Der Ausbruch des Ätna, des aktivsten Vulkans Europas, hat mitten in der Hauptreisezeit auf Sizilien einen regelrechten Verkehrskollaps ausgelöst. Wegen der Aschewolke hat der größte Flughafen der Insel in Catania den Betrieb stark eingeschränkt und lässt Tausende Passagiere, darunter viele ausländische Touristen, im Ungewissen.
Nur ein Flugzeug darf starten
Nach Informationen der Flughafen-Website sind Landungen aus Sicherheitsgründen bis Dienstagabend um 19 Uhr ausgesetzt. Obwohl Starts nicht offiziell gestoppt wurden, kommt es auch hier zu großen Verspätungen und Streichungen. Die Lage ist so ernst, dass am Dienstagmorgen nur ein einziges Flugzeug starten konnte, und zwar auf einem Inlandsflug.
Der Flugverkehr ist bereits den fünften Tag in Folge gestört, seit der Vulkan am Freitag ausgebrochen ist. Die Behörden entscheiden je nach Windrichtung und Aschekonzentration oft kurzfristig über Schließungen. Derzeit gilt für den Flughafen Catania die höchste Warnstufe, Rot, was bedeutet, dass ein Ausbruch mit erheblicher Aschefreisetzung unmittelbar bevorsteht oder bereits im Gange ist. Der Flughafen hat am Dienstag die Aussetzung aller An- und Abflüge bis Mittwoch um 11 Uhr vormittags verlängert, mehr als 200 Flüge mussten umgeleitet oder ganz gestrichen werden.
Vulkan weiterhin aktiv mit neuem Krater
Nach Angaben des italienischen Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) treten dichte Lavaströme aus zwei Öffnungen in Höhen von 2360 und 2750 Metern aus. In der Nacht hat sich zudem eine neue Öffnung auf etwa 1900 Metern geöffnet, was die Lage zusätzlich verkompliziert. Der Vulkan, der sich auf über 3300 Meter über dem Meeresspiegel erhebt, wird wegen seiner häufigen Aktivität ständig überwacht. Die Aschewolke hat sich über Sizilien hinaus ausgebreitet und erreichte am Dienstag Malta, etwa 220 Kilometer südlich, wo sie den dortigen Flughafen zur Streichung von Flügen zwang.
30.000 Menschen im Ungewissen
Schätzungsweise sind derzeit rund 30.000 Menschen betroffen. Viele Touristen, die auf Sizilien Urlaub machten, mussten ihren Aufenthalt verlängern. Allerdings sind die Unterkunftskapazitäten auf der Insel ausgelastet, weshalb einige Passagiere die Nacht am Flughafen verbrachten. Reisende berichten, dass das Personal überlastet und die Hilfe der Fluggesellschaften unzureichend sei. Die Triebwerke zahlreicher geparkter Flugzeuge müssen geschützt und die Start- und Landebahnen häufig von abgelagerter Asche gereinigt werden.
Flucht zu hohen Preisen
Die verzweifelte Lage mancher Touristen wird auch ausgenutzt. Der italienische Schauspieler Filippo Laganà berichtete auf Instagram, dass Transportunternehmen für Shuttle-Dienste von Catania nach Palermo, eine Strecke von etwa 200 Kilometern, bis zu 700 Euro verlangen.
Auch die alternative Bahnverbindung bietet keine Erleichterung. Die direkte Zugverbindung zwischen Catania und Palermo ist wegen Bauarbeiten unterbrochen, und die Züge auf der längeren Strecke über Messina sind völlig überfüllt. Ebenso überfüllt sind die internationalen Züge nach Rom, von wo aus internationale Flüge leichter zu erreichen sind. Der Flughafen Catania bedient normalerweise mehr als 12 Millionen Passagiere pro Jahr und ist laut Daten der fünftgrößte Italiens. Passagieren, die Flüge von Catania oder Malta geplant haben, wird geraten, vor der Abreise zum Flughafen den Status ihrer Reise zu überprüfen.