Die Galerie Otok, gelegen im Rahmen der Art radionica Lazareti, wird am Montag, dem 11. August, um 21 Uhr zum Ort der Begegnung zweier Zeiten. Die junge Künstlerin Mara Bratoš, Studentin der Zagreber Filmakademie, eröffnet die Ausstellung "Verborgene Orte der Stadt", die bis zum 1. September besichtigt werden kann.
Die Ausstellung stellt Fotografien, die im Abstand von genau dreißig Jahren entstanden sind, in einen direkten Dialog. Die erste Serie von Schwarz-Weiß-Aufnahmen stammt aus dem Jahr 1995, einer Zeit unmittelbar nach dem Kroatienkrieg, während die neuen Farbfotografien im Jahr 2025 entstanden sind. Durch diesen zeitlichen Kontrast untersucht die Autorin, wie sich Räume, Erinnerungen und das Verhältnis der Bewohner zu Orten, die einst Teil des Alltagslebens waren, verändert haben.
Ein Blick jenseits der Postkarten
Statt der üblichen touristischen Motive richtete Bratoš ihre Linse bereits als Studentin auf verborgene, weniger bekannte Ecken der Stadt. Ihre Fotografien aus dem Jahr 1995 halten Räume zwischen dem Öffentlichen und dem Vergessenen fest, Orte, die ihre ursprüngliche Funktion verloren haben, aber im kollektiven Gedächtnis der Dubrovniker eingraviert geblieben sind.
Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen strahlen eine fast filmische Atmosphäre aus, leer, still und vom Geist der Zeit umhüllt. Zu den von ihr festgehaltenen Orten gehören die Villa Šeherezada, das Hotel Argentina, die Villen Elita und Wolff in der Bucht von Lapad, das Wasserballspielfeld auf Porporela sowie die Tischtennisplatten vor dem Hotel Neptun. Die Kriegszerstörungen waren noch deutlich sichtbar, und genau solche Räume zogen ihre Aufmerksamkeit auf sich.
Eine Stadt, die nicht mehr dieselbe ist
Drei Jahrzehnte später kehrte die Künstlerin an dieselben Orte zurück. Doch sie fand eine grundlegend andere Realität vor. Einige Orte sind nicht mehr zugänglich, der Zugang zu bestimmten Räumen ist versperrt, und einige haben ihre Funktion vollständig geändert. Genau diese Transformation wird zum zentralen Bestandteil der Ausstellungserzählung.
Die Fotografien aus dem Jahr 2025 sind keine bloße Wiederholung alter Aufnahmen, sondern ein Zeugnis vom Vergehen der Zeit und der Veränderung des Verhältnisses zum Raum. Die Ausstellung wirft so Fragen nach Erinnerung, Identität der Stadt und Transformationen auf, die nicht nur an Fassaden und Straßen geschehen, sondern auch in der Art und Weise, wie die Bewohner einstige gemeinsame Orte wahrnehmen.
Zwei Gesichter Dubrovniks
Durch die Verbindung von Schwarz-Weiß-Fotografien der Nachkriegszeit und zeitgenössischen Farbaufnahmen zeigt Mara Bratoš zwei parallele Dubrovniks. Die eine ist eine Stadt, die sich von den Kriegszerstörungen erholte, die andere eine Stadt im ständigen Wandel. "Verborgene Orte der Stadt" sind somit nicht nur ein Dokument urbaner Veränderungen, sondern auch eine Geschichte über Zeit, Erinnerung und Räume, die langsam aus dem alltäglichen Blick verschwinden, aber gerade durch das Medium Fotografie bewahrt werden.