Spanien hat am Samstag, dem 8. August 2026, um Punkt Mitternacht Grenzkontrollen für den gesamten Luft- und Seeverkehr aus Italien eingeführt. Dieser Schritt ist eine direkte Reaktion auf ähnliche Maßnahmen, die Rom eine Woche zuvor ergriffen hatte und die Madrid als "unbegründet" bezeichnete. Der Streit eskalierte nach dem massiven Zustrom von Migranten aus Marokko in die spanische Enklave Ceuta Ende Juli.
Nach Angaben spanischer Beamter werden die Dokumente von 5 bis 10 Prozent der Passagiere überprüft, bevor sie das Flugzeug verlassen dürfen. Die italienische Seite betont ebenfalls, dass ihre Kontrollen, die mindestens bis zum 15. August dauern sollen, stichprobenartig erfolgen und ausschließlich Staatsangehörige von Ländern außerhalb der Europäischen Union betreffen. Die spanischen Maßnahmen gelten bis zum 7. September.
Wurzeln des Konflikts: Migrantenwelle in Ceuta
Die Krise begann, als Ende Juli zwischen 70.000 und 78.000 Migranten in Ceuta, die spanische Enklave an der marokkanischen Küste, einreisten. Die italienische Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni setzte daraufhin das Schengen-Abkommen an den Grenzen zu Spanien aus, aus Sorge, die Migranten könnten ihre Reise nach Italien fortsetzen. Madrid wies diese Entscheidung zurück und argumentierte, dass Migranten aus Ceuta keine Möglichkeit hätten, in den Schengen-Raum zu gelangen.
Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez nannte in einem Schreiben an die Europäische Union den "zunehmenden Migrationsdruck auf der zentralen Mittelmeerroute, der Italien betrifft" als Rechtfertigung für die eigenen Maßnahmen und berief sich auf mögliche Auswirkungen auf die "öffentliche Ordnung und innere Sicherheit". Italien wiederum lehnte das spanische Ersuchen ab, seine Kontrollen bis Sonntag aufzuheben, und erklärte, sie würden in Kraft bleiben, da Spanien "eine neue Migrantenwelle" am 15. August erwarte.
Reaktion aus Brüssel und Lage vor Ort
EU-Innenkommissar Magnus Brunner versuchte, die Spannungen in einem Telefonat mit dem spanischen Innenminister Fernando Grande-Marlaska und seinem italienischen Kollegen Matteo Piantedosi zu entschärfen. "Vertrauen zwischen den Mitgliedstaaten ist unsere wertvollste Ressource", sagte Brunner und fügte hinzu, dass beide Minister bestätigt hätten, dass die Kontrollen vorübergehend seien. Ein Sprecher der Europäischen Kommission erklärte, dass "die spanischen und marokkanischen Behörden die Rückführung der Migranten wirksam bewältigt haben" und dass "illegale Bewegungen in Richtung des spanischen Festlands und Europas vorerst erfolgreich blockiert wurden".
Trotz des diplomatischen Sturms hat die Situation an den Flughäfen bisher keine größeren Störungen verursacht. Laut der Zeitung El País bildeten sich an italienischen Flughäfen zwar Schlangen, aber die Dokumente der Passagiere auf 250 Flügen von Italien nach Spanien wurden reibungslos überprüft, bei einer Stichprobe von 5 bis 15 Prozent der Passagiere. Das italienische Außenministerium hat die Unterstützung seiner Konsulate für Bürger verstärkt, die möglicherweise Probleme haben.
Humanitäre Kosten und drohende neue Welle
Während die Behörden streiten, sind die menschlichen Kosten der Krise erheblich. Die marokkanische Menschenrechtsvereinigung berichtete von 141 getöteten Migranten, und es wird geschätzt, dass sich noch etwa 3.500 Menschen in den Vierteln und Wäldern rund um Ceuta verstecken. Nach Angaben von Juan Vivas, dem Bürgermeister von Ceuta, befinden sich zwischen 8.000 und 11.000 Migranten in der Stadt, darunter fast 1.000 Minderjährige.
Zusätzliche Besorgnis erregen Aufrufe in sozialen Netzwerken zu einem neuen Massenübertritt über die Grenze, der für den 15. August geplant ist. Nach verfügbaren Informationen haben sechs Facebook-Gruppen mit mehr als 100.000 Followern solche Botschaften verbreitet, aber das Unternehmen Meta hat Beiträge entfernt, die gegen die Regeln verstoßen. Der spanische Geheimdienst stufte die Bedrohung als "glaubwürdig" ein, während ein Kommissionssprecher betonte, dass es "entscheidend ist, die Anstrengungen auf die Verhinderung weiterer illegaler Übertritte und tragischer, sinnloser Todesfälle zu konzentrieren".