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Miškulin und Janjić für N1: Reden in Mrkonjić Grad sind beschämender Kitsch

Der kroatische Historiker und der serbische Analyst sind sich einig, dass der politische Missbrauch der Geschichte regressiv und gefährlich ist, besonders für Bosnien und Herzegowina.

Foto: Moon Moons na Unsplash
Kurz gesagt
  • Der kroatische Historiker Ivica Miškulin und der serbische Analyst Dušan Janjić kritisierten scharf die Reden von Vučić und Dodik bei der Gedenkfeier zum Jahrestag der Oluja in Mrkonjić Grad.
  • Janjić bezeichnete die Rhetorik als 'beschämenden Kitsch' und 'gefährliches, regressives Narrativ', das zu einer Eskalation der Gewalt in BiH führen könne.
  • Miškulin bestätigte, dass während der kroatischen Operationen Verbrechen begangen wurden, diese aber nicht mit den serbischen verglichen werden könnten und nicht geplant gewesen seien.
  • Die Gesprächspartner waren sich einig, dass junge Generationen gebildet und zum Dialog ermutigt werden sollten, statt vereinfachte Narrative aus sozialen Medien zu übernehmen.

Einunddreißig Jahre nach dem Ende der Militäroperation Oluja spalten die Narrative darüber die Region weiterhin tief, und die diesjährige Gedenkfeier in Mrkonjić Grad hat gezeigt, wie sehr die Geschichte weiterhin Geisel der Tagespolitik ist. In der Sendung des N1-Fernsehens sprachen darüber der kroatische Historiker und Soziologe Ivica Miškulin und der politische Analyst aus Serbien Dušan Janjić, die die Rhetorik dieser Veranstaltung scharf kritisierten.

Beschämender Kitsch statt Pietät gegenüber den Opfern

Janjić sparte nicht mit Worten, um das zu beschreiben, was bei der Gedenkfeier zum Jahrestag in Mrkonjić Grad zu hören war. "Was gestern Abend passiert ist, war ein Kitsch, ein beschämender Kitsch... Wir sprechen über die Reden von Vučić und Dodik", sagte Janjić für N1 und fügte hinzu, dass er glaube, "die Kriegsopfer hätten das nicht verdient".

Miškulin schloss sich seinen Worten an und äußerte ebenfalls Bedauern über die Botschaften, die gesendet wurden. "Wenn man nach 31 Jahren solche Dinge hört, da kann ich zustimmen, das ist zutiefst traurig", erklärte er und beschrieb den Eindruck, den das Ereignis in Mrkonjić Grad auf ihn hinterlassen hat.

"Gefährliches, regressives Narrativ" und Bedrohung für BiH

Janjić ging in seiner Analyse noch einen Schritt weiter und bewertete die Botschaften dieser Veranstaltung als nicht politischer, sondern ideologischer Natur. "Das war keine politische Rede, das war eine ideologische Rede", sagte er und charakterisierte sie als "sehr gefährlich, regressiv".

Besonders besorgniserregend bewertete er die potenzielle Eskalation, die solche Rhetorik auslösen kann. "Daraus kann es zu einer Eskalation der Gewalt in Bosnien und Herzegowina kommen", warnte Janjić und wies auf die Zerbrechlichkeit der Verhältnisse in diesem Land hin. Er fügte hinzu, dass das heutige Narrativ anders sei als vor zehn oder fünfzehn Jahren, was darauf hindeutet, dass sich die Lage verschlechtert.

Unbestreitbare Tatsache der Verbrechen, aber auch Unterschiede in der Verantwortung

Miškulin betonte aus kroatischer Perspektive, dass es in Kroatien keinen Zweifel an der Bedeutung der Operation selbst gibt. "Oluja ist der Höhepunkt des kroatischen Kampfes für die Ganzheit des unabhängigen kroatischen Staates. Sie ist, von kroatischer Seite, ein glücklicher Ausgang", sagte er. Ebenso deutlich war er jedoch auch, wenn es um die dunkleren Seiten der Kriegsereignisse geht.

"Es gibt überhaupt keinen Zweifel, dass einige kroatische Militäroperationen von bestimmten Verbrechen begleitet waren", erklärte Miškulin. Gleichzeitig fügte er hinzu, dass diese Verbrechen seiner Meinung nach "nicht mit den serbischen Verbrechen verglichen werden können" und nicht das Ergebnis einer im Voraus geplanten Politik gewesen seien.

Jugend und Zukunft: Flucht in vereinfachte Narrative

Beide Gesprächspartner gingen auch auf die Herausforderungen ein, mit denen jüngere Generationen konfrontiert sind. Miškulin hob als größtes Problem hervor, dass junge Menschen zunehmend vereinfachten Deutungen historischer Ereignisse glauben, die sie in sozialen Medien finden, während sie sich immer weniger auf ernsthaftes Lesen und Studieren von Literatur konzentrieren.

Janjić fügte hinzu, dass er bei jungen Menschen in Serbien eine andere Einstellung zu den Kriegen der neunziger Jahre bemerkt als früher, aber auch, dass es notwendig sei, an Bildung und dem Studium von Dokumenten zu arbeiten. Es seien Gespräche nötig, an denen Gesprächspartner mit unterschiedlichen Perspektiven teilnehmen, meint er.

Am Ende des Gesprächs schloss Miškulin, dass die Mitgliedschaft Kroatiens in der Europäischen Union eine transformative Wirkung gehabt habe, und äußerte die Überzeugung, dass ein beschleunigter europäischer Weg für Bosnien und Herzegowina und Serbien positiv für beide Länder wäre.

Häufige Fragen
Was sagten Miškulin und Janjić über die Reden in Mrkonjić Grad? +
Beide kritisierten sie scharf. Janjić nannte sie 'beschämenden Kitsch', und Miškulin sagte, es sei 'zutiefst traurig', solche Dinge 31 Jahre nach dem Krieg zu hören.
Wie ist Ivica Miškulins Haltung zu den Verbrechen während der Oluja? +
Miškulin erklärte, es gebe keinen Zweifel, dass einige kroatische Militäroperationen von Verbrechen begleitet waren, diese aber nicht mit den serbischen Verbrechen verglichen werden könnten und nicht Teil einer im Voraus geplanten Politik gewesen seien.
Vor welcher Gefahr warnte Dušan Janjić? +
Janjić warnte, dass aus dieser gefährlichen und regressiven Rhetorik eine Eskalation der Gewalt in Bosnien und Herzegowina entstehen könne.

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