Trump empfing Netanyahu und Selenskyj: Schlüsselgespräche über Kriege
Während die Konflikte im Iran und in der Ukraine andauern, sucht Netanyahu Unterstützung für die Wahlen, und Selenskyj benötigt dringend Luftabwehr.
Während die Konflikte im Iran und in der Ukraine andauern, sucht Netanyahu Unterstützung für die Wahlen, und Selenskyj benötigt dringend Luftabwehr.
Der amerikanische Präsident Donald Trump hat am Dienstag den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu und den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus zu getrennten Gesprächen empfangen. Die beiden Staatsführer reisten nach Washington inmitten kritischer Phasen der Kriege im Iran und in der Ukraine, Anlass war auch eine Gedenkfeier für den republikanischen Senator Lindsey Graham, einen engen Verbündeten Trumps.
Benjamin Netanyahu traf in Washington ohne die übliche Vorankündigung und ohne Begleitung von Journalisten ein, berichtet Middle East Eye. Sein Besuch kommt zu einem Zeitpunkt, da die Beziehungen zu Trump aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über die Führung des Konflikts mit dem Iran zunehmend unter Druck geraten. Im Juni hatten die beiden Führungspersönlichkeiten ein scharfes Telefonat, das Spannungen offenbarte, schreibt der Globe and Mail. Netanyahu, der sich am 27. Oktober 2026 Wahlen stellen muss, hofft, dass ihm das Treffen mit dem US-Präsidenten im Wahlkampf hilft.
"In diesen komplexen Zeiten muss man mit großer Entschlossenheit und Weisheit handeln. Wir werden über alle Tagesordnungspunkte sprechen, vor allem über den Iran", sagte Netanyahu in einer Videoerklärung vor seinem Abflug, berichtet der Globe and Mail.
Nach Angaben der russischen Staatsagentur TASS beabsichtigt Netanyahu, Trump neue Geheimdienstinformationen zu präsentieren, die angeblich zeigen, dass der Iran seine militärischen Fähigkeiten wiederherstellt und seine Bemühungen zur Entwicklung von Atomwaffen beschleunigt. Trump erklärte am Montag gegenüber Journalisten an Bord der Air Force One: "Bibi war großartig. Er war ein Kriegspremier. Wir haben sehr gut zusammengearbeitet." Gleichzeitig betonte er jedoch die Abhängigkeit Israels von den USA. "Israel würde ohne die USA nicht überleben. Israel wäre vor Monaten und Jahren eliminiert worden", berichtet Middle East Eye.
Netanyahus Besuch wird auch vom Schatten des Haftbefehls überschattet, den der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) im November 2024 gegen ihn und den ehemaligen Verteidigungsminister Yoav Gallant wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit erlassen hat, erinnert Middle East Eye.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist in den USA eingetroffen und hat auf der Social-Media-Plattform X seine Prioritäten veröffentlicht. "Unsere Priorität Nummer eins ist die ballistische Abwehr und die strategische Zusammenarbeit mit Amerika. Der Frieden muss nähergebracht werden", schrieb er, berichtet Ukrainska Pravda. Eine ukrainische Quelle sagte dem Globe and Mail, Raketen für Patriot-Systeme seien für sie am wichtigsten: "Wir erleiden täglich Angriffe, daher brauchen wir Trumps Zustimmung und die seines Teams, um Raketen für Patriot zu kaufen."
Selenskyjs Besuch findet im Schatten eines Schreibens des Pentagons statt, in dem erklärt wird, dass die Verwaltung die vom Kongress bewilligten 400 Millionen Dollar für die Hilfe an die Ukraine erst im Geschäftsjahr 2029 ausgeben werde, obwohl Kiew dringend Waffen zur Verteidigung gegen russische Raketenangriffe benötigt, berichtet der Globe and Mail. Demokraten und ein Teil der Republikaner kritisierten das Pentagon für die Zurückhaltung dieser Hilfe.
Nach dem Weißen Haus wird Selenskyj alle US-Senatoren im Kapitol treffen, während der Senat ein Gesetz über strengere Sanktionen gegen Russland prüft.
Neben dem Krieg im Iran stehen auch die Spannungen zwischen Israel und dem Libanon auf der Tagesordnung. Letzte Woche empfing Trump den libanesischen Präsidenten und stellte die Bedingung, dass er ein ziviles Atomabkommen mit Saudi-Arabien nur dann abschließen werde, wenn Riad den Abraham-Abkommen beitrete, einer Reihe von Vereinbarungen, mit denen es die Beziehungen zu Israel, den VAE, Bahrain, Marokko und dem Sudan normalisiert hat.
Nach Angaben des brasilianischen Portals G1 Globo hat die israelische Regierung die Schaffung internationaler Stabilisierungskräfte im Gazastreifen genehmigt, die zunächst rund 200 Soldaten aus Partnerländern umfassen sollen, um die humanitäre Zone in Rafah im Süden der palästinensischen Enklave zu schützen. Europäische Länder und Japan haben eine Milliarde Dollar für den Wiederaufbau des Gazastreifens gespendet.
Das Vereinigte Königreich gab am 26. Juli bekannt, dass es die Technologie "Stone Cloak" mit der Ukraine zur Massenproduktion teilen werde. Beide Staatsführer werden auch an der Gedenkfeier für Senator Lindsey Graham, der verstorben ist, teilnehmen. Selenskyj erklärte, er werde "im Namen der gesamten Ukraine" sein Engagement für Sicherheit und Freiheit würdigen.
"Jetzt ist die Zeit, den Krieg zu beenden", sagte ein Sprecher des Weißen Hauses, berichtet der Globe and Mail, und bezog sich dabei auf den Friedensprozess zwischen Russland und der Ukraine.