Die südkoreanische Raumfahrtbehörde KARI hat die ersten Fotos der Stelle auf dem Mond veröffentlicht, an der am 5. August 2026 die zweite Stufe der Falcon-9-Rakete von SpaceX aufgeschlagen ist. Die Aufnahmen, die ihr Mondorbiter Danuri aus einer Höhe von etwa 100 Kilometern gemacht hat, zeigen deutlich einen neu entstandenen Krater und Spuren von ausgeworfenem Material, was die Vorhersagen von Astronomen bestätigt.
Was dieses Ereignis für die Wissenschaft besonders wertvoll macht, ist die Tatsache, dass Danuri das Gebiet sowohl vor als auch nach dem Einschlag fotografieren konnte. Der Orbiter begann etwa dreißig Minuten vor dem erwarteten Einschlag mit der Beobachtung und dokumentierte in acht Überflügen über der Stelle, die in der Nähe der Krater Einstein und Bell liegt, die entstandenen Veränderungen. "Danuri hat Aufnahmen vor dem Einschlag und unmittelbar nach dem Aufprall erhalten, was eine Analyse der ausschließlich durch die Kollision verursachten Veränderungen ermöglicht und wichtige Forschungsdaten liefert", teilte die KARI mit.
Ein Krater von 27 Metern und eine Lithiumwolke
Während frühere Schätzungen von einem Krater mit einem Durchmesser von bis zu 30 Metern und einer Tiefe von bis zu 5 Metern ausgingen, deuten genauere Analysen der Aufnahmen darauf hin, dass die entstandene Narbe auf der Oberfläche einen Durchmesser von fast 27 Metern und eine Tiefe von mehreren Metern hat. Diese Daten aus der Umlaufbahn werden durch Beobachtungen von der Erde ergänzt. Mithilfe des Very Large Telescope (VLT) in Chile entdeckten Astronomen unmittelbar nach dem Einschlag eine Wolke aus Natrium und Lithium, die von der Oberfläche aufstieg. Die Wissenschaftler glauben, dass das Natrium von der Mondoberfläche stammt, während das Lithium von der Rakete selbst stammen könnte, was der endgültige Beweis für den Einschlag war.
Es wird erwartet, dass auch der Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) der NASA in den kommenden Tagen das Gebiet aufnehmen wird, um Bilder mit höherer Auflösung und noch genauere Messungen der Kraterdimensionen zu erhalten.
Mission und umstrittene Natur des Einschlags
Die Angaben zum Raketenstart und zur Mission variieren je nach Quelle. Die Rakete wurde im Januar 2025 gestartet und hat ihre Mission zur Lieferung von Mondlandern erfolgreich abgeschlossen. Andererseits gibt das Portal Logično an, dass die Rakete im Januar 2026 gestartet wurde und zwei konkrete Raumfahrzeuge zum Mond brachte, den Lander Blue Ghost von Firefly Aerospace und das japanische Modul Resilience, das inzwischen eine weiche Landung verfehlt hat und auf der Oberfläche zerschellt ist.
Ähnlich uneinig sind sich die Quellen über die Natur des Einschlags. 24sata beschreibt das Ereignis als unvorhergesehenen Zusammenstoß, also einen Unfall, der sich ereignete, nachdem die Raketenstufe mehr als ein Jahr in einer instabilen Umlaufbahn verbracht hatte. Das Portal Logično hingegen behauptet, es handele sich um ein geplantes Ereignis, und erklärt, dass SpaceX die zweite Stufe der Rakete, die nicht für die Rückkehr zur Erde vorgesehen ist, absichtlich auf den Mond stürzen lässt.
SpaceX: Kontrolliertes Deorbitieren ist nicht immer möglich
SpaceX selbst erklärt, dass es sich um eine komplexe Orbitalmechanik handelt und solche Ergebnisse nicht immer unter ihrer direkten Kontrolle stehen. "Für die meisten unserer Missionen planen wir ein kontrolliertes Deorbitieren der zweiten Stufe der Falcon, sodass sie sicher über dem Ozean in die Atmosphäre eintritt. Bei Missionen mit höherer Energie, wie denen zur Mondtransferbahn, wird fast die gesamte Leistung des Fahrzeugs darauf verwendet, die Nutzlast erfolgreich in die vorgesehene Umlaufbahn zu bringen, sodass ein kontrolliertes Deorbitierungsmanöver nicht immer möglich ist", erklärte SpaceX in einer schriftlichen Stellungnahme.
Sie fügen hinzu, dass im Laufe der Zeit Sonnenaktivität und Gravitation die zweite Stufe in Richtung Mond abgelenkt haben. "Wir arbeiten aktiv daran, möglichst verantwortungsvoll mit der im Weltraum verbleibenden Hardware umzugehen und die Sicherheit im Weltraum zu gewährleisten, auch bei komplexeren Missionen. In diesem Fall haben im Laufe der Zeit Sonnenaktivität und Gravitation die zweite Stufe in Richtung Mond abgelenkt. Einschläge wie dieser sind selten, können aber bei Objekten in solchen Umlaufbahnen vorkommen, und wir arbeiten mit der NASA zusammen, um eine optimale Lösung für die Entsorgung zu finden", heißt es in der Stellungnahme des Unternehmens.
Wachsendes Problem des Weltraummülls
Dieser Vorfall hat das wachsende Problem des Weltraummülls wieder in den Vordergrund gerückt, selbst in der Mondumlaufbahn, die derzeit deutlich weniger überfüllt ist als die Erdumlaufbahn. Das beschleunigte Tempo der Mondmissionen von Regierungsbehörden und privaten Unternehmen erhöht das Risiko der Ansammlung von Müll und potenzieller Kollisionen, aber auch der Kontamination wissenschaftlich wichtiger Orte.
Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) hat bereits reagiert, indem sie ihre Richtlinien zur Müllreduzierung aktualisiert und die zulässige Zeit für die Entsorgung von Satelliten von 25 auf fünf Jahre verkürzt hat. In den Vereinigten Staaten hingegen befindet sich der regulatorische Rahmen für diese Fragen noch in der Entwicklung. Experten warnen, dass es ohne internationale Vorschriften und eine bessere Überwachung zum sogenannten "Kessler-Syndrom" kommen könnte, einer Kettenreaktion von Kollisionen, die die Umlaufbahnen unbrauchbar machen würde. Da der Mond keine Atmosphäre hat, die Überreste beim Eintritt verglühen lässt, hinterlässt jeder Einschlag auf seiner Oberfläche eine dauerhafte Spur.