Die jemenitischen Huthis haben am Samstag, dem 26. Juli 2026, ballistische Raketen und Drohnen auf saudische Ölanlagen in den Häfen Yanbu und Jizan abgefeuert und dabei Einrichtungen des weltgrößten Ölkonzerns Aramco ins Visier genommen. Der saudische Zivilschutz bestätigte, dass in den frühen Morgenstunden in beiden Städten mehrfach Sirenen ertönten. Zu möglichen Schäden äußerte sich die saudische Regierung bislang nicht.
Spirale aus Angriff und Gegenschlag
Der Huthi-Angriff auf saudisches Territorium ist eine direkte Reaktion auf saudische Luftangriffe, die am späten Freitagabend, dem 25. Juli, Hudaida getroffen hatten, eine strategisch bedeutsame Stadt an der jemenitischen Küste des Roten Meeres. Brigadegeneral Yahya Saree, der Militärsprecher der Huthis, erklärte in einer vorab aufgezeichneten Mitteilung, der Angriff habe sich gegen Aramco-Anlagen in Yanbu und Jizan gerichtet. Über das genaue Ausmaß der Schäden in Hudaida gehen die Darstellungen auseinander: Anees al-Asbahi, Sprecher des von den Huthis kontrollierten Gesundheitsministeriums, behauptet, die Schläge hätten den Hafen und die staatliche Telekommunikationsgesellschaft getroffen und zwei Personen verletzt. Die saudische Koalition hingegen besteht darauf, nicht den Hafen, sondern "legitime militärische Ziele" in der Provinz Hudaida angegriffen zu haben, die "mit Bedrohungen für Handelsschiffe im Roten Meer in Verbindung standen".
Drohende Sperrung der Meerenge Bab al-Mandab
Nachdem die Huthis in den vergangenen Tagen bereits zwei saudische Öltanker im Roten Meer angegriffen hatten, drohen sie nun mit der Sperrung der Meerenge Bab al-Mandab für Schiffe mit Bezug zu Saudi-Arabien. Die Meerenge an der Südspitze der Arabischen Halbinsel ist ein zentraler Schifffahrtsknotenpunkt, der das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet, rund zwölf Prozent des Welthandels und ein Viertel des globalen Containerverkehrs passieren sie. Mahdi al-Mashat, Chef des von den Huthis kontrollierten Obersten Politischen Rates, der die Rebellengebiete im Jemen verwaltet, formulierte die Bedingung für ein Abrücken von der Sperrungsdrohung unmissverständlich:
"Nichts weniger als ein Ende der Aggression und die Aufhebung der Blockade, alles andere ist Illusion und Fata Morgana."
Ein regionaler Flächenbrand
Die Eskalation im Jemen vollzieht sich parallel zu dem bereits entbrannten Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Wie Reuters berichtet, weitet sich der Krieg nun auf das Rote Meer und das Kaspische Meer aus, während im Persischen Golf eine vorübergehende Ruhe herrscht, da Washington vorerst auf weitere Angriffe gegen den Iran verzichtet. In den 13 vorangegangenen Nächten hatte das US-Militär Ziele im Iran attackiert; in der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden hingegen keine Angriffe gemeldet. Das iranische Gesundheitsministerium bestätigte eine ruhige Nacht, und Sprecher Hossein Kermanpour schrieb auf X: "Der Iran hatte eine ruhige Nacht."
Das Kaspische Meer als neue Front
Am Samstag erreichte den Iran zudem die Nachricht eines Angriffs auf ein eigenes Handelsschiff im Kaspischen Meer. Die iranische Seite macht die Ukraine für den Vorfall verantwortlich, bei dem eine Person ums Leben kam und eine weitere verletzt wurde. Außenminister Abbas Araghchi erklärte, er habe den Fall mit EU-Außenbeauftragter Kaja Kallas besprochen, und Kiew erhielt eine diplomatische Note. Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky hatte zuvor auf X geschrieben, die Ukraine habe "mit Langstreckenangriffen im Kaspischen Meer sehr starke Ergebnisse erzielt, darunter gegen Schiffe, die für militärische Frachttransporte unter Beteiligung des Iran genutzt werden".
Diplomatische Signale und nächste Schritte
Trotz der militärischen Eskalation rief Araghchi in einem Interview mit der iranischen Staatsagentur zu "Diplomatie und Dialog" auf, um den Jemen-Konflikt ohne "militärische Konfrontationen" zu lösen. Unterdessen plant der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu, kommende Woche nach Washington zu reisen und am Dienstag, dem 28. Juli, US-Präsident Donald Trump zu treffen, es wäre ihr erstes Zusammentreffen seit Februar 2026, als der Krieg begann. Vorliegenden Daten zufolge hat der Krieg bislang mehr als 3.400 Menschenleben im Iran gefordert, dazu 18 amerikanische Soldaten, 24 Zivilisten in Israel und mehr als 4.000 Menschen im Libanon, wo die Hisbollah auf Seiten des Iran kämpft.