Frankreich, Deutschland und die Niederlande widersetzen sich einer beschleunigten Erweiterung der Europäischen Union, wie Narodno.hr berichtet. Sie befürchten, dass neue Mitglieder nach ihrem Beitritt den politischen Kurs ändern und wichtige Entscheidungen der Union blockieren könnten. Brüssel plant daher eine Debatte über Regeln, die verhindern sollen, dass die Erweiterung die Entscheidungsfindung innerhalb der EU weiter erschwert.
Ein ungenannter Diplomat aus einem Staat, der einer schnellen Erweiterung skeptisch gegenübersteht, fasste das Problem mit einem Vergleich zusammen: Die Angst sei, dass die EU "einen Trojaner einführen" könnte.
Blockaden sind nicht nur Theorie
Diese Befürchtung ist nicht theoretisch, heißt es in der Analyse. Die Union sieht sich seit Jahren mit Mitgliedern konfrontiert, die ihr Vetorecht nutzen oder gemeinsame Entscheidungen blockieren, insbesondere in der Außenpolitik. Genau deshalb fordern einige Staaten eine Änderung der Entscheidungsverfahren vor der nächsten Erweiterungsrunde.
Die Europäische Kommission bereitet neue Regeln für künftige Mitglieder vor. Die Vorschläge sollen den Staats- und Regierungschefs beim Treffen des Europäischen Rates am 15. Oktober 2026 vorgelegt werden.
Einstimmigkeit wird immer schwieriger
Das größte Problem ist nicht nur die Anzahl neuer Mitglieder. Je größer die Union, desto schwieriger ist es, Einstimmigkeit in Sicherheits-, Außenpolitik-, Haushalts- und Sanktionsfragen zu erzielen. Wenn ein neues Mitglied nach seinem Beitritt die politische Richtung ändert, kann es Entscheidungen stoppen, die andere Länder für strategisch entscheidend halten.
Die Ukraine und Moldau sehen bereits jetzt, wie stark der Prozess vom politischen Willen aller Mitglieder abhängt. Ungarn hat noch nicht die Eröffnung aller Verhandlungskapitel genehmigt, ein ausreichender Beweis dafür, wie sehr ein Land den gesamten Prozess verlangsamen kann.
Montenegro: 14 Jahre Verhandlungen
Montenegro ist in den Verhandlungen am weitesten fortgeschritten, aber auch sein Beispiel zeigt nicht, dass der Beitritt nahe und sicher ist. Es verhandelt bereits seit 14 Jahren, was zeigt, wie langwierig und politisch sensibel der Erweiterungsprozess ist.
Warum das für Kroatien wichtig ist
Für Kroatien ist diese Debatte besonders wichtig wegen des Westbalkans. Zagreb möchte, dass die Nachbarländer stabil, reformiert und eng mit den europäischen Institutionen verbunden sind. Dennoch garantiert eine Mitgliedschaft allein keine Stabilität.
Wenn die EU Länder aufnimmt, die Fragen der Rechtsstaatlichkeit, der außenpolitischen Orientierung und der Einhaltung gemeinsamer Entscheidungen nicht gelöst haben, werden diese Probleme nach dem Beitritt nicht verschwinden. Sie werden nur an denselben Tisch verlegt, an dem Kroatien bereits sitzt. Es stellt sich also nicht mehr nur die Frage, wann die EU erweitert wird, sondern welche Union nach dieser Erweiterung bestehen bleibt.