Das Portal Bitno.net veröffentlichte am 5. August 2026 eine außergewöhnliche Rede von Erzbischof Alojzije Stepinac, die er 1938 an kroatische Intellektuelle richtete. Darin beantwortet der Selige, dessen Worte auch heute noch nachhallen, systematisch die Frage, die damalige und offenbar auch heutige Generationen bewegte: Wie ist das Verhältnis eines überzeugten Katholiken zu seinem eigenen Volk und was ist überhaupt wahre Vaterlandsliebe?
Stepinac begann seine Ausführungen direkt, mit der Absicht, die offizielle Haltung der Kirche darzulegen. "Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um den Standpunkt der Kirche zu einer Sache darzulegen, die heute viel behandelt wird und die eure Seelen nicht selten auf die Probe stellt, nämlich das Verhältnis des überzeugten katholischen Intellektuellen zu seinem Volk", sagte er, wie in der Hrvatska straža, Nr. 72, vom 29. März 1938, festgehalten wurde.
Intelligenz ist nicht vom Volk getrennt
An Akademiker und die zukünftige Intelligenz gerichtet, wies der Erzbischof Behauptungen zurück, dass gebildete Menschen nicht zu ihrem Volk gehörten. Er nannte diese Idee unbegründet und stellte die rhetorische Frage nach dem Zweck ihrer Ausbildung. "So wie ein Mensch ohne Kopf, ohne gesunden Verstand, nicht wirklich vorankommen kann, so kann auch ein Volk ohne gesunde und ehrliche Intelligenz nicht wirklich vorankommen", betonte er. Er hob hervor, dass keine Gefahr bestehe, dass ein Volk jene ablehne, die sich wirklich um seinen geistigen und materiellen Fortschritt kümmern.
Anschließend setzte er sich direkt mit dem Einwand auseinander, der, wie er sagte, gerade ihnen gegenüber geäußert worden war. Er gab die Anschuldigung wieder, dass Katholiken "international" und daher "volksfern" seien und kein Gefühl für ihr eigenes Volk hätten. "Katholiken sind, sagt man, international. Demnach sind sie volksfern und haben kein Gefühl für das Volk", zitierte Stepinac diese Haltung, um sie anschließend argumentativ zu widerlegen.
Liebe zum Volk als moralische Pflicht
Der selige Alojzije entlarvte verschiedene, seiner Meinung nach unaufrichtige Motive hinter deklarativer Vaterlandsliebe. "Es wird viel, das ist wahr, über die Liebe zum Volk gesprochen. Aber viele sprechen so darüber, weil es ihrem Geldbeutel nützt. Andere wiederum, um leichter verschiedene Schmutzeleien zu verdecken. Dritte, weil sie nach Ruhm gieren", warnte er. Demgegenüber sei für einen überzeugten Katholiken die Liebe zum Volk kein Gegenstand des Handels, sondern eine "moralische und ethische Pflicht".
Diese Pflicht bezog er sowohl auf seinen eigenen Hirtenauftrag als auch auf ihre Verantwortung. "Ein christlicher Katholik darf nicht nur, er muss das Volk lieben, aus dem er hervorgegangen ist", betonte Stepinac. Er erklärte dies mit dem natürlichen Gesetz, das das Christentum nicht zerstört, sondern vervollkommnet. Er verglich das Volk mit einer großen Familie, einer großen Blutsverwandtschaft, in der es natürlich sei, dass Geschwister einander mehr lieben als andere Menschen, jedoch ohne Hass auf andere Völker.
Zwei Lieben, die sich nicht ausschließen
Der Kern seiner Ausführungen ist in einem der Schlüsselsätze zusammengefasst: "Die Liebe also zum Volk und die Liebe zum katholischen Glauben schließen sich keineswegs aus, sondern ergänzen sich schön wie zwei Zwillingsschwestern, die denselben Vater im Himmel haben." Um diese Behauptung zu untermauern, berief er sich auf biblische Beispiele. Er erwähnte Jesus Christus, der zuerst seinem Volk predigte, die Liebe der Gottesmutter, ausgedrückt im Lobgesang ‚Magnificat', die Tränen des Propheten Jeremia für sein Volk sowie die Worte des heiligen Paulus aus dem Römerbrief.
In diesem Sinne stellte er fest, dass es ein "Märchen" sei, dass Katholiken ihr Volk nicht wirklich lieben könnten. Solche Behauptungen könnten nur von denen aufgestellt werden, die die Wahrheit nicht lieben oder absichtlich Unwahrheiten verbreiten. Er ging noch einen Schritt weiter und sagte, dass man bei Menschen, deren Leben nicht im Einklang mit dem Gesetz Gottes steht, nicht von wahrer Liebe zum Volk sprechen könne.
Was ist das größte Gut für das Volk?
Indem er die Liebe mit dem lateinischen Satz "Amare est bonum velle" (Lieben bedeutet, das Gute zu wollen) definierte, stellte Stepinac die Schlüsselfrage: Was ist das größte Gut für den Einzelnen und für das Volk? Seine Antwort war weder Geld, noch Land, noch Wissenschaft, noch Macht. "Das aber ist weder Geld, noch Land, noch Wissenschaft, noch Macht, sondern Glaube und Moral, Ehre und Ehrlichkeit", sagte er. Für das kroatische Volk sei dies, seinen Worten zufolge, besonders klar. "Ja, der katholische Glaube ist das erste und größte Gut des kroatischen Volkes, wie unsere gesamte Geschichte deutlich bezeugt", schloss er.
Die Rede endete mit einer eindringlichen Frage, die zugleich eine Warnung ist: "Liebt also derjenige wirklich sein Volk, der mit Wort und Tat den Glauben seiner Väter beschmutzt und versucht, die Jugend von Christus loszureißen? Was nützt dem Volk letztlich das Recht auf Freiheit, was nützt die ganze Welt, wenn es einmal zum Tode verurteilt wird!"