Die Fußballöffentlichkeit verfolgt mit großer Aufmerksamkeit den Gesundheitszustand von Jamal Musiala, dem 23-jährigen offensiven Mittelfeldspieler des FC Bayern München, der innerhalb von nur vier Tagen zwei Zusammenbrüche auf dem Platz erlitt. Obwohl die endgültige Diagnose noch nicht bestätigt ist, gehen führende Neurologen davon aus, dass es sich um epileptische Anfälle handeln könnte, zeigen sich jedoch gleichzeitig optimistisch hinsichtlich seiner zukünftigen Karriere.
Zwei Vorfälle in vier Tagen
Der erste Vorfall ereignete sich am Samstag während eines Freundschaftsspiels gegen RB Leipzig, der zweite am Dienstag, kurz nach seiner Einwechslung gegen den 1. FC Heidenheim. In beiden Fällen brach Musiala plötzlich zusammen, erholte sich jedoch innerhalb weniger Minuten und verließ das Feld eigenständig, wenn auch sichtlich desorientiert. Auf den Aufnahmen des zweiten Vorfalls sind auch Bewegungen der Gliedmaßen zu sehen, doch allein anhand der Bilder lassen sich keine Schlüsse ziehen.
Nach dem zweiten Vorfall bestätigte Bayerns Sportdirektor Max Eberl, dass der Verein über Musialas Gesundheitszustand informiert war und dass seine Einsätze in beiden Spielen im Vorfeld mit dem Ärzteteam abgestimmt waren. Der Klub betonte, dass es derzeit keine Anzeichen dafür gebe, dass dieses neurologische Problem die Fortsetzung seiner Profikarriere gefährden könnte.
Musiala selbst gab bekannt, dass bei ihm kurze, vorübergehende "Absencen" diagnostiziert wurden, die mit einer neurologischen Dysfunktion zusammenhängen, und versicherte der Öffentlichkeit, dass es ihm gut gehe und er unter der Aufsicht von Spezialisten stehe. In einem Instagram-Post schrieb er: "Das Wichtigste zuerst: Mir geht es gut! Bei mir wurden kurzzeitige, vorübergehende und gut behandelbare Absencen diagnostiziert, die auf eine neurologische Dysfunktion zurückzuführen sind. Ich weiß, dass es vielleicht beängstigend wirkt, aber für mich sind sie derzeit Teil des Alltags. Ich bin in bester medizinischer Betreuung und sehr optimistisch."
In den Momenten, als Musiala während des Spiels gegen Heidenheim zusammenbrach, schirmten ihn die Spieler beider Mannschaften mit ihren Körpern vor den Kameras ab, während die Fans seinen Namen skandierten. Viele erinnerten sich an die Tragödien von Marc-Vivien Foé und Antonio Puerta, doch die Tatsache, dass Musiala beide Male eigenständig das Feld verließ, deutete auf eine andere Art des Problems hin.
Verdacht auf Absence-Epilepsie
Professor Christoph Kleinschnitz, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen, sagte gegenüber der deutschen Bild: "Aus neurologischer Sicht könnte dies ein epileptischer Anfall sein, also eine sogenannte Absence-Epilepsie." Dabei betonte er, dass es ohne Einblick in alle neurologischen Befunde unmöglich sei, eine endgültige Diagnose zu stellen, und dass er nicht Musialas Arzt sei.
Absencen sind Anfälle, die durch einen plötzlichen und kurzzeitigen Bewusstseinsverlust sowie das Ausbleiben einer Reaktion auf die Umgebung gekennzeichnet sind. Laut Definition der Internationalen Liga gegen Epilepsie reicht ein kurzer Aufmerksamkeitsverlust allein nicht für eine Diagnose aus. "Dieser Zustand ist gut behandelbar, und Musiala könnte weiter Fußball spielen", fügte Kleinschnitz hinzu, mit dem Hinweis, dass im Falle einer bestätigten Diagnose eine dauerhafte Therapie erforderlich wäre.
Der kroatische Neurologe Dr. Hrvoje Budinčević erläuterte die Merkmale von Absence-Anfällen genauer: "Die Person unterbricht meist plötzlich ihre Aktivität und starrt ins Leere. Dieser Anfall dauert in der Regel etwa 5 bis 20 Sekunden, danach kehrt die Person praktisch sofort in den Normalzustand zurück. Der Absence-Anfall selbst ist meist nicht lebensbedrohlich und verursacht in der Regel keine Stürze. Daher sollte man in Betracht ziehen, dass es sich möglicherweise um einen sogenannten atonischen Anfall handelt, bei dem die Personen den Muskeltonus verlieren und deshalb stürzen."
Italienische Expertin: Möglicherweise fokale Anfälle
Professorin Maria Paola Canevini, Direktorin des Epilepsiezentrums ASST Santi Paolo e Carlo in Mailand, äußerte gegenüber dem Corriere della Sera eine etwas andere Einschätzung. "Servono ancora conferme diagnostiche, ma il quadro delle manifestazioni sembrerebbe compatibile con quello delle crisi epilettiche", sagte sie und warnte, dass, wenn Musiala zu Beginn der Episode ein subjektives Gefühl gehabt habe, es sich eher um fokale Anfälle handeln könnte, also Anfälle, die in einer bestimmten Zone der Hirnrinde beginnen.
Canevini erklärte den Unterschied zwischen fokalen und generalisierten Anfällen: Fokale beginnen in einem begrenzten Teil des Gehirns, während generalisierte von Anfang an beide Gehirnhälften betreffen. Sie betonte auch, dass Epilepsie und Profisport nicht unvereinbar seien und dass es kein Verbot für Sport mit Epilepsie gebe. Ihrer Aussage nach können in etwa 70 Prozent der Epilepsiefälle die Anfälle erfolgreich mit Medikamenten kontrolliert werden, was die Fortsetzung sportlicher Aktivitäten ermöglicht.
Dr. Budinčević stimmt dieser Einschätzung zu: "Epilepsie selbst ist keine Kontraindikation für das Karriereende oder für die Ausübung von Sport, weder professionell noch freizeitmäßig. Wichtig ist eine gute Anfallskontrolle, die mit vielen Medikamenten, die uns zur Behandlung dieser Krankheit zur Verfügung stehen, sehr gut, sogar hervorragend erreicht werden kann."
Historisches Beispiel: Antibo und Tokio 1991
Professorin Canevini erinnerte an den Fall des italienischen Leichtathleten Salvatore Antibo, Silbermedaillengewinner über 10.000 Meter bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul und zweifacher Europameister 1990 in Split, der ebenfalls mit Epilepsie lebte. Antibo erlitt während der Weltmeisterschaft 1991 in Tokio einen Anfall, kehrte jedoch erfolgreich zu Wettkämpfen zurück, was beweist, dass mit kontrollierter Therapie eine Spitzensportkarriere möglich ist.
Musiala wird seine detaillierten Untersuchungen und die Therapie bei Neurologen fortsetzen, während sein Einsatz im deutschen Supercup gegen Borussia Dortmund noch nicht offiziell bestätigt ist. Bayern rechnet weiterhin mit dem 23-jährigen Mittelfeldspieler, doch ob er für dieses Spiel bereit sein wird, ist derzeit nicht bekannt.