Israels Diasporaminister Amichai Chikli bewertete das neue Verteidigungsbündnis zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan, das am Freitag in Mekka unterzeichnet wurde, als "sehr gefährliche und sehr beunruhigende Entwicklung". Seine Äußerung folgte, nachdem Pakistans Verteidigungsminister zu einer "vereinten Militärfront" gegen Israel aufgerufen hatte, was die Spannungen in der Region weiter erhöhte.
Das Abkommen, das am 7. August 2026 vom saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, dem türkischen Präsidenten Tayyip Erdogan und dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif unterzeichnet wurde, sieht vor, dass ein Angriff auf eines der drei Länder als Angriff auf alle betrachtet wird. Der türkische Außenminister Hakan Fidan erklärte am Samstag, dass diese Vereinbarung "technisch äquivalent zu Artikel 5 der NATO über kollektive Verteidigung" sei.
Israels Besorgnis: Türkische Konfrontation und syrische Front
Chikli betonte besonders die Gefahr der türkischen Beteiligung an dem Bündnis. "Saudi-Arabien saß im Grunde auf dem Zaun. Es hatte bereits ein Verteidigungsabkommen mit Pakistan, aber in dem Moment, in dem es mit den Türken zusammenarbeitet, die in direkter Konfrontation mit uns stehen, die sich zu Dimensionen mit äußerst ernsten Konsequenzen entwickeln könnte, sowohl im Mittelmeer als auch an der syrischen Front, ist das eine Entwicklung, die sehr, sehr schlecht für uns, für Israel ist", sagte Chikli.
Als Reaktion auf die neue Situation rief der israelische Minister dazu auf, die Allianzen mit Griechenland, Zypern, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Somaliland zu vertiefen. Seine Worte spiegeln die Dringlichkeit wider, die Jerusalem der Schaffung eines Gegengewichts zu dem neuen Block beimisst.
Aufruf zur 'vereinten Militärfront' und die Frage der Normalisierung
Einen Tag nach der Unterzeichnung des Abkommens rief Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif zu einer "vereinten Militärfront" gegen Israel auf und beschrieb es als "Bedrohung für die gesamte muslimische Welt". Asif verband seinen Aufruf mit der ungelösten Palästinenserfrage und rief die islamische Welt zur Einheit auf.
Trotz der scharfen Rhetorik schließen Analysten die Möglichkeit einer Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und Saudi-Arabien nicht aus. Dr. Yoel Guzansky, Leiter des Golf-Forschungsprogramms am Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS), sagte, dass der Pakt "die Tür zur Normalisierung nicht vollständig schließt". "Länder brauchen Stabilität. Die Saudis brauchen Stabilität", sagte Guzansky und beschrieb den Ansatz Riad als "Hedging" (Risikoabsicherung).
Diplomatische Botschaft an Washington
Der ehemalige Leiter des israelischen Nationalen Sicherheitsrates, Jacob Nagel, bewertete das Abkommen als "eher ein diplomatisches Manöver mit der Absicht, die US-Administration unter Druck zu setzen". Nach seinen Worten sucht Riad nach Alternativen, weil es sich zunehmend exponiert fühlt. Diese Verwundbarkeit hat seit den Angriffen auf die saudischen Ölanlagen Abqaiq und Khurais im Jahr 2019 eskaliert, die die Grenzen der Verteidigungsfähigkeiten des Königreichs offenbarten.
Der Jerusalem Post betont in seiner Analyse, dass Washington auf das achten sollte, was in Mekka passiert ist. Der langjährige amerikanische Partner hat zusätzliche Sicherheitsgarantien von Ankara und dem nuklear bewaffneten Islamabad gesucht, was eine Warnung vor dem schwindenden Vertrauen in die US-Sicherheitsgarantien ist.
Was kommt als Nächstes?
Das Bündnis wird einen Ministerausschuss und ein Generalsekretariat mit Sitz in Saudi-Arabien einrichten, und es besteht die Möglichkeit, dass sich in Zukunft auch Ägypten anschließt. Der türkische Präsident Erdogan sagte, dass das Abkommen auf dem "Prinzip der kollektiven Abschreckung" basiert und die Sicherheits-, Verteidigungs- und Terrorismusbekämpfungszusammenarbeit erweitern wird.
Israel hingegen bemüht sich, die Tür zu Riad offen zu halten, und betont das strategische Potenzial der Normalisierung, das über Botschaften, Tourismus und Handel hinausgeht. Doch wie der Jerusalem Post anmerkt, wird die Verteidigungspartnerschaft mit Ländern, deren hochrangige Beamte Israel als regionalen Feind darstellen, unweigerlich einen Schatten auf diesen Prozess werfen.