Die Zahl der Todesopfer bei der Fährunglück am Kariba-See in Simbabwe ist auf 80 gestiegen, wie die Polizei am Sonntag, dem 16. August 2026, mitteilte. Unter den Opfern sind mindestens 18 Kinder, und Rettungsteams durchsuchen weiterhin das Gebiet um das gekenterte Schiff.
Der Unfall ereignete sich am 11. August 2026, als die Fähre aufgrund starker Wellen kenterte. Laut Egypt Independent meldete die Polizei zunächst 72 Tote, während die Tagesschau berichtet, dass die Zahl der Opfer später auf 80 gestiegen ist. Die Quellen unterscheiden sich in der genauen Zahl, und eine unabhängige Bestätigung ist nicht möglich.
Passagiere baten den Kapitän umzukehren
Nach Angaben von Überlebenden, die die Tagesschau zitiert, baten die Passagiere den Kapitän vor dem Unglück, die Fahrt wegen hoher Wellen und starkem Wind abzubrechen, doch er lehnte ab. Kurz darauf geriet die Fähre im östlichen Teil des Kariba-Sees in Not und kenterte.
Die Katastrophenschutzbehörde der Provinz beschrieb das Schiff als "stark überladen und technisch heruntergekommen". Lokale Medien berichteten, dass am Tag des Unglücks Sicherheitswarnungen für Schiffe auf dem See herausgegeben wurden.
Überladung und fehlende Registrierung
Die offizielle Kapazität der Fähre betrug 90 Passagiere und 5 Besatzungsmitglieder, aber nach Schätzungen der Behörden befanden sich mehr als 110 Erwachsene an Bord, zusätzlich zu einer unbekannten Anzahl von Kindern. Egypt Independent berichtet, dass Schätzungen der Passagierzahl bis zu 153 Personen reichen.
Das Problem mit der Registrierung von Kindern ergibt sich aus der Tatsache, dass Kinder unter dem Ticketalter nicht in den Passagierlisten enthalten sind. Die Polizeiliste zeigte, dass 16 der getöteten Kinder 10 Jahre oder jünger waren, und das jüngste Opfer war erst ein Jahr alt.
Nach Angaben der simbabwischen Katastrophenschutzbehörde wurden 77 Personen gerettet. Leichen wurden unter dem gekenterten Rumpf der Fähre und im Wasser rund um die Unglücksstelle gefunden.
Präsident ruft Katastrophe aus und kündigt Reformen an
Simbabwes Präsident Emmerson Mnangagwa nannte den Unfall eine "nationale Tragödie" und rief offiziell den "Katastrophenfall" aus. In einer Erklärung räumte er "schwerwiegende Mängel" in den maritimen Sicherheitsstrukturen des Landes ein.
Mnangagwa kündigte eine Überarbeitung der Sicherheitsstandards, die Modernisierung der Flotte und den Ersatz der gesunkenen Fähre an. Er versprach auch die Sanierung einer wichtigen Straße, die so heruntergekommen ist, dass viele Menschen gezwungen waren, die Fährverbindung zu nutzen.
Menschenrechtsorganisationen in Simbabwe forderten eine unabhängige Untersuchung, klare Verantwortlichkeit und konkrete Reformen. Die von den Behörden angekündigte Untersuchung soll klären, warum die Fähre trotz Wetterwarnungen auslief, wie viele Menschen tatsächlich an Bord waren und ob Sicherheitsvorschriften verletzt wurden.
Kariba-See: Der größte künstliche See der Welt
Der Kariba-See ist der größte künstliche See der Welt nach Volumen, entstanden durch den Bau des Staudamms am Sambesi Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre. Er erstreckt sich über mehr als 200 Kilometer in der Länge und ist an manchen Stellen bis zu 40 Kilometer breit.
Der See wird von Simbabwe und Sambia geteilt, wobei die Grenze zwischen den beiden Ländern durch seine Mitte verläuft. Die Fähre transportierte Passagiere von der Stadt Kariba zu ländlichen und Fischereigemeinden im Nordwesten des Landes, wo die Straßen beschädigt und öffentliche Verkehrsmittel selten sind.