Ungarn hat am Montag, dem 10. August 2026, mit dem Wiederanfahren einer Turbine im Kernkraftwerk Paks begonnen, nachdem der Wasserstand der Donau, die zur Kühlung der Anlage dient, endlich gestiegen war. Das Kraftwerk, das normalerweise die Hälfte des im Land verbrauchten Stroms erzeugt, hatte in den vergangenen Wochen aufgrund des historisch niedrigen Wasserstands nur mit 10 Prozent seiner Kapazität gearbeitet.
Der Wasserstand der Donau stieg um 19 Zentimeter im Vergleich zum niedrigsten Stand der letzten Woche, was das Wiederanfahren der Turbine ermöglichte. "Das Wiederanfahren der zweiten Turbine im Kraftwerk Paks hat begonnen", teilte der ungarische Premierminister Peter Magyar auf Facebook mit und fügte hinzu, dass diese Turbine voraussichtlich am Montagabend Strom produzieren werde.
Kraftwerk am Rande der Abschaltung
Von den insgesamt acht Turbinen im Kernkraftwerk Paks blieb während der schlimmsten Dürreperiode nur eine in Betrieb. Magyar hatte letzte Woche vor der Ernsthaftigkeit der Lage gewarnt und erklärt, dass "die ungarische Wirtschaft ohne das Kraftwerk monatelang nicht funktionieren kann".
Die Dürre und die anhaltende Hitzewelle haben in ganz Europa enorme Schäden verursacht. Nach Angaben von Reuters belaufen sich die Schäden für die europäische Wirtschaft auf mehrere hundert Milliarden Euro, und die Probleme waren in der Stromerzeugung, der Flussschifffahrt und im öffentlichen Gesundheitswesen spürbar. Eine ähnliche Krise traf auch das Nachbarland Rumänien, das im August den Energienotstand ausrief und den Lauf der Donau umleitete, damit sein einziges Kernkraftwerk weiterarbeiten konnte.
Vorübergehende Erleichterung und langfristige Pläne
Premierminister Magyar betonte, dass der derzeitige Anstieg des Wasserstands vorübergehend sei und von den erwarteten Niederschlägen in Österreich abhänge. Daher habe die Regierung bereits Pläne zur langfristigen Diversifizierung der Stromversorgung gestartet.
Magyar kündigte an, dass die Regierung bis zum 31. August 2026 eine öffentliche Ausschreibung für den Bau von Windkraftanlagen veröffentlichen werde, die 700 Megawatt Strom erzeugen sollen. Das langfristige Ziel ist es, Kapazitäten für die Erzeugung von bis zu vier Gigawatt Windenergie zu entwickeln. Darüber hinaus überprüft die Regierung auch die geplante Erweiterung des Kernkraftwerks, bekannt als Paks 2, da auch diese nach den derzeitigen Plänen für die Kühlung auf die Donau angewiesen wäre.