte deuten darauf hin, dass er nicht beabsichtigt, diese Praxis zu ändern. Milanović scheint eine andere Ansicht zu haben, insbesondere wenn es um das Staatsinspektorat geht.
Sieben Fragen ohne Antwort
Auf einer Pressekonferenz vor einer Woche erklärte der Premierminister offen, dass er die neue Leitung des DIRH "ernennen wird, wenn wir es für notwendig erachten". Auf sieben aufeinanderfolgende Journalistenfragen, warum das Inspektorat immer noch keinen Leiter mit vollem Mandat hat, gab Plenković keine argumentierte Antwort. Er behauptete lediglich, dass die Arbeit derzeit vom Stellvertreter erledigt wird, dass "das Inspektorat funktioniert", dass sich die Regierung keine Frist für die Ernennung gesetzt hat und dass dies "von unserer Einschätzung abhängen wird".
Doch schon vor diesem Auftritt war klar, dass die Regierung kein Problem damit hat, dass der Staat keinen Generalinspektor hat. Im Juli wurde Plenković auch von einem Abgeordneten zu diesem Thema befragt, was in den Banski dvori immer noch unbeantwortet bleibt.
Laute politische Botschaft
Milanović schließt aus Plenkovićs Worten, dass "daraus hervorgeht, dass Kroatien keinen Generalinspektor braucht und dass das Staatsinspektorat weiterhin ohne Leiter funktionieren wird, was inakzeptabel ist, insbesondere in der aktuellen Situation, in der gerade der Generalinspektor die Rechtmäßigkeit, Effizienz und einheitliches Handeln aller Inspektionen im Staat sicherstellen und entscheiden sollte, welche Prioritäten die Inspektionsaufsicht hat".
Es ist sicher, dass die Regierungsmehrheit unter Führung der HDZ auf der außerordentlichen Sitzung des Parlaments Milanovićs Schlussfolgerungen ablehnen und eigene beschließen wird. Eine ähnliche Situation gab es, als sich das Parlament im Juli 2023 auf Milanovićs Antrag hin außerordentlich traf. In einem Staat, in dem sich ohne wirksame Reaktion der zuständigen Behörden 37.000 Tonnen potenziell gefährlichen Abfalls ansammeln können, wird dies ebenfalls eine starke politische Botschaft sein.