Eine im Mittelmeer durchgeführte Studie hat das Vorhandensein chemischer Verbindungen aus Sonnencremes in Meeresorganismen, insbesondere im Gewebe der Korallenart Paramuricea clavata, aufgedeckt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich Oxybenzon, einer der in Sonnenschutzprodukten verwendeten UV-Filter, in diesen empfindlichen Organismen anreichern kann.
Die Studie wurde im Mittelmeerraum durchgeführt, wobei höhere Schadstoffwerte außerhalb des Schutzgebiets gefunden wurden. Dies deutet auf eine mögliche Rolle von Meeresschutzgebieten bei der Verringerung der Auswirkungen menschlicher Verschmutzung auf marine Ökosysteme hin.
Sonnencremes als pseudo-persistente Schadstoffe
Wissenschaftler des Plymouth Marine Laboratory und der Universität Plymouth haben gezeigt, dass Bestandteile von Sonnencremes als pseudo-persistente Schadstoffe in den Ozeanen wirken, berichtet France Info. Der Autor des Artikels, Bill François, betont, dass die UV-Strahlen der Sonne gefährlicher sind als alle Haie, Tsunamis und anderen katastrophalen Sommerfilme und dass sie die erste Ursache für Hautkrebs sind, weshalb Sonnencreme unerlässlich ist.
"Aber wenn wir baden, gelangt sie ins Wasser, wo sie für Meeresorganismen sehr giftig wird", warnt François. Jedes Jahr verschmutzen zwischen 6.000 und 14.000 Tonnen Sonnencreme direkt die Korallenriffe.
Chemische Cocktails und unzureichende Forschung
Laut François stammen Sonnenfilter aus den 1950er Jahren und sind nur wenig erforscht. "Wir müssen mehr Forschung betreiben, um zu verstehen, welche Substanzen gefährlich sind oder, genauer gesagt, welche Mischungen von Substanzen", betont der Autor des Artikels für France Info.
Ein zusätzliches Problem stellt die Interaktion von Sonnencremes mit anderen Schadstoffen im Wasser dar. "Sonnencremes interagieren im Wasser mit anderen Schadstoffen und bilden schreckliche chemische Cocktails, insbesondere mit Plastik, das sie schützen und so dessen Abbau verhindern", erklärt François.
Alternativen und Hoffnung für die Zukunft
Trotz der besorgniserregenden Befunde betont François, dass man nicht auf Sonnencreme verzichten sollte. "Man sollte sie nicht reduzieren", sagt er und fügt hinzu, dass man weniger schädliche Cremes wählen kann, indem man Verbindungen wie Oxybenzon und Octinoxat vermeidet und mineralischen Filtern ohne Nanopartikel den Vorzug gibt.
"Aber da wir nicht alle diplomierten Chemiker sind, sollte man vor allem auf bessere Tests und strengere Normen bestehen, um nicht verschmutzende Alternativen zu entwickeln", so François.
Es gibt auch ermutigende Fortschritte. Im Jahr 2025 wurde erfolgreich eine Sonnencreme auf Basis essbarer Algen wie Meersalat getestet. "Es gibt also Hoffnung", schließt François.