Der versuchte Drohnenangriff auf ein ukrainisches Flugzeug am Flughafen Leipzig/Halle in der vergangenen Woche weist eine Reihe von Parallelen zu der spektakulären Serie von Angriffen auf Luftfracht im Juli 2024 auf. Nach Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung (SZ) transportierte das damalige Netzwerk, das für den Versand von Brandsätzen verantwortlich war, gleichzeitig Drohnenkomponenten durch ganz Europa, auch nach Deutschland.
Der Vorfall ereignete sich in der vergangenen Woche, als in der Nähe mehrerer ukrainischer Transportflugzeuge eine Drohne mit Sprengstoff und Zünder gefunden wurde. Der Sprengsatz, versteckt in einer Dose, detonierte nicht, vermutlich wegen eines defekten Zünders. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärte damals, dass "ausländische Mächte" als Auftraggeber nicht ausgeschlossen werden könnten, und aus Sicherheitskreisen wird immer deutlicher auf Russland verwiesen.
Netzwerk aus 'Wegwerfagenten' und Spuren quer durch Europa
Durch Einsicht in polnische Ermittlungsakten fanden die Journalisten heraus, dass das Netzwerk, das im Juli 2024 Brandsätze in Paketen in Birmingham, Warschau und Leipzig platzierte, gleichzeitig Drohnenkomponenten durch Europa transportierte. Schon damals spielten Dosen eine Schlüsselrolle, genau wie im aktuellen Fall in Leipzig, wo an der Drohne eine mit hochexplosivem Material gefüllte Dose befestigt war.
Die zentrale Figur dieses Netzwerks ist ein junger Ukrainer, der nach Angaben der Ermittler im Auftrag des russischen Militärgeheimdienstes GRU handelte. Er gab den Transport zu, bestritt jedoch, gewusst zu haben, dass er für den russischen Geheimdienst arbeitete. Sein Kontakt auf Telegram, eine Person namens "Warrior", führte ihn durch eine Reihe von Aufgaben in ganz Europa. Die Ermittler haben mehr als 20 Verdächtige in diesem breiteren Sabotagenetzwerk identifiziert, und das Bundesamt für Verfassungsschutz bezeichnet solche Personen ohne Geheimdienstausbildung als "Wegwerfagenten".
Route: vom Friedhof in Kaunas bis zum Hotel in Düsseldorf
Laut polnischen Ermittlungsdokumenten grub der junge Mann im Sommer 2024 in Kaunas (Litauen) mehrere Dosen Mais, Propeller für Drohnen und Halterungen aus Plastikrohren aus, unter anderem an einem Ort auf einem Friedhof. Diese Teile brachte er nach Lodz in Polen, wo er sie im Gebüsch versteckte. Für diese erste Aufgabe erhielt er 2.000 Dollar.
Nur wenige Tage später, am 12. Juli 2024, ging er erneut zum Friedhof in Kaunas, grub eine neue Halterung und einen Propeller aus und machte sich auf den Weg nach Deutschland. Trotz einer Kontrolle an der polnisch-deutschen Grenze passierte er ohne Probleme. "Ich glaube, sie hatten keine Zweifel", schrieb er seinem Kontakt "Warrior", der auf die Nachricht von der Kontrolle kurz antwortete: "Scheiße".
Die Ausrüstung ließ er schließlich in einem Hotelzimmer in Düsseldorf zurück und erhielt dann den nächsten Auftrag, aus einem Gebüsch neben den Bahngleisen in derselben Stadt eine Tüte mit zusätzlichen Propellern zu holen und nach Polen zurückzubringen. Diese Route deutet auf ein breiteres Netzwerk von Helfern vor Ort in Deutschland hin. Zwei der insgesamt zehn Angeklagten im Luftfrachtfall hielten sich in den Tagen vor dem Anschlag in Frankfurt am Main und später in Berlin auf, in einem Hotel, das als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird. Deutsche Ermittler führten 2024 und 2025 Durchsuchungen und Vernehmungen durch, fanden jedoch keine Beweise für Straftaten.
Suche nach den Auftraggebern und Prozesse
Während zahlreiche Täter festgenommen wurden, geht die Suche nach den Organisatoren weiter. Hinter dem Telegram-Profil "Warrior" vermuten die polnischen Ermittler Alexej K., eine Person mit Verbindungen zum GRU. Die Spur führte die Ermittler nach Krasnodar in Russland. Alexej K. wird auch verdächtigt, an der Brandstiftung in einem Ikea-Markt in Litauen beteiligt gewesen zu sein.
Der junge Ukrainer steht derzeit in Polen zusammen mit vier weiteren Angeklagten im DHL-Fall vor Gericht. In Litauen wurde Anklage gegen fünf Personen erhoben. Moskau hat bisher alle Vorwürfe einer Beteiligung an diesen Angriffen zurückgewiesen.