Die deutsche Regierung hat am Sonntag, dem 9. August 2026, angekündigt, auf der strikten Anwendung der Dublin-Regeln und der Rückführung von Migranten nach Italien und Griechenland zu bestehen, unter Berufung auf den neuen Migrations- und Asylpakt der Europäischen Union. Diese Entscheidung eröffnet ein neues Kapitel in den langjährigen Streitigkeiten zwischen den EU-Mitgliedstaaten über die Steuerung der Migrationsströme.
Ein Sprecher des deutschen Innenministeriums erklärte gegenüber ANSA, dass "das Funktionieren des Dublin-Systems eine unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS)" sei. Er fügte hinzu, dass Berlin "erwartet, dass ab diesem Datum die Überstellungen nach Italien und Griechenland wieder durchgeführt werden".
Doppelter Hintergrund der Entscheidung
Der Schritt Berlins hat sowohl eine politische als auch eine normative Dimension. In Brüssel beobachtet man die Schritte von Bundeskanzler Friedrich Merz vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt am 6. September mit wachsender Aufmerksamkeit, wo die extreme Rechte (AfD) starke Unterstützung genießt. Dies ist die erste einer Reihe von Wahlen, die den Herbst und die Kampagnen in den Schlüsselländern, Italien, Spanien, Frankreich und Polen, prägen könnten, die alle 2027 zur Wahl stehen.
Auf normativer Seite stellte die Europäische Kommission in ihrer Bewertung vom 15. Juli fest, dass Italien seit Inkrafttreten des Pakts am 12. Juni die Regeln zur Rückführung sogenannter "Dublin-Fälle", Migranten, die nach ihrer Ankunft in Italien in einen anderen EU-Mitgliedstaat weitergereist sind, nicht umgesetzt hat. Das Dokument führt aus, dass im Zeitraum vom 12. Juni bis 7. Juli acht Mitgliedstaaten die Übernahme von Migranten beantragt haben, und von Italien 12 Überstellungen verlangt wurden, die Rom abgelehnt hat. Die Kommission betont dabei, dass der aufnehmende Mitgliedstaat eine Überstellung nicht ablehnen kann und einen alternativen Termin für deren Durchführung vorschlagen muss.
Interessanterweise gab die Kommission in derselben Bewertung eine deutlich positivere Einschätzung für Griechenland und Spanien, die beiden anderen von Sekundärmigration betroffenen Länder. Berlin präzisierte zudem, dass Italien und Griechenland im Rahmen bilateraler Vereinbarungen im Herbst 2025 der Wiedereinführung der Dublin-Regeln ab Inkrafttreten des neuen Asylsystems im Juni 2026 zugestimmt haben.
Politische Reaktionen in Italien
Die Entscheidung Berlins hat heftige Reaktionen auf der italienischen politischen Bühne ausgelöst. Matteo Renzi kritisierte Premierministerin Giorgia Meloni scharf: "Meloni zerstört die europäische Solidarität, um Vannaccis Propaganda zu folgen. Die Folge: Auch die Spanier schließen Schengen, und die Deutschen schicken uns Migranten zurück, die Italien bereits verlassen haben. Warum schaden wir uns selbst?"
Riccardo Magi von der Partei +Europa fügte hinzu: "Melonis Entscheidung zersetzt die EU und schadet Italien". Weder die italienische Regierung noch die Europäische Kommission haben den jüngsten Schritt Berlins offiziell kommentiert, doch in Brüssel verfolgt man die Lage mit großer Sorge. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen möchte sicherlich nicht in einen politisch aufgeladenen Herbst gehen, in dem die Union bereits im Sommer unerwartet gespalten ist.
Breiterer Kontext: Ceuta und Schengen
Die Krise wird durch die Schließung des Schengen-Raums durch Spanien weiter verkompliziert, die durch den Druck in der Enklave Ceuta ausgelöst wurde. Laut La Repubblica hat die Krise in Ceuta eine "Büchse der Pandora" in der Migrationsakte geöffnet, die in Europa monatelang geruht hatte, und die Auswirkungen sind nun unvorhersehbar. Italien hat seinerseits die mögliche Aufhebung der eigenen Grenzkontrollen für Ankünfte aus Spanien am 15. August angekündigt. Die gesamte Situation wirft ein neues Licht auf die Fragilität des europäischen Migrationssystems und die wachsenden Spannungen zwischen den Erstaufnahmeländern und den Endzielen der Migranten.