Das Ende des Sommers bringt traditionell Fragen zur Versorgungssicherheit und zu Energiepreisen vor den kälteren Monaten mit sich. In diesem Jahr werden die Ängste durch den anhaltenden Konflikt im Nahen Osten und die rekordniedrigen Wasserstände der Flüsse verstärkt, was sich direkt auf den Betrieb von Wasserkraftwerken und das Kernkraftwerk Krško auswirkt. Dennoch versichern die Energieexperten Ivica Jakić und Igor Grozdanić im Gespräch mit N1, dass es keine Engpässe bei Strom und Kraftstoffen geben wird, warnen jedoch vor möglichen Problemen bei Erdgas.
KKW Krško mit reduzierter Leistung, aber Strom wird ausreichen
Das Kernkraftwerk Krško, das 16 Prozent des kroatischen Strombedarfs deckt, hat Mitte der Woche vorbeugend die Reaktorleistung um 20 Prozent reduziert. Der Grund ist die Gefahr einer Überhitzung des Wassers im Fluss Save. "Dies ist keine Einschränkung aus technologischen, sondern aus ökologischen Gründen, nämlich zum Schutz der Umwelt und der Temperatur der Save", erklärte Experte Ivica Jakić.
Trotzdem erwarten weder Jakić noch Grozdanić eine gefährdete Stromversorgung im Herbst. Jakić betont, dass der Markt dank der Kernkraftwerke in Frankreich sowie denen in Tschechien und der Slowakei, die zusammen acht Reaktoren haben, stabil sein wird. "Sie werden, wie auch das KKW Krško, mit Luftkühlern gekühlt und sind nicht von der Menge des Kühlwassers aus Flüssen oder Seen abhängig", sagte Jakić. Zusätzliche Sicherheit bietet auch der Stromimport aus Bosnien und Herzegowina, wo die Wärmekraftwerke ohne Probleme arbeiten.
Grozdanić war in seiner Einschätzung noch direkter: "Wenn nichts Außergewöhnliches oder Katastrophales passiert, erwarte ich keine Engpässe und Probleme bei der Stromversorgung. Und wenn die Preise steigen, dann nicht übermäßig."
Kraftstoffe: Nach den Preiserhöhungen des letzten Jahres steht neues Diesel-Plus bevor
Auf dem Mineralölmarkt ist die Lage etwas dynamischer. Nach vier aufeinanderfolgenden Preissenkungen begann Mitte Juli 2026 die erste Preiswelle, und zwar nur für Dieselkraftstoff. Vor zwei Wochen folgte eine deutliche Preiserhöhung aller Kraftstoffe: Autogas stieg um fünf Cent pro Liter, Eurosuper 95 um acht Cent und Eurodiesel sogar um 16 Cent pro Liter.
Nach inoffiziellen Informationen soll Eurosuper 95 am nächsten Dienstag um zwei Cent pro Liter billiger werden, während Eurodiesel und Blau-Diesel um drei Cent teurer werden könnten. Die endgültige Entscheidung über einen möglichen Eingriff in die Preise trifft die kroatische Regierung am Montag.
Igor Grozdanić erwartet jedoch keine größeren Turbulenzen im Herbst. "Was die Kraftstoffe betrifft, ist die Situation stabiler als auf den Märkten anderer Energieträger bei uns. Unabhängig von der Lage im Nahen Osten sind die Preise im Sommer wegen der Tourismussaison immer höher", erklärte er.
Erdgas: Speicher füllen sich langsam, Preise steigen
Die größte Unsicherheit betrifft Erdgas. Grozdanić warnt, dass sich die Untergrundspeicher nur sehr langsam füllen, was er auf hohe, für diese Jahreszeit ungewöhnliche Preise zurückführt. "Der amerikanisch-iranische Krieg hat das Gasangebot reduziert, und alle warten darauf, wie sich die Lage im Nahen Osten entwickelt. Die Situation ist interessant, weil die europäischen Erdgasreserven auf den niedrigsten Stand seit 2011 gefallen sind. Unter den aktuellen Marktbedingungen lohnt es sich für niemanden, die Speicher zu füllen", erklärte er.
Derzeit liegen die Gasreserven in den EU-Speichern knapp unter 58 Prozent. Ähnlich ist die Lage im kroatischen Untergrundspeicher Okoli, der am Freitag zu 57 Prozent gefüllt war. Die kroatische Regierung hat Ende Juli 2026 eine Entscheidung getroffen, wonach der Füllstand von Okoli bis zum 1. Oktober 2026 mindestens 85 Prozent betragen muss, mit einer zulässigen Abweichung von bis zu fünf Prozent.
Der Preis für Erdgas in der Europäischen Union hat bereits 60 Euro pro Megawattstunde (MWh) überschritten. Grozdanićs Prognose für den Herbst ist nicht optimistisch: "Im Herbst könnte der Gaspreis zwischen 55 und 75 Euro pro MWh liegen."