Die Adria verändert sich: Blaue Krabbe und tropische Algen erobern das Meer
Klimawandel, Plastik und Überfischung bedrohen eines der vielfältigsten Meere Europas, und der Schutz lässt weiterhin auf sich warten.
Klimawandel, Plastik und Überfischung bedrohen eines der vielfältigsten Meere Europas, und der Schutz lässt weiterhin auf sich warten.
Die Adria, der nördlichste Golf des Mittelmeers mit einer Fläche von etwa 138.600 Quadratkilometern, durchläuft dramatische Veränderungen, die ihre Biodiversität und wirtschaftliche Zukunft beeinflussen. Der durch den Klimawandel verursachte Anstieg der Meerestemperatur öffnet invasiven Arten wie der Blauen Krabbe und tropischen Algen die Tür, während das Meer gleichzeitig mit Plastikmüll und dem zunehmenden Druck des Tourismus konfrontiert ist.
Wissenschaftler des Instituts für Ozeanographie und Fischerei in Split warnen, dass die Erwärmung der Adria nicht mehr nur ein Zukunftsthema, sondern bereits Realität ist. Invasive Arten, die einst auf wärmere Meere beschränkt waren, breiten sich nun in der Adria aus und verändern das Ökosystem, das mehr als 7.000 Pflanzen- und Tierarten beheimatet. Darunter sind auch gefährdete Arten wie die Unechte Karettschildkröte, der Große Tümmler und die Mittelmeer-Mönchsrobbe, deren Lebensräume zusätzlich durch menschliche Aktivitäten bedroht sind.
Schätzungen zufolge gelangen jedes Jahr etwa 1.000 Tonnen Plastikmüll in die Adria. Die Fischereiflotte mit rund 8.000 Schiffen kämpft weiterhin gegen die Überfischung, die das Gleichgewicht des Ökosystems gefährdet, während der Tourismus an der kroatischen Küste jährlich mehr als 20 Milliarden Euro generiert und enormen Druck auf die Küstenökosysteme und die Infrastruktur ausübt. Naturschutzverbände wie die Splitter Vereinigung Sunce warnen, dass Schutzmaßnahmen auf dem Papier oft unzureichend in der Praxis sind.
Kroatien hat 2021 den ökologischen und fischereilichen Schutz in der Adria ausgerufen, einschließlich 30 Prozent der Meeresflächen als Schutzgebiete. Doch Umsetzung und Überwachung sind weiterhin unzureichend, und Maßnahmen stoßen oft auf Widerstand von Fischern und der Tourismusbranche. Das Ministerium für Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung steht vor der Herausforderung, wirtschaftliche Interessen und ökologische Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen, während lokale Gemeinschaften auf Inseln wie Hvar, Korčula und Mljet angesichts der Entvölkerung nach einem nachhaltigeren Entwicklungsmodell suchen.
Die Adria bleibt ein wichtiger Verkehrskorridor mit Häfen wie Rijeka, Ploče und Split, die Mitteleuropa mit der Welt verbinden. Doch die Frage, die Wissenschaftler und Umweltverbände immer lauter stellen, ist, wie lange die Adria diesen Belastungen standhalten kann, bevor ihre einzigartige Biodiversität unwiderruflich verändert wird.