Der französische Nuklearpark, eine tragende Säule des europäischen Stromnetzes, erreichte am Mittwoch, dem 12. August 2026, ein historisches Maximum an umweltbedingter Nichtverfügbarkeit. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur AFP stieg der Anteil der fehlenden Leistung auf einen Rekordwert von 20,4 Prozent.
Diese außergewöhnliche Situation ist die Folge eines doppelten Schocks: einer Hitzewelle, die Frankreich erfasst hat, und eines massiven Zustroms von Quallen in die Kühlsysteme des Kernkraftwerks Gravelines im Norden des Landes. Der Betreiber EDF war gezwungen, insgesamt 13 seiner 57 Reaktoren abzuschalten oder die Produktion zu drosseln.
Quallen in Gravelines und Hitze im ganzen Land
Während hohe Temperaturen der Flüsse und des Meeres, die zur Kühlung der Reaktoren genutzt werden, eine häufige Sommerherausforderung für Kernkraftwerke darstellen, ist die Situation im Kraftwerk Gravelines (Nord) besonders ungewöhnlich. Dort mussten am Montag drei Reaktoren direkt wegen eines "massiven Quallenzustroms" in die Meerwasserpumpstationen abgeschaltet werden.
Die übrigen der 13 betroffenen Reaktoren im gesamten französischen Park sehen sich mit Betriebseinschränkungen oder vollständigen Stillständen aufgrund von Hitze und Trockenheit konfrontiert, was EDF in seinen Berichten als "Umweltbeschränkungen" oder "externe Ursachen im Zusammenhang mit der Umwelt" einstuft. Der neue Höchststand der Nichtverfügbarkeit wurde kurz vor 10 Uhr morgens Ortszeit verzeichnet.
Rekord von 20,4 % fehlender Leistung
AFP berechnete die 20,4 Prozent fehlender Erzeugungskapazität auf der Grundlage von Informationen, die EDF seit 2015 veröffentlicht. Das bedeutet, dass fast ein Fünftel der Gesamtleistung des französischen Nuklearpark derzeit außer Betrieb ist oder deutlich unter den Nennwerten arbeitet. Dieser Prozentsatz stellt einen absoluten Rekord in der Kategorie der umweltbedingten Ausfälle dar.
Obwohl Frankreich traditionell große Mengen an Strom exportiert, könnte diese Entwicklung die ohnehin angespannte europäische Energiebilanz in den Sommermonaten zusätzlich belasten, insbesondere angesichts der hohen Temperaturen, die den Kühlbedarf erhöhen.