Neulich waren die Bewohner der kolumbianischen Gemeinde Galeras überrascht, als sie sahen, wie sich über ihnen dunkelrote Wolken ansammelten. Dieser Anblick, der nur wenige Tage nach einem starken Erdbeben auftrat, löste viele Spekulationen aus und ließ bei einigen Gedanken an das Ende der Welt aufkommen.
Wissenschaftler beruhigten die Öffentlichkeit jedoch schnell und erklärten dieses seltene Phänomen. Es handelte sich um ein Phänomen namens Candilazo, das bereits zum Beispiel in Caracas in Venezuela, ebenfalls nach einem Erdbeben, beobachtet wurde.
Was ist Candilazo und welche Gründe gibt es für seine Entstehung?
Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise, die den roten Himmel mit irgendeiner seismischen Aktivität in Verbindung bringen. Obwohl der Staub von eingestürzten Gebäuden lokal feine Partikel in die Luft hätte bringen können, sagten Wissenschaftler, dass die Hauptursache ein natürlicher atmosphärischer Prozess war.
Der Begriff Candilazo wird verwendet, um sehr lebhafte rote oder orangefarbene Sonnenuntergänge zu beschreiben. Obwohl dieser Name regional ist und nicht wissenschaftlich, ist die Physik, die ihn erklärt, gut bekannt und basiert auf der Rayleigh-Streuung.
Die Wissenschaft hinter roten Sonnenuntergängen
Wenn sich die Sonne dem Horizont nähert, muss ihr Licht eine deutlich dickere Schicht der Erdatmosphäre durchqueren. Auf diesem längeren Weg werden kürzere Wellenlängen des Lichts, wie Blau und Violett, von Luftmolekülen gestreut, während längere Wellenlängen, Rot und Orange, fast ungehindert passieren und am Himmel dominieren.
Die Rayleigh-Streuung, benannt nach dem britischen Physiker Lord Rayleigh, erklärt das Blau des Himmels am Tag und die Röte von Sonnenuntergängen. Die Streuung ist umgekehrt proportional zur vierten Potenz der Wellenlänge, daher wird blaues Licht etwa neunmal effizienter gestreut als rotes.
Dieser Effekt wird zusätzlich verstärkt, wenn in der Atmosphäre auch andere feine Partikel vorhanden sind, wie Staub, Rauch oder Aerosole. Diese Partikel verstärken die Streuung kürzerer Wellenlängen, wodurch rote und orangefarbene Töne noch sichtbarer werden.
Meteorologen weisen dabei darauf hin, dass das nördliche Südamerika gelegentlich Episoden von Saharastaub erlebt, den die Passatwinde über den Atlantik bringen. Laut Erklärungen der NASA können Staubwolken die Farben von Sonnenuntergängen intensivieren, da sie die Anzahl der schwebenden Partikel erhöhen, die das Sonnenlicht streuen.
Verheerendes Erdbeben im Hintergrund
Zur Erinnerung: Vor etwa zehn Tagen wurde Westkolumbien von einem verheerenden Erdbeben der Stärke 7,4 erschüttert, und offizielle Zahlen sprechen von mindestens 304 Toten, mehr als 4400 Verletzten und Hunderten Vermissten.