Europäische Länder lehnen die Forderungen der Ukraine nach der Lieferung von Patriot-Luftverteidigungssystemen und Abfangraketen zunehmend ab, berichtet Politico. Kiew versucht intensiv, seine Vorräte vor dem Winter aufzustocken, aber die Verbündeten sind immer weniger bereit, ihre eigenen Mittel der Luftverteidigung (LV) zu teilen.
Laut Politico kommt der Widerstand insbesondere aus EU-Ländern, die geografisch näher an Russland liegen. Sie befürchten eine Schwächung ihrer eigenen Luftverteidigung und sind der Ansicht, dass die vorhandenen Bestände nicht ausreichen, um ihr Territorium vollständig zu schützen. Die Ukraine habe versucht, Lieferungen mit Spanien und Griechenland zu vereinbaren, doch diese Länder zögern, die letzten verfügbaren Systeme und Raketen zu übergeben.
Politische Spannungen und innere Spaltungen
Selbst die symbolische Entscheidung Polens, der Ukraine fünf Abfangraketen zu übergeben, hat heftige innenpolitische Auseinandersetzungen ausgelöst. Die Opposition warf der Regierung vor, die Verteidigungsfähigkeit des Landes zu schwächen, insbesondere angesichts der häufigen Vorfälle mit russischen Raketen und Drohnen in der Nähe der polnischen Grenze.
Deutschland, das zuvor einer der größten europäischen Lieferanten von Patriot-Systemen an die Ukraine war, hat die Systeme dreimal übergeben und erklärt nun, es habe die Mindestreserven erreicht. Berlin ruft nun andere europäische Länder auf, ihre Arsenale zu überprüfen und weitere Möglichkeiten zur Unterstützung Kiews zu finden.
Abhängigkeit von den USA und Trumps Haltung
Eine weitere Ausweitung der Lieferungen hängt weitgehend von den Vereinigten Staaten ab. Der amerikanische Präsident Trump erklärte zu der Frage der Übergabe neuer Patriot-Systeme an die Ukraine, dass auch die amerikanische Seite diese Raketen für den eigenen Bedarf benötige.
Diese Situation ereignet sich zu einem Zeitpunkt, an dem Deutschland und Frankreich versuchen, ihre eigene Verteidigungsindustrie zu stärken. Ende Juli versprachen der französische Präsident Macron und der deutsche Kanzler Merz einen breiten Schub für Verteidigung, Industrie und Technologie, um zu zeigen, dass der deutsch-französische Motor immer noch Einfluss hat, insbesondere im Hinblick auf die bevorstehenden französischen Präsidentschaftswahlen 2027. Sie kündigten auch die Entwicklung eines europäischen Rivalen für das amerikanische Unternehmen Palantir an, für das ein hoher NATO-Kommandeur kürzlich sagte, es gebe keine echte europäische Alternative.
Gleichzeitig führt Deutschland interne Debatten über die Beschaffung von Kampfdrohnen. Die Beamten können sich nicht einigen, ob sie die Ghost Bat von Boeing Australia kaufen oder auf europäische Alternativen warten sollen, was den deutschen Plan zur Einführung einer neuen Kampfdrohne verzögern könnte. Der deutsche Verteidigungsminister Pistorius bereitet außerdem einen Besuch in Washington und Texas im September vor, nachdem ein Versuch, sich mit seinem amerikanischen Kollegen Hegseth im Pentagon zu treffen, im Mai gescheitert war.