Jedes Jahr werden in Kroatien etwa 12.000 Personen wegen Problemen mit Drogen, Alkohol, Glücksspiel und Videospielen behandelt. Für viele von ihnen beginnt der schwierigste Teil der Genesung erst nach dem Verlassen des Krankenhauses, wenn sie mit Arbeitslosigkeit, Schulabbruch, zerrütteten Familienverhältnissen und Stigmatisierung konfrontiert sind. Um ihnen die Rückkehr in den Alltag zu erleichtern, hat die staatliche Kommission für Suchterkrankungen und Verhaltensabhängigkeiten Ende Juli 2026 ein neues Projekt zur sozialen Reintegration verabschiedet.
Das Kroatische Institut für öffentliche Gesundheit (HZJZ) betont, dass soziale Reintegration ein entscheidender Teil der Genesung ist, da der Behandlungserfolg nicht mehr nur von Abstinenz abhängt, sondern auch von der Fähigkeit, wieder selbstständig zu leben, zu arbeiten und aktiv am Gemeinschaftsleben teilzunehmen. "Genesung ist mehr als das Aufhören mit Drogen oder Alkohol", betonen Experten und unterstreichen, dass das Projekt das Konzept des "Recovery-Kapitals" nutzt, das persönliche, familiäre und gesellschaftliche Ressourcen umfasst, die für langfristige Stabilität notwendig sind.
Vier zentrale Unterstützungsbereiche
Der neue nationale Rahmen stellt eine deutliche Erweiterung des bisherigen Resozialisierungsprogramms dar, das in Kroatien seit 2007 durchgeführt wird. Erstmals werden die Unterstützungsmaßnahmen auch Personen umfassen, die wegen Alkoholproblemen sowie Verhaltensabhängigkeiten wie Glücksspiel und Videospielen behandelt werden, und nicht nur Drogenabhängige.
Vier Hauptsäulen bilden das Fundament dieses Projekts: Bildung, Arbeit, Wohnraumbeschaffung und emotionale Unterstützung. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, die Grund- oder Sekundarschule abzuschließen, neue Berufe zu erlernen und an anderen Erwachsenenbildungsmaßnahmen teilzunehmen. Die Kroatische Arbeitsagentur wird Berufsberatung anbieten, um Berufe auszuwählen, die den Fähigkeiten und den Anforderungen des Arbeitsmarktes entsprechen, sowie Workshops zur aktiven Arbeitssuche und Weiterbildung über das Gutscheinsystem.
Um zu vermeiden, dass Personen nach Abschluss der Behandlung ohne Unterstützung dastehen, werden Koordinatoren im Gesundheits-, Sozial- und Beschäftigungssystem benannt, die die Nutzer durch verschiedene Phasen der Genesung begleiten und Institutionen vernetzen. Geplant sind auch spezielle Initiativen für Frauen, Minderjährige und andere Risikogruppen.
Konkrete Ergebnisse bisheriger Programme
Daten des HZJZ zeigen, dass bisherige Resozialisierungsprogramme messbare Ergebnisse erzielt haben. Bis Ende 2025 haben 1.346 Personen den Prozess der Berufsberatung und Bewertung der Arbeitsfähigkeit durchlaufen. In Bildungsaktivitäten waren 437 Personen eingebunden, während 1.224 Nutzer eine Genehmigung für eine vom Ministerium für Wissenschaft, Bildung und Jugend finanzierte Ausbildung erhielten.
In diesem Zeitraum konnten 1.235 Menschen eine Arbeit finden, und mehr als 15.000 Nutzer nahmen verschiedene Formen psychosozialer Hilfe in Anspruch, die von Nichtregierungsorganisationen angeboten wurden. Im Jahr 2025 wurden für Programme zur sozialen Reintegration rund 540.000 Euro bereitgestellt, was einer Steigerung von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Monitoring und Evaluierung für langfristigen Erfolg
Die Umsetzung des neuen Projekts wird durch ein System interner und externer Evaluierung begleitet. Das Monitoring umfasst die Anzahl der einbezogenen Nutzer, ihr Engagement in Bildung und Beschäftigung, die Nutzung von Wohn- und psychosozialen Maßnahmen sowie die Regelmäßigkeit der Therapie. Ziel ist es, das Programm kontinuierlich zu verbessern und sicherzustellen, dass die Genesung mit einer dauerhaften Integration in die Gemeinschaft endet, nicht nur mit dem Verlassen des Behandlungssystems.
Das Hauptziel ist es, Vorurteile und Isolation in der Gesellschaft abzubauen, die Unabhängigkeit von Personen, die sich von Suchterkrankungen erholen, zu erhöhen und die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls zu verringern. Durch dieses Projekt soll der Zugang zu unterstützenden Maßnahmen in allen kroatischen Gespanschaften verbessert und die Zusammenarbeit zwischen Gesundheitswesen, Sozialfürsorge, Bildung, Arbeitsmarkt und zivilgesellschaftlichen Organisationen gestärkt werden.