Der Irak verzeichnet einen dramatischen Rückgang der Ölexporte um 75 Prozent, eine direkte Folge der langwierigen Blockade der Straße von Hormus und regionaler militärischer Eskalationen. Diese besorgniserregende Zahl gab der irakische Ölminister Hayan Abdul-Ghani am Samstag auf einer Pressekonferenz in Bagdad bekannt und warnte vor einer schweren Finanzkrise, die das gesamte Land erschüttert.
Nach seinen Worten exportiert der Irak derzeit nur etwa 25 Prozent der Mengen, die vor Ausbruch der regionalen Feindseligkeiten am 28. Februar 2026 üblich waren. Vor der Krise exportierte der Irak täglich etwa 3,5 Millionen Barrel Rohöl, was die Haupteinnahmequelle des Staates darstellte.
Gehaltsverzögerungen und Entschädigungen für ausländische Unternehmen
Der plötzliche Rückgang der Öleinnahmen hat zu einer akuten Liquiditätsknappheit in der Bundesregierung geführt. Die Folge sind zunehmende Verzögerungen bei der Auszahlung der Gehälter an Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Minister Abdul-Ghani bestätigte, dass das Öl derzeit mit erheblichen Preisnachlässen verkauft wird, deutlich unter dem im Staatshaushalt festgelegten Basispreis, was das Haushaltsdefizit weiter vertieft.
Die Regierung in Bagdad sieht sich auch mit der Frage der Entschädigung für ausländische Energieunternehmen konfrontiert. Abdul-Ghani stellte klar, dass der Irak Schäden ersetzen wird, die durch Angriffe entstanden sind, die von irakischem Territorium ausgehen. Die Regierung hat sich jedoch rechtlich von der Haftung für Schäden distanziert, die durch ausländische Militärschläge oder breitere Kampfhandlungen verursacht wurden, die außerhalb der staatlichen Kontrolle liegen.
Beschleunigte Arbeit an Umgehungsrouten
Um die Abhängigkeit vom Persischen Golf und der blockierten Straße von Hormus zu verringern, entwickelt das irakische Ölministerium beschleunigt die Infrastruktur für den Landexport. Priorität haben Projekte zum Ausbau und Bau von Pipeline-Korridoren, die die südlichen Produktionszentren mit dem Mittelmeer verbinden sollen.
Geplante Routen umfassen Verbindungen zum türkischen Hafen Ceyhan, zum syrischen Terminal Baniyas sowie zum jordanischen Hafen Aqaba. Langfristige Pläne sehen auch einen Transit zum Roten Meer über jordanisches Territorium vor. Obwohl Bagdad diplomatische Gespräche mit dem Iran über die Genehmigung der Durchfahrt irakischer Tanker durch den Golf geführt hat, wurde noch keine operative Vereinbarung erzielt.
Solche Störungen an einem der wichtigsten Ölzentren der Welt haben das Potenzial, die globalen Energiepreise zu beeinflussen und damit indirekt auch die Versorgung und Preise in der Europäischen Union.