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Mercedes räumt Fehler ein: Tasten kehren in den Innenraum zurück

Nach Kundenbeschwerden und neuen Sicherheitsvorschriften kehren immer mehr Hersteller den rein digitalen Bedienelementen den Rücken und führen physische Schalter für grundlegende Funktionen wieder ein.

Foto: Wikipedia (ECall)
Kurz gesagt
  • Mercedes-Benz und andere Hersteller führen physische Tasten für grundlegende Funktionen wieder ein, aufgrund von Kundenbeschwerden und den neuen Sicherheitsregeln von Euro NCAP.
  • Fahrzeuge, die zwischen 2010 und 2021 mit 2G/3G-Modulen produziert wurden, könnten in Ländern, die die alten Mobilfunknetze abschalten, eCall und andere Online-Dienste verlieren.
  • Ein Upgrade des Kommunikationsmoduls auf 4G oder 5G ist bei den meisten älteren Fahrzeugen nicht möglich.

Die Dominanz von Touchscreens in Fahrzeuginnenräumen lässt allmählich nach. Nachdem Volkswagen kürzlich die Rückkehr physischer Tasten angekündigt hat, hat auch Mercedes-Benz diese Kehrtwende bestätigt. Der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Ola Källenius, räumte ein, dass die gesamte Automobilindustrie zu weit gegangen sei, als sie klassische Schalter aus dem Fahrzeuginnenraum verbannt hat.

Im Gespräch mit dem Portal Autocar sagte Källenius, dass das Entwicklungsteam von Mercedes die Kritik der Besitzer ernst genommen habe und plane, für zukünftige Modelle physische Tasten für die häufigsten Aktionen wieder einzuführen. Die Kommentare der Nutzer waren unmissverständlich: Fahrer schätzen die Personalisierung, die große Bildschirme bieten, bestehen aber auf herkömmlichen Schaltern für die Einstellung von Klimaanlage oder Lautstärke, um nicht den Blick von der Straße abwenden und digitale Menüs durchsuchen zu müssen.

Harmonie statt Ausschließlichkeit

Die Rückkehr zu fühlbaren Bedienelementen bedeutet nicht das Ende digitaler Schnittstellen. Von Mercedes heißt es, dass die opulenten Displays wie der MBUX Hyperscreen, der sich über die gesamte Breite des Armaturenbretts erstreckt, erhalten bleiben, da sie ein hohes Maß an Anpassung und technologischem Prestige bieten. Die Ambition für das zukünftige Interieurdesign ist die Schaffung einer Harmonie, in der funktionale physische Schalter die digitale Technologie ergänzen.

Erste konkrete Schritte sind bereits in Umsetzung. Das Unternehmen hat begonnen, die kritisierten Touchflächen am Lenkrad durch klassische Rändelräder zur Menünavigation zu ersetzen. Damit soll die Ablenkung des Fahrers verringert werden, was zu einer wichtigen Sicherheitsfrage geworden ist.

Breiterer Branchentrend

Mercedes-Benz ist mit diesem Kurswechsel nicht allein. Ähnliche Entscheidungen haben kürzlich auch Ferrari, Audi und Hyundai getroffen, die ebenfalls physische Tasten wieder einführen, nachdem sich Kunden über die Komplexität der Bedienung ausschließlich über Touchflächen beschwert hatten. Zusätzlichen Rückenwind erhält dieser Trend durch die Sicherheitsorganisation Euro NCAP. Wie Bug.hr berichtet, belohnt Euro NCAP im Rahmen der neuen Sicherheitsbewertungsprotokolle nun Fahrzeuge, die physische Bedienelemente für wichtige Funktionen beibehalten haben.

Diese Kehrtwende erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Automobilindustrie vor einer weiteren technologischen Herausforderung steht. Besitzer älterer Fahrzeuge könnten wichtige Online-Funktionen verlieren, da veraltete Mobilfunknetze in ganz Europa abgeschaltet werden.

Ältere Autos verlieren Konnektivität

Laut Klix.ba schaltet Europa zügig die alten 2G- und 3G-Mobilfunknetze ab, was Fahrzeuge, die zwischen 2010 und 2021 produziert wurden, ohne wichtige Dienste zurücklassen könnte. Am kritischsten ist das eCall- (SOS-)System, das bei einem schweren Verkehrsunfall automatisch die 112 wählt und den Rettungsdiensten den genauen GPS-Standort des Fahrzeugs übermittelt.

Wenn das Fahrzeug ein veraltetes Kommunikationsmodul verwendet, funktioniert diese Funktion in Ländern, die die alten Netze bereits abgeschaltet haben, wie der Schweiz, Norwegen und Schweden, nicht mehr. Es wird erwartet, dass andere europäische Länder diesem Beispiel bald folgen werden. Neben dem Sicherheitssystem können Besitzer ihr Auto nicht mehr remote entriegeln, den Kraftstoffstand oder den Batterieladezustand prüfen, das Fahrzeug orten oder Heizung und Kühlung des Innenraums vorab einschalten.

Das Problem entstand, weil viele Hersteller, obwohl die 4G-LTE-Technologie verfügbar war, weiterhin günstigere 2G- und 3G-Module einbauten, um die Produktionskosten zu senken. Eine zusätzliche Schwierigkeit besteht darin, dass das Kommunikationsmodul in den meisten Fahrzeugen nicht einfach durch ein moderneres 4G- oder 5G-Gerät ersetzt werden kann und die Hersteller ein solches Upgrade in der Regel nicht anbieten.

Häufige Fragen
Warum kehrt Mercedes-Benz zu physischen Tasten zurück? +
Nach Kundenbeschwerden hat sich Mercedes-Benz entschieden, physische Tasten für grundlegende Funktionen wie Klimaanlage und Lautstärke wieder einzuführen, da diese während der Fahrt sicherer und einfacher zu bedienen sind als Touchscreens.
Welche Autos verlieren durch die Abschaltung der 2G- und 3G-Netze Online-Funktionen? +
Fahrzeuge, die zwischen 2010 und 2021 produziert wurden und veraltete 2G- oder 3G-Kommunikationsmodule verwenden, könnten in Ländern, die diese Netze abgeschaltet haben, den Zugang zum eCall-System und anderen Online-Diensten verlieren.
Kann das Kommunikationsmodul in einem alten Auto auf 4G oder 5G aufgerüstet werden? +
In den meisten Fällen nicht. Der Austausch des alten Moduls durch ein moderneres ist technisch sehr anspruchsvoll und die Automobilhersteller bieten einen solchen Service in der Regel nicht an.
Welche europäischen Länder haben die alten Mobilfunknetze bereits abgeschaltet? +
Zu den ersten gehörten die Schweiz, Norwegen und Schweden, und es wird erwartet, dass andere europäische Staaten in den kommenden Jahren folgen werden.

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