Kaffee könnte um 332 Prozent teurer werden
Die Wissenschaftliche Dienst der Europäischen Kommission warnt vor einem drastischen Anstieg der Importpreise, und Produzenten außerhalb der EU kündigen bereits Handelsstreitigkeiten an.
Die Wissenschaftliche Dienst der Europäischen Kommission warnt vor einem drastischen Anstieg der Importpreise, und Produzenten außerhalb der EU kündigen bereits Handelsstreitigkeiten an.
Kaffee könnte im schlimmsten Fall um bis zu 332 Prozent teurer werden, Zitrusfrüchte um 82 Prozent. Das zeigen Projektionen der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC), der wissenschaftlichen Dienst der Europäischen Kommission, die im Rahmen des Plans für eine deutlich strengere Regulierung der maximal zulässigen Pestizidmengen in importierten Agrarprodukten veröffentlicht wurden.
Die Europäische Union beabsichtigt nämlich, Rückstände bestimmter Pestizide, jener, die in der EU bereits aus Gesundheits- und Umweltgründen verboten sind, nahezu auf das technische Nullniveau zu begrenzen. Die JRC-Analyse warnt, dass die größten Anpassungen gerade beim Import erforderlich wären, wo die Preise stark steigen könnten, wenn sich die Produzenten außerhalb der Union nicht an die neuen Regeln anpassen.
Schätzungen zufolge könnte die gesamte Agrarimportmenge in die EU um etwa 41 Prozent sinken. Das würde sich direkt auf die Viehzüchter durch höhere Kosten für Futtermittel auswirken. Selbst in moderateren Szenarien, in denen sich die Produzenten aus Drittländern teilweise anpassen, sind ein Rückgang der Importe und höhere Preise für die Verbraucher unvermeidlich.
Der Plan ist Teil eines umfassenderen Pakets, mit dem Brüssel die Regeln zur Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit vereinfachen will. In der Studie wurde festgestellt, dass 18 Wirkstoffe potenziell eingeschränkt werden könnten, was sich auf mehr als 235 Agrarartikel aus 86 Ländern auswirken könnte.
Europäische Landwirte begrüßen die Maßnahmen. Sie sind der Ansicht, dass sie für fairere Marktbedingungen sorgen und sie vor schlechterer Konkurrenz schützen.
Landwirte außerhalb der Union warnen jedoch vor dem gegenteiligen Effekt. Sie behaupten, dass solche Maßnahmen tatsächlich Handelshemmnisse darstellen, da sie unterschiedliche klimatische Bedingungen, Schädlinge und Besonderheiten des Anbaus in tropischen und anderen Regionen nicht berücksichtigen.
Die Organisation, die marokkanische Beerenobstbauern vereint, betont, dass dies etwa 250.000 Arbeitsplätze in ihrer Branche gefährden könnte. Ähnliche Bedenken und Kritik äußern auch Obstproduzenten aus Südafrika, Getreidebauern in Kanada, Melonenproduzenten in Honduras sowie Mandelbauern aus Kalifornien.
Die Europäische Kommission betont hingegen, dass ihr Hauptziel der Schutz der Verbrauchergesundheit und die Verhinderung des Wiedereintritts gefährlicher Substanzen in den Unionsmarkt sei.
Der Schritt deutet bereits auf einen potenziellen internationalen Handelskonflikt hin. Australien, Kanada, Paraguay und die USA haben die angekündigte Maßnahme bereits vor der Welthandelsorganisation (WTO) angefochten und argumentieren, dass bestehende internationale Standards bereits eine angemessene Sicherheit für die Verbraucher gewährleisten, ohne den globalen Warenaustausch zu stören.
Innerhalb der EU selbst gibt es starke Unterstützung für sogenannte Spiegelklauseln, und Frankreich ist einer der lautstärksten Befürworter. Das Land hat bereits in der ersten Jahreshälfte Entscheidungen getroffen, um Importe bestimmter Kartoffel- und Avocadosorten zu verbieten, die Spuren umstrittener Substanzen enthalten.
Die Europäische Kommission wird endgültige Entscheidungen über Verbote bestimmter Substanzen von Fall zu Fall treffen, mit detaillierten Bewertungen der wirtschaftlichen Auswirkungen. Wenn die Vorschriften vollständig umgesetzt werden, könnten Produkte wie der morgendliche Kaffee, Obst und Avocados für den täglichen Verbrauch deutlich teurer werden.