Die Spezialwerft BSO in Split, bekannt für den Bau von U-Booten seit der Zeit des ehemaligen Staates, steht am Rande der Insolvenz, doch genau diese Krise könnte zum Wendepunkt für die kroatische Rüstungsindustrie werden. Während sich Eigentümer Tomislav Debeljak und Verteidigungsminister Ivan Anušić um das Schicksal der unfertigen Küstenwachschiffe streiten, zeichnet sich im Hintergrund ein staatlicher Plan ab, die Schlüsselressourcen der Werft zu übernehmen und sie zum Rückgrat für die wachsende Produktion von Kriegsschiffen zu machen.
Gericht blockiert Restrukturierung, Schulden erreichen 146 Millionen Euro
Das Handelsgericht in Zagreb hat kürzlich die Bestätigung des Finanzrestrukturierungsplans der BSO abgelehnt und damit den Weg für ein Insolvenzverfahren geebnet. Unter den Gläubigern dominiert Brodosplit Plovidba mit einer Forderung von 133 Millionen Euro, während die Gesamtforderungen an die Werft 146 Millionen Euro betragen. Interessanterweise stimmten auch staatliche Gläubiger, darunter die Steuerverwaltung und das Finanzministerium, gegen den Restrukturierungsplan, obwohl der Staat über das Verteidigungsministerium (MORH) zugleich einer der wichtigsten Geschäftspartner der BSO ist.
Diese widersprüchliche Position, der Staat als Gläubiger, der das Unternehmen in die Insolvenz treibt, und gleichzeitig als wichtiger Auftraggeber, deutet darauf hin, dass die Insolvenz kein Zufall ist, sondern Teil eines größeren Plans. Die Schuldenstruktur, die hauptsächlich mit Brodosplit und DIV verbundene Unternehmen umfasst, weist darauf hin, dass es sich um eine interne finanzielle Konstruktion innerhalb des Geschäftssystems desselben Eigentümers handelt, nicht um eine Situation, in der der Staat private Schulden retten müsste.
Staatliches Unternehmen mit sauberer Bilanz
Nach inoffiziellen Informationen könnte der Staat im Falle einer Insolvenz eine funktionale Einheit ausgliedern, die die geschlossene Helling, Werkstätten, Kräne, Maschinen und andere für die Fortsetzung des Spezialschiffbaus notwendige Ausrüstung umfasst. Auf dieser Grundlage würde ein neues staatliches Unternehmen gegründet, das mit einer sauberen Bilanz und einem strategischen Plan starten würde, der Fertigstellung der Küstenwachschiffe sowie der Planung und Produktion von Korvetten, wobei das Verteidigungsministerium die Auftragsbücher führen würde.
Die BSO hat über Jahrzehnte ihren Ruf auf dem Bau von Schiffen für militärische und polizeiliche Zwecke aufgebaut und sich auf Überholung und Modernisierung spezialisiert. Der Verlust dieser Ressourcen in der Insolvenz würde nicht nur die Verschwendung von angesammeltem Wissen und Ausrüstung bedeuten, sondern auch eine dauerhafte Abhängigkeit von ausländischen Werften für die Bedürfnisse der kroatischen Marine.
Europäischer Kontext und strategische Chance
Die Wiederbelebung der Rüstungsindustrie wird in der Europäischen Union, angestoßen durch den Krieg in der Ukraine, zu einem immer wichtigeren Thema. Durch Programme wie SAFE eröffnen sich finanzielle Kanäle für die Entwicklung der Produktion und gemeinsame Projekte zur Stärkung militärischer Fähigkeiten. In dieser Konstellation könnte die BSO für ein Land mit langer maritimer Tradition, das zumindest eine Kapazität für den militärischen und speziellen Schiffbau im eigenen Sicherheitsinteresse erhalten möchte, von strategischer Bedeutung sein.
Anstatt ausländische Werften für die Produktion von Marine- und Polizeischiffen zu bezahlen, könnte Kroatien diese Schiffe selbst produzieren und exportieren, sodass andere Länder an Kroatien zahlen würden. Die Frage, die offen bleibt, ist, ob die Regierung diese Gelegenheit erkennen und nutzen wird, bevor die über Jahrzehnte aufgebauten Ressourcen unwiederbringlich verschwinden.