Die Adria-Ölpipeline (Janaf) hat am Samstag bekannt gegeben, dass sie mit dem ungarischen Ölkonzern Mol einen Vertrag über den Transport von 2,05 Millionen Tonnen Rohöl für den Zeitraum vom 1. Januar bis Ende Dezember 2026 abgeschlossen hat. Der Vertrag wurde nach dem Prinzip "Zahle oder fördere" (Take-or-Pay) geschlossen, was bedeutet, dass der Käufer die vereinbarte Transportkapazität bezahlt, unabhängig davon, ob er sie tatsächlich genutzt hat.
Nach einer langwierigen Verhandlungsphase zwischen den beiden Parteien, die auch eine erhebliche politische Dimension umfasste, wurden die Gespräche schließlich zum Abschluss gebracht. Wie in der Janaf-Mitteilung heißt es, sei der Unterzeichnungsprozess abgeschlossen und der Vertrag bestätige und lege alle Elemente der Geschäftsbeziehung fest, die bereits am 1. Januar 2026 begonnen habe.
Streit um Preise und Zuverlässigkeit
Mol hatte wiederholt Unmut über die Preise der Janaf-Dienstleistungen geäußert und sie als zu hoch bewertet. Zudem stellte das Unternehmen die technischen Möglichkeiten des kroatischen Unternehmens in Frage und behauptete, Janaf sei ein unzuverlässiger Partner, um den Bedarf der Mol-Raffinerien zu decken.
Janaf wies diese Vorwürfe entschieden zurück. Das Unternehmen betonte, dass die Preise transparent und für alle Nutzer der Pipeline gleichermaßen gebildet würden und von der Länge der Strecke sowie den vereinbarten Ölmengen abhingen. Das Unternehmen unter der Leitung von Stjepan Adanić hob hervor, dass die Anmietung größerer Kapazitäten den Transportpreis für Mol senken würde.
Politischer Hintergrund und Vorwürfe aus Ungarn
Die Verhandlungen fanden in einem geopolitischen Spannungsfeld statt. Nachdem die Ukraine den Transit von russischem Öl durch die Druschba-Pipeline eingeschränkt hatte, wurde Kroatien zu einer wichtigen alternativen Route für die Versorgung Ungarns. Aus der Regierung des damaligen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán kamen daraufhin Vorwürfe gegen Kroatien wegen "Kriegsprofitmacherei" und der Ausnutzung der Tatsache, dass Ungarn aufgrund der Sanktionen gegen Russland die Landversorgung mit Rohöl erheblich erschwert wurde.