Europol, die Strafverfolgungsbehörde der Europäischen Union, gab am 7. August 2026 bekannt, dass eines der größten kriminellen Netzwerke für Drogen- und Menschenschmuggel im westlichen Mittelmeerraum zerschlagen wurde. Bei einer umfangreichen Aktion, an der Polizeikräfte mehrerer Länder beteiligt waren, wurden insgesamt 78 Personen in Spanien und Algerien festgenommen.
Die Ermittlungen ergaben, dass das Netzwerk, das überwiegend aus Verdächtigen algerischer Herkunft bestand, als hochentwickeltes logistisches Zentrum für mehrere kriminelle Gruppen fungierte. Neben dem Schmuggel waren sie auch in gewalttätige Raubüberfälle, Erpressung, illegale Freiheitsberaubung und Geldwäsche verwickelt, wobei die Finanzströme über das Hawala-System abgewickelt wurden, um die Nachverfolgung des Geldes zu erschweren.
Zweiseitiger Strom von Drogen, Waffen und Menschen
Die Operation deckte ein komplexes zweiseitiges Schmuggelmodell auf. Auf der Route von Spanien nach Algerien transportierte das Netzwerk synthetische Drogen wie MDMA, Schusswaffen und Sprengstoff. Es gibt Uneinigkeit zwischen den Quellen über den Ausgangspunkt der synthetischen Drogen: Die BBC berichtet, dass sie aus Spanien und Portugal kamen, während Klix.ba berichtet, dass die Route Spanien und Frankreich umfasste. Die Rückrouten von Algerien nach Spanien wurden genutzt, um Cannabis, Waffen und Migranten auf das spanische Festland und die Insel Ibiza zu schmuggeln.
Für den Transport nutzten sie eine Flotte von 18 Schnellbooten, darunter sogenannte 'Geistergleiter', deren Wert auf 5 Millionen Euro (etwa 4,2 Millionen Pfund) geschätzt wird. Es handelt sich um Boote von bis zu 14 Metern Länge mit 3 bis 4 Motoren, die in Spanien verboten sind, da sie dafür gebaut wurden, Radar und Polizeipatrouillen zu entgehen.
"Die Gruppe nutzte diese Boote, um Transfers in internationalen Gewässern nahe der spanischen Küste zu organisieren. Nachdem die Fracht oder Migranten auf See übergeben worden waren, organisierten andere Mitglieder des Netzwerks den weiteren Landtransport", erklärte Europol.
Millionengewinne auf Kosten des Leids von Migranten
Migranten zahlten bis zu 12.000 Euro pro Person (etwa 10.200 Pfund) für die illegale Überfahrt nach Europa. Bei einer einzigen Überfahrt beförderten sie oft bis zu 50 Migranten auf überfüllten Gleitbooten ohne Beleuchtung und Rettungswesten, häufig bei extrem schlechtem Wetter. Allein durch den Menschenschmuggel erzielte das Netzwerk einen Gewinn von über 24 Millionen Euro (etwa 20 Millionen Pfund).
Die Ermittler vermuten, dass Mitglieder der Gruppe sexuelle Übergriffe und körperliche Misshandlungen an Migranten verübten und sie in improvisierten Unterkünften unter unmenschlichen Bedingungen festhielten. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Brutalität, mit der das Netzwerk vorging, indem es Schusswaffen, Drohungen und Auftragsmörder einsetzte, um die Kontrolle zu behalten.
Beschlagnahmungen und internationale Verbindungen
Bei Razzien an 17 Orten in Spanien, darunter Alicante, Almería, Cartagena und Murcia, wurden erhebliche Mengen an Waren und Geld beschlagnahmt. Zu den beschlagnahmten Gegenständen gehörten 15.000 MDMA-Tabletten (7 Kilogramm), 61 Kilogramm Haschisch, ein halbes Kilogramm Kokain, ein Revolver im Kaliber .38, eine simulierte automatische Pistole, Munition sowie mehr als 25.000 Euro in bar. Außerdem wurden Satellitentelefone, GPS-Geräte und Werkzeuge für verschlüsselte Kommunikation beschlagnahmt.
Das Netzwerk hatte weitreichende Verbindungen zu kriminellen Gruppen in Frankreich, Belgien, Portugal, Italien und Polen und diente auch als wichtigstes logistisches Zentrum für die berüchtigten Clans, die als 'Mocro-Mafia' bekannt sind.
Die Bekanntgabe des Erfolgs der Aktion erfolgt eine Woche, nachdem etwa 78.000 Migranten nach Ceuta, dem spanischen nordafrikanischen Territorium, geflohen waren, angestachelt durch Internetgerüchte über eine offene Grenze. Die meisten Migranten kehrten nach Marokko zurück, aber zwischen 3.000 und 5.000 blieben in dem Gebiet, sagte der Chef von Ceuta, Juan Jesús Vivas.