Thomas Muster, geboren am 2. Oktober 1967 in Leibnitz, wird als einer der größten Kämpfer in der Geschichte des Tennis in Erinnerung bleiben. Seine Geschichte ist nicht nur ein sportlicher Erfolg, sondern auch ein unglaubliches Lebensdrama, das in der schicksalhaften Nacht des 1. April 1989 begann. Zwei Stunden nach dem größten Sieg seiner Karriere wurde er von einem betrunkenen Fahrer ohne gültige Fahrerlaubnis angefahren, der ihm das linke Knie zertrümmerte und nicht nur seine Karriere, sondern auch sein Leben in Frage stellte.
"Ich lag auf dem Boden und dachte: 'Das ist es. So ende ich. Nicht durch eine Niederlage auf dem Platz, sondern auf einem Parkplatz zusammen mit einem betrunkenen Fahrer nach dem größten Sieg meiner Karriere.' Ich erinnere mich, dass ich Jahre später dachte, ich hätte tot sein können", erinnerte sich Muster an den dunkelsten Tag seines Lebens.
Liebe zu Kroatien von klein auf
Bevor er die Nummer eins der Welt wurde, entwickelte Muster eine unzerreißbare Verbindung zu Kroatien. Seine Familie verbrachte die Sommerferien in Istrien und Dalmatien, und ausgerechnet in Umag lernte er im Alter von fünf Jahren schwimmen. Die Abende verbrachte er mit Fußballspielen mit den einheimischen Kindern, und diese Liebe zu Kroatien betonte er oft in Interviews, wobei er sagte, dass er seine Küste viele Male durchsegelt habe.
Rückkehr durch Tränen und einen Stuhl
Die Ärzte waren nach dem Unfall nicht optimistisch. "Vielleicht wirst du nie wieder Tennis spielen", waren die Worte, die sie ihm sagten. Doch Muster gab nicht auf. Mit Hilfe seines Trainers Ronnie Leitgeb baute er einen speziellen Stuhl, von dem aus er Bälle schlagen konnte, während sein Bein ruhiggestellt war. Indem er die Kraft ausschließlich aus dem Oberkörper generierte, verfeinerte er den Spin, der ihm Weltruhm einbringen sollte.
"Zwei Wochen zuvor dachten sie, er würde nie wieder laufen, aber als er anfing, Bälle zu schlagen, sah ich das Feuer in seinen Augen. Von diesem Moment an wusste ich, dass er auf den Platz zurückkehren würde", sagte Leitgeb. Muster kehrte nach nur fünf Monaten zurück und spielte ein Schaukampf gegen Ivan Lendl in Wien. Das Comeback im Wettkampf folgte wenige Tage später mit einem Sieg über den Mexikaner Agustin Moreno in der ersten Runde des ATP-Turniers in Barcelona.
Aufstieg vor der Tragödie
Muster kam fast zufällig zum Tennis. Sein Vater Heinz war Profifußballer und Trainer und nahm ihn zu den Trainingseinheiten mit, aber der junge Thomas interessierte sich nicht lange für Fußball. Er verliebte sich in den orangefarbenen Snauwaert-Schläger, den ihm seine Eltern für 600 Schilling gekauft hatten. Mit acht Jahren meldeten sie ihn im Tennisclub an, der fünf Gehminuten von seinem Zuhause entfernt lag.
Schon als Junior kämpfte er sich an die Spitze. 1984 belegte er den zehnten Platz in der Junioren-Weltrangliste, debütierte für Österreich im Davis Cup und spielte bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. 1986 gewann er seinen ersten ATP-Titel in Hilversum, und zwei Jahre später erlebte er einen kometenhaften Aufstieg mit vier ATP-Titeln und einer Bilanz von 51:16, womit er sich auf Platz 13 der ATP-Rangliste vorarbeitete. Besonders glänzte er auf Sand, wo er 43 Siege und nur neun Niederlagen verbuchte.
Der Unfall, der alles veränderte
Zu der schicksalhaften Nacht kam es, nachdem Muster Yannick Noah im Halbfinale von Miami mit einer spektakulären Aufholjagd besiegt hatte. Dieser Sieg sicherte ihm den ersten Einzug in die Top 10 und machte ihn zum ersten Österreicher in dieser Gruppe. Am 1. April 1989, als er seine Ausrüstung aus dem Kofferraum holte, krachte ein Lincoln Continental, gesteuert von dem betrunkenen Robert Norman Sobie (37), in ihn. Seine Seiten- und Kreuzbänder rissen, und neben ihm wurden auch der Fotograf Wolfgang Ritschke und die Turnierfreiwillige Michelle Boyd verletzt.
Muster versicherte damals im Adrenalinschock seinem Trainer Leitgeb, dass er für das Finale bereit sein würde. Wegen der Infektionsgefahr wurde er erst nach seiner Rückkehr nach Österreich operiert. "Vielleicht hätte ich ohne den Unfall mehr erreicht, vielleicht wäre ich nie die Nummer eins geworden. Ich hätte auch tot sein können", sagte Muster im Rückblick auf diesen Tag.
Das Vermächtnis des 'Königs des Sandplatzes'
Musters Spielstil war nicht elegant, aber äußerst effektiv. Er spielte staubig, grub nach jedem Ball und zwang die Gegner ständig zu einem Schlag mehr. Er war bekannt für seine unglaubliche Arbeitsmoral, seine schnelle Beinarbeit und seinen extremen Topspin. Diese Eigenschaften brachten ihm den Spitznamen "König des Sandplatzes" und den Respekt der größten Rivalen wie Lendl, Becker, Edberg und Agassi ein.
"Fast niemand hielt es für besonders bedeutsam, dass Thomas die wichtigste Zutat für Erfolg besaß, nämlich Leidenschaft", schrieb Günter Bresnik, damals Trainer von Horst Skoff, in seinem Buch "Die Dominik-Thiem-Methode". Muster verließ die Schule mit 14 Jahren, und sein Lehrer "prophezeite" ihm, dass er auf der Straße landen würde. Eine Prophezeiung, die nicht eintrat.