Diesen Sommer erlebte Višnjik eine wahre tektonische Verschiebung, deren wahre Ausmaße erst mit Beginn der ernsthaften regionalen Herausforderungen in der ABA-Liga spürbar werden. Nach vier Jahren voller Trophäen verließ Danijel Jusup die Bank von KK Zadar und beendete damit eine der prägendsten Perioden in der Vereinsgeschichte. Den heißen Trainerstuhl übernahm der 47-jährige Stipe Modrić, ein Mann aus Sinj, der vor einer fast unmöglichen Mission steht.
Jusup hinterließ nicht nur Silber, sondern auch einen fast legendären Status. Er baute den unverwechselbaren "Jusup-Basketball" auf, ein anspruchsvolles, isolierendes und physisch zermürbendes System, das Gegner mit Kraft zermalmte. Mit minimalen Ressourcen erzielte er das Maximum und verwandelte übersehene Spieler wie Luka Božić in die wertvollsten Spieler der ABA-Liga. Die Lücke, die er hinterlassen hat, ist riesig, und Modrić steht erst am Anfang des Weges, sie zu füllen.
Moderne Vision gegen traditionelles Publikum
Modrićs Ankündigung von modernem Basketball, schnellen Transitionen und aggressivem Pressing stößt auf Vorsicht. Die Fans in Zadar sind äußerst konservativ und vor allem pragmatisch. Sie interessieren sich nicht für attraktive Niederlagen, sondern ausschließlich für Punkte und Siege. Mit einem Budget von 800.000 Euro netto für Verstärkungen muss der neue Stratege erst beweisen, dass er Spieler auswählen und eine kämpferische Chemie aufbauen kann, wie es Jusup Saison für Saison gelang.
Bis das geschieht, werden jeder verlorene Ball und jeder falsche Schritt im regionalen Wettbewerb nur die Sehnsucht nach dem ehemaligen Trainer verstärken. Jusups Schatten wird sein härtester Gegner in dieser Saison sein. Modrićs Vision ist mutig, aber auf Višnjik wird Geduld schneller verbraucht als anderswo.
Die ewige Geschichte von der "Zadarer Jugend"
Es gibt jedoch ein Thema, bei dem die Gefahr einer schmerzhaften Wiederholung der Geschichte droht, der ewige Mythos von Zadar, eigene Talente zu fördern. Es ist allgemein bekannt, dass die einheimischen Jungen während Jusups Amtszeit meist nur dazu dienten, die Zahlen im Training aufzufüllen. Mit seiner extrem kurzen Rotation verschloss er die Tür für Unerfahrene hermetisch, wo man nur durch Muskeln und Erfahrung abgeklärter Veteranen überlebte. Die "Zadarer Jugend" verbrachte seine Titelsaisons tiefgefroren am Rand der Bank.
Modrićs Ankunft und die schnelle Einbindung der Vereinsjungen während der Vorbereitung weckten einen Funken Hoffnung, doch die harte professionelle Realität wird diese Romantik schnell auslöschen. Sein System erfordert eine Laufhölle, militärische Disziplin und taktische Reife, die die Jungs in Auseinandersetzungen mit den "Schwergewichten" der ABA-Liga einfach nicht besitzen. Wenn im November und Dezember der Ergebnisdruck unerträglich wird und die Halle Krešimir Ćosić ausschließlich Triumphe verlangt, gerät jede Geschichte über eine breitere Rotation und die Entwicklung der Jugend in Vergessenheit.
Manuel Dundović hat mit seinem Wechsel auf Leihbasis nach Zabok einen klugen Schachzug gemacht, und es ist realistisch zu erwarten, dass einer der verbleibenden Hoffnungsträger aus Zadar denselben Weg einschlagen wird, denn für sie gibt es im ersten Kader einfach keinen Platz. Alles deutet auf dasselbe Ende hin, der Kampf ums nackte Überleben und der Ergebnisimperativ werden die "Zadarer Jugend" wieder auf die bekannten Positionen des Handtuchschwenkens und des Wartens auf Brosamen in der halbprofessionellen und uninteressanten kroatischen Meisterschaft zurückbringen. Auf Višnjik wechseln die Trainer, aber die ungeschriebene Regel, dass junge Spieler schwer eine echte Chance bekommen, bleibt in Stein gemeißelt.