Das Rudjer-Boskovic-Institut (IRB) beteiligt sich am internationalen Projekt MIRAMAR, dessen Ziel es ist, zu untersuchen, wie sich verschiedene menschliche und klimatische Belastungen überlagern und auf die Adria auswirken. Das Projekt vereint acht Partner aus sechs Mittelmeerländern; die Forschungen an der Westküste Istriens laufen von April 2025 bis Ende 2027.
Sie wirken nicht einzeln, sondern gemeinsam
Projektmitarbeiterin Mia Knjaz vom Zentrum für Meeresforschung des IRB erklärte, warum es entscheidend ist, die Gesamtwirkung aller Belastungen zu verstehen. "Uns ist bewusst, dass der Mensch auf verschiedene Weise auf Meeresökosysteme einwirkt und dass diese Einwirkung oft schädlich ist. Allerdings wirken Klimawandel, Lärm, Lichtverschmutzung, chemische Schadstoffe, invasive Arten und Meeresmüll nicht einzeln. Meeresorganismen sind gleichzeitig mehreren Belastungen ausgesetzt, und deren gemeinsame Wirkung müssen wir besser verstehen", sagte Knjaz.
Die Wissenschaftler sammeln daher vor Ort mit einem Forschungsschiff Proben von Meerwasser und Sediment und erfassen die vorhandenen Organismen. Gemessen werden Temperatur, Salzgehalt und pH-Wert des Meeres, Mikroplastik wird in Wasser, Sediment und an Stränden analysiert, invasive Arten werden überwacht, und die Werte von Unterwasserlärm, Lichtverschmutzung und chemischen Schadstoffen werden erfasst.
Vom Feld ins Labor: "Viel Denkarbeit"
Nach der Rückkehr an Land folgt die langwierige Aufbereitung des gesammelten Materials. "Die Feldarbeit ist nur der erste Schritt. Danach folgen Stunden im Labor, die Analyse der Ergebnisse, Arbeit am Computer und viel Denkarbeit. Erst durch die Verknüpfung aller Daten können wir verstehen, was im Meer wirklich passiert", so Knjaz.
Durch die Verknüpfung all dieser Daten werden die Wissenschaftler versuchen festzustellen, welche Belastungen gemeinsam auftreten, wie stark sie sind und wie ihre Summe einzelne Lebensräume beeinflusst. Die Untersuchungen finden nicht nur in der Adria statt, sondern an insgesamt neun Gebieten im gesamten Mittelmeer.
Wiederherstellung von Seegraswiesen als natürliche Lösung
Das Ziel des Projekts MIRAMAR ist nicht nur, Probleme zu diagnostizieren, sondern auch konkrete Lösungen auf Basis natürlicher Prozesse zu entwickeln. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist die Wiederherstellung von Seegraswiesen. "Deshalb löst die Wiederherstellung von Seegraswiesen nicht nur ein Problem. Sie kann verlorene Lebensräume einheimischer Arten zurückbringen, die Biodiversität erhöhen, den Meeresboden stabilisieren und zur Abschwächung des Klimawandels beitragen. Eine solche Maßnahme nützt sowohl der Natur als auch den Menschen und fügt sich natürlich ins Ökosystem ein", betonte Knjaz.
Diese Meerespflanzen haben vielfachen Nutzen: Sie stabilisieren den Boden, dämpfen Wellenschläge, erhöhen die Biodiversität und dienen als natürliche Kohlenstoffspeicher, wodurch sie direkt im Kampf gegen den Klimawandel helfen.
Internationale Zusammenarbeit von Istrien bis Albanien
Das Projekt MIRAMAR wird von der Universität Siena koordiniert, genauer gesagt von deren Team Plastic Busters. Neben dem IRB sind zahlreiche renommierte Institutionen beteiligt: das Mediterranean Information Office for Environment, Culture and Sustainable Development aus Griechenland, der Spanische Nationale Forschungsrat und das Spanische Institut für Ozeanographie, das Hellenische Zentrum für Meeresforschung, die Zoologische Station Anton Dohrn aus Italien, das Ministerium für Tourismus und Umwelt Albaniens sowie das Korsische Umweltamt aus Frankreich.