Der rekordniedrige Wasserstand des Rheins, einer der wichtigsten europäischen Verkehrsadern, droht die kommerzielle Schifffahrt auf Teilen des Flusses in Deutschland vollständig zum Erliegen zu bringen. Jens Schwanen, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB), erklärte am Montag, dem 10. August 2026, gegenüber der Rheinischen Post, dass "die Entwicklung der Wasserstände nichts Gutes verheißt".
Nach seinen Worten wird erwartet, dass der Wasserstand am Referenzpegel Kaub, der in Rheinland-Pfalz zwischen Koblenz und Mainz liegt, in dieser Woche erstmals unter 10 Zentimeter fällt. Das würde bedeuten, dass der Rhein "nicht mehr durchgehend schiffbar ist und in zwei Teile geteilt wird", warnte Schwanen und fügte hinzu, dass in diesem Gebiet weder mit Frachtschiffen noch mit Ausflugsschiffen Güter transportiert werden könnten.
Pegel Kaub auf historischem Tiefstand
Am Montagmorgen betrug der Referenzpegel am Pegel Kaub nur noch 17 Zentimeter, was einer Fahrrinnentiefe von 130 Zentimetern entspricht. Der bisherige minimale Referenzwasserstand an derselben Stelle wurde 2018 mit 25 Zentimetern verzeichnet, so die Daten der deutschen Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV).
Eine Sprecherin der WSV erklärte gegenüber der AFP, dass der Wasserstand in den kommenden Tagen voraussichtlich weiter leicht sinken werde, es jedoch derzeit keine offiziellen Schifffahrtsverbote gebe. Die Entscheidung über die Anpassung der Ladungsmenge an den niedrigeren Wasserstand sei den einzelnen Kapitänen überlassen.
Schifffahrt nur noch im Norden und Süden möglich
Nach Einschätzung des BDB wird der Schiffsverkehr im nördlichen Teil des Rheins, von den ARA-Häfen (Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen) über die Niederlande bis in die Region um Köln in Nordrhein-Westfalen, möglich bleiben. Im Süden wird die Schifffahrt auf den Nebenflüssen Neckar, Mosel und Main sowie auf dem Main-Donau-Kanal machbar sein.
Dennoch wird ein großer Teil des Rheins in Deutschland für Schiffe unpassierbar, was diese lebenswichtige Wasserstraße de facto in zwei getrennte Abschnitte teilt. Die Folgen der anhaltenden Trockenperiode und der starken Hitzewellen sind bereits an der Donau sichtbar, deren Wasserstand seit Ende Juli auf Rekordtiefständen liegt.
Lkw als Alternative, Fahrverbote werden aufgehoben
Aufgrund des dramatisch niedrigen Wasserstands transportieren Frachtschiffe seit Tagen nur noch einen Teil ihrer üblichen Kapazität, und die Transportunternehmen sind gezwungen, die Anzahl der Fahrten zu erhöhen, was die Logistikkosten erheblich verteuert. Um Fracht auf die Straße umzuleiten, hat der deutsche Verkehrsminister Steffen Bilger am vergangenen Donnerstag, dem 6. August, die Möglichkeit erwähnt, das Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw vorübergehend aufzuheben.
Die Bundesländer Saarland und Rheinland-Pfalz haben diese Maßnahme bereits eingeführt, um die wirtschaftlichen Folgen der Unterbrechung des Flusstransports durch das industrielle Herz der führenden europäischen Volkswirtschaft abzumildern. Am vergangenen Wochenende wurden am Rhein in Nordrhein-Westfalen Rekordtiefststände verzeichnet, und Experten warnen, dass der Klimawandel diese extremen hydrologischen Ereignisse weiter verschärft.