Die Europäische Union will keine Wiederholung der Migrationskrise von 2015, sagte der kroatische Premierminister Andrej Plenković am Sonntag mit Blick auf den massiven Grenzübertritt in der spanischen Enklave Ceuta in der vergangenen Woche. Seine Aussage erfolgt im Kontext eines Briefes, den die Staats- und Regierungschefs von 22 EU-Mitgliedstaaten nach Brüssel geschickt haben, in dem sie ihre Besorgnis über die Lage zum Ausdruck bringen, aber auch die Reaktion der spanischen Polizei begrüßen, die fast 95 Prozent der Menschen nach Marokko zurückgeschickt hat.
"Dieser Brief ist ein Ausdruck der Besorgnis über das, was passiert ist. Wir hatten seit vielen Jahren keinen so massiven Grenzübertritt mehr. Natürlich wird die Reaktion der spanischen Polizei, bei der fast 95 Prozent der Menschen nach Marokko zurückgeschickt wurden, begrüßt. (...) Niemand will eine Wiederholung von 2015, daher haben wir alle unsere Grenzen gestärkt", sagte Plenković gegenüber Telegram.hr.
Eine völlig andere politische Klima
Im Gegensatz zu 2015, als die damalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrem Satz "Wir schaffen das" symbolisch die Türen für Hunderttausende Flüchtlinge öffnete, verfolgt Europa heute eine grundlegend andere Politik. Die Europäische Volkspartei (EVP), zu der auch die HDZ gehört, hat sich im letzten Jahrzehnt in der Migrations- und Asylpolitik stark nach rechts bewegt. Statt offener Türen gelten nun neue Regeln, die die Gewährung von Asyl erschweren und die Rückführungsverfahren vereinfachen.
Der politische Druck auf die Mitte-Parteien kommt von der wachsenden radikalen Rechten, wie der deutschen AfD, und in Kroatien von der oppositionellen Most. Die offiziellen Zahlen der EU-Grenzagentur Frontex zeigen dabei, dass die illegalen Migrationen auf der Westbalkan-Route, der auch Kroatien ausgesetzt ist, zurückgehen. In der ersten Hälfte des Jahres 2026 wurden 4.009 illegale Grenzübertritte verzeichnet, verglichen mit 4.930 im gleichen Zeitraum 2025 und 10.642 in der ersten Hälfte des Jahres 2024.
Inoffizielle Berichte über Dschihadisten
Während sich die politische Spitze der EU auf die Schließung der Grenzen konzentriert, liefern die spanischen Medien El Español und The Objective eine zusätzliche Dimension der Geschichte. Nach ihren inoffiziellen Informationen haben die Sicherheitsdienste mindestens ein Dutzend Menschen mit dschihadistischer Vergangenheit unter den Migranten identifiziert, die letzte Woche in Ceuta eingereist sind. Quellen, die der Untersuchung nahestehen, behaupten, dass Beamte der Nationalpolizei (CGI) und der Civil Guard (JIGC) bei der Analyse von Überwachungsaufnahmen Personen erkannt haben, die zuvor wegen Straftaten im Zusammenhang mit dschihadistischem Terrorismus festgenommen, verurteilt und nach Marokko abgeschoben worden waren.
Euronews, deren Autorin Sonja Issel über diese Behauptungen berichtet hat, versuchte, einen offiziellen Kommentar vom spanischen Innenministerium, der Nationalpolizei und der Civil Guard zu erhalten, aber bis zur Veröffentlichung des Artikels kam keine Antwort. Die spanische Regierung und die Strafverfolgungsbehörden haben diese Berichte nicht öffentlich kommentiert.
Geschichte von Kontroversen
Eine ähnliche Situation ereignete sich im Mai 2021, als Tausende Migranten über den Wellenbrecher El Tarajal nach Ceuta gelangten. Die damalige spanische Regierung wies Medienberichte über die Infiltration von Dschihadisten als "böswilligen Schwindel" zurück. Terrorismusexperten erklärten letzte Woche gegenüber Euronews, dass sich die dschihadistische Bedrohung in Spanien zu einer "vierten Phase" entwickelt habe, die durch eine zunehmend dezentralisierte Radikalisierung über soziale Netzwerke und Messaging-Apps gekennzeichnet sei, anstatt durch traditionelle hierarchische Organisationen.
Die Experten betonten dabei die enge Terrorismusbekämpfungszusammenarbeit zwischen Spanien und Marokko, insbesondere beim Austausch von Geheimdienstinformationen und der Überwachung radikalisierter Personen, was bei der Überprüfung großer Migrationsströme von entscheidender Bedeutung ist. Bisher gibt es jedoch keine offizielle Bestätigung dieser Behauptungen, und die ganze Geschichte bleibt auf der Ebene von Medienberichten, die die Behörden noch nicht kommentiert haben.