Wegen eines beispiellos niedrigen Wasserstands, verursacht durch die Hitzewelle, ist die Schifffahrt von Frachtschiffen auf dem Rhein südlich von Koblenz praktisch zum Erliegen gekommen, bestätigten am Dienstag Händler und die deutsche Agentur für Binnenschifffahrt WSV. Die Fahrrinne am kritischen Punkt bei Kaub ist auf nur noch 15 Zentimeter gesunken, der niedrigste Stand seit Beginn der Messungen.
An dieser Stelle, die als Engpass für den Flussverkehr gilt, ist der Rhein jetzt nur noch 1,15 Meter tief an der tiefsten Stelle der Fahrrinne. "Die kommerzielle Schifffahrt durch Kaub ist praktisch eingestellt und heute ist es nicht mehr möglich, Frachttransporte auf dem Rhein südlich von Kaub zu buchen", sagte ein Warenhändler gegenüber Reuters und fügte hinzu, dass Schiffe südlich dieses Punktes gestrandet sein könnten.
Schiffer hatten bereits am Vortag gewarnt
Die Schiffer hatten bereits am Montag angekündigt, dass die kommerzielle Schifffahrt bis zum Ende der Woche eingestellt werden könnte. Wegen des extrem niedrigen Wasserstands transportieren Frachtschiffe derzeit nur etwa 20 Prozent der üblichen Ladung. Dies hat zu einem dramatischen Anstieg der Transportkosten geführt; die Frachtraten für Lastkähne auf der Strecke von Rotterdam nach Karlsruhe sind von etwa 45 Euro pro Tonne Ende Juni auf derzeit 150 bis 160 Euro gestiegen.
DW News berichtet, dass Schiffe, die noch fahren, gezwungen sind, ihre Ladung um etwa 80 Prozent zu reduzieren, und dass in Deutschland normalerweise jede zehnte Tonne Fracht über Flüsse wie den Rhein transportiert wird. Die Versorgung mit Gütern wie Erzen, Öl, Chemieprodukten und Kohle ist nun ernsthaft gefährdet.
Milliardenverluste für die Wirtschaft
Die geringere Frachtkapazität der Schiffe belastet die Lieferketten erheblich und schränkt die Produktion ein, betonte Wolfgang Grosse Entrup, Vorsitzender des Chemieverbands VCI. Experten des Instituts für Weltwirtschaft Kiel schätzen, dass der niedrige Wasserstand der Flüsse im dritten Quartal die deutsche Wirtschaft zwischen einer und zwei Milliarden Euro an verlorener Aktivität kosten könnte, was das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 bis 0,2 Prozent senken würde.
Der Rhein ist die wichtigste europäische Binnenwasserstraße für den Handel, und allein die deutsche Industrie transportiert jährlich etwa 200 Millionen Tonnen Güter über ihn, darunter Treibstoffe, Rohstoffe, Getreide, Mineralien und Mineralölprodukte. Obwohl die Schifffahrt auf dem nördlichen Teil des Rheins vorerst fortgesetzt wird, wird ein Teil der Fracht bereits auf die Straße verlagert. In einigen Bundesländern wurde das Sonntags- und Feiertagsfahrverbot für Lkw vorübergehend ausgesetzt, um Versorgungsengpässe zu mildern.
Historischer Tiefstand und ökologische Folgen
Die Messstation bei Kaub hatte letzte Woche bereits einen Rekord von 19 Zentimetern verzeichnet. DW News berichtet, dass die aktuelle Messung 16 Zentimeter beträgt, während die WSV 15 Zentimeter angibt; die Differenz ist möglich aufgrund unterschiedlicher Ablesezeiten oder Rundungen. Es wird erwartet, dass der Wasserstand in den kommenden Tagen auf einstellige Werte fällt.
Deutschland, wie auch der größte Teil Europas, erlebt in diesem Sommer eine Reihe von Hitzewellen und eine lange Periode ohne nennenswerte Niederschläge, die Wissenschaftler teilweise auf den vom Menschen verursachten Klimawandel zurückführen. Der niedrige Wasserstand begünstigt auch das Algenwachstum, was die Wasserqualität und das Flussökosystem zusätzlich gefährdet.